Test - Anstoss 3 : Anstoss 3

  • PC
Von Kommentieren

Fussballmanager haben sich bislang nur einer - im Vergleich zu anderen Genres - recht kleinen Fangemeinde erschlossen. Viel zu sehr haftete in der Vergangenheit das Image von staubigen Tabellenkalkulationen an diesen Spielen, die sich vor allem durch komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge auszeichneten.

Das Image der Tabellenkalulationen sind die Managerspiele nun zwar halbwegs los, aber das vermeintliche Kunststück schöne Grafik und Spielwitz in gleich einem Programm unterzubringen, ist noch keinem Hersteller vollständig geglückt. Entweder erreichte das Programm vermeintliches Flair durch eine Commander Keen-Grafik oder die Grafikengine war Fifa-Genial aber der Rest ähnlich spaßig wie kanadisches Eisfischen.
Ascaron will das Künststück nun mit Anstoss 3 gemeistert haben: An Spielspaß mangelte es der Anstoss-Reihe nie - nun soll eine schicke 3D-Grafik endgültig den Weg für den Massenmarkt freimachen. Doch noch ist es fragwürdig, ob das Spiel die Massen glücklich macht.

Schon nach dem Einlegen der (einzigsten) CD kommt die erste positive Überraschung: Der Autostart bietet einem gleich die Möglichkeit das aktuelle DirectX 7a zu installieren - das spart den Download von 6.7MB. Dann geht es an die eigentliche Installation, die wahlweise 350 oder 630 Megabyte verschlingt. Nach einem weiteren Neustart geht es dann über das Startmenü zu dem 3D-Setup, mit dem man bequem Anstoss 3 an seinen Rechner anpasst. Ascaron empfiehlt einen P233 mit D3D-Karte - ich testete es auf einem AMD K6-2 400 Mhz mit TNT2 - damit lief A3 "gut". Was das genau bedeutet, lest ihr weiter hinten im Test.

Das Renderintro ist kurz, cool und macht Lust auf mehr. Nach ihm findet man sich unter Begleitung von Hardrockmucke auf dem ersten von vielen, vielen festen Screens wieder. Diese sind aus bewährten Zutaten bereitet: Artwork im Hintergrund, darauf windowstypische Labels und Optionsfelder, gemischt mit bunten Buttons. Und um zum nächsten Screen zu kommen tätschelt man wieder ein bekanntes Maskottchen.
Brav dem Handbuch folgend, entscheiden wir uns für eine Karriere mit Vereinsauswahl. Kurz darauf bin ich der Allmächtige aka Trainer beim SV Werder Bremen. Pardon, beim Vfl Bremen, denn Ascaron hat nach wie vor keine Namensrechte. Es dürfte aber jeder erkennen, dass der Torwart der Bayern nicht Oliver Huhn heißt. Jetzt gilt es vorerst einmalig die üblichen Dinge zu erledigen, also mit Sponsoren verhandeln, Bandenwerbung verteilen, eine erste Kalkulation für die Saison wagen und schwarze Kassen einrichten - bekanntermaßen kommt so etwas ja erst in Oppositionszeiten ans Tageslicht. Und genau diese kann einem in A3 dass Leben schwer machen, besonders in den oberen der 5 Schwierigkeitsgrade lässt die Oppositon gerne unseren Stuhl kräftig wackeln.

Nach den Vorbereitungen findet man sich dann im Herzen von A3 wieder - dem Managermenü. Eine Reihe von Buttons am unteren Bildschirmrand erlaubt das schnelle Wechseln zwischen den verschieden Screens, auf denen man sein Alltagsgeschäft erledigt. Alternativ kann man dies auch über bildschirmfüllende Menüs in einer grafischen und textorientierten Version erledigen. Empfehlenswert ist aber die erst genannte Methode, da man sonst bei jedem Wechsel der Screens über das Hauptmenü gehen muss - eine ziemlich nervige Methode.

Nun aber zu den Screens im Einzelnen, von denen man einige fast nie, andere täglich besucht. Zu letzeren gehört jener der Mannschaftsaufstellung. Hier wird das eigene Team auf einem übersichtlichen 2D-Feld aufgestellt. Per Drag&Drop zieht man aus der Liste des ganzen Teams die gewünschten Spieler auf deren Position oder gleich auf die Ersatzbank. Dabei sieht man deren Eigenschaften und wie die Jungs im Moment so drauf sind. Wer glaubt "einmal gut ist immer gut" wird bald eines bessern belehrt werden. Einmal waren 2/3 meiner Mannschaft frisch verliebt. An eine konstante Leistung ist dann nicht mehr zu denken.

Wie an so vielen Stellen hilft einem auch hier der Co-Trainer, der auf Wunsch die komplette Aufstellung übernimmt. Autofunktionen wie "Jüngste Spieler aufstellen" oder "Frischeste Spieler" helfen ebenfalls.

Auf dem Taktikscreen wird der Mannschaft dann direkt mitgeteilt, wie sie zu spielen hat. Von der Offensiv/Defensiv-Frage über "Spielt viel über Links" bis zur Aufforderung zum Nutzen "mieser Tricks" werden hier so ziemlich alle taktischen Möglichkeiten abgehandelt, die man als normaler Ran-Fachmann so kennt. Ebenfalls wichtig sind die diversen Trainingsscreens, auf denen man eine Langzeitplanung für die ganze Saison erstellt oder auch nur festlegt, was die Spieler bis zum nächsten Spieltag so trainieren. Manchmal ist aber auch Extrem-Spaziergehen angesagt, um den Frischewert zu steigern. Nach 3 "brutalen Konditionswochen" am Stück war dieser bei meinem Team so gefallen, dass sich sogar mein Co-Trainer meldete, der mir dann gleich einen Vorschlag zur langfristigen Trainingsplanung ausarbeiten durfte.

Zur Kategorie "Wer braucht´s?" gehört anfangs der "persönliche Erfolge"-Screen, denn der ist eben noch leerer als unsere Staatskassen. Wichtiger ist da schon der Screen für Transfers. Hier verwaltet man alle Wechsel und bietet seine persönlichen Lieblingsknappen zum Verkauf an.

Weniger ins Gewicht fällt der Stadionausbau - insgesamt nett gemacht, doch wer ihn nicht beachtet wird auch nicht umkommen. Wie immer kann man Aktien kaufen und sogar seinen eigenen Verein an die Börse bringen. Wie freuen uns auf die erste feindliche Übernahme!

Für den absoluten Zahlenfanatiker gibt es natürlich auch jede Menge Statistikscreens und für die schwarze Seite von uns den Kontaktescreen. Hier kann man verschiedene Personen anrufen und um kleine Gefälligkeiten bitten. Das Vertrauen des Vorstands sinkt? Einfach vom guten Reporterfreund einen lobenden Artikel über sich schreiben lassen oder "neutrale" Kritik am Vorstand über die Zeitung loswerden. Dann geht "s einem doch gleich viel besser.

Nach dem ganzen Einstellungskram ist man natürlich doppelt gespannt auf den ersten Spieltag. Also wird flugs der "Anstoss!"-Button gequält und die Woche beginnt. Die Tage bis zum Samstag vergehen in der Regel recht schnell, es sei denn es gibt besondere Vorkommnisse wie Verhandlungen mit Spielern oder Meldungen "aus der Redaktion". Dies kann der Hinweis auf einen Beinbruch eines Stürmers sein wie auch die Eilmeldung, dass der Torwart frisch verliebt ist.

Am Morgen des Spiels kommt man dann noch einmal kurz in das Hauptmenü zurück, die meisten Screens sind aber gesperrt, nur Aufstellung und Taktik lassen sich noch ändern. Vor dem Anpfiff kann man dann den Spielern noch einige Worte mit auf den Weg geben. Und hier ist viel Feingefühl gefragt, denn wenn man nicht den richtigen Ton trifft kann dies spielentscheidend sein. Die Spieler sind halt ein Haufen Sensibelchen...

Das Spiel lässt sich wahlweise im klassischen Textmodus darstellen, in denen das ganze Spiel in Textform erzählt wird. Bei dieser ziemlich unspektakulären Darstellung kann man glücklicherweise die Geschwindigkeit hoch stellen, so dass das Spiel in kurzer Zeit gegessen ist. Eine Möglichkeit, die es im Grafikmodus nicht gibt, womit wir erfolgreich einen Bogen zu eben jenem geschlagen haben :o)

Ascaron scheut auf seinen Internetseiten keinen Vergleich der Grafik mit der aktueller Actionspiele - sollten die Jungs aber! Insgesamt ist meine Meinung über die Grafik geteilt: Wenn man sich nah ranzoomt oder eine Szene in der Wiederholung aus der Nahansicht gezeigt wird, ist die Grafik wirklich hübsch. Besonders die unterschiedlichen Spielerfiguren mit ihren netten Animationen haben mir gefallen. Sinnvoller ist aber die Betrachtung aus einer der hohen Perspektiven, die einem eine gute Übersicht bietet. Hier offenbaren sich die Schwächen: Während man die nun futzelig wirkenden Figuren noch verzeiht, tut es einem wirklich weh die undetaillierten Objekte wie Tore und Ersatzbänke zu betrachten. Auch die Tribünen sind recht hässlich.

Am ärgerlichsten finde ich noch, dass die Grafik auf meinem 400-er System mit TNT2 und 64 MB-Ram in 640*480*16 nicht ganz ruckelfrei läuft. Wenn ich das nun mit einem aktuellen Shooterspiel aus dem Hause ID vergleiche, dann läuft der - naturgemäß hardwarefressende Shooter trotz der wesentlich besseren Grafik - flüssiger. Trotzdem sollte man Ascaron die Bemühungen hoch anrechnen, schließlich ist eine insgesamt dennoch gelungene 3D-Grafik für unsere hiesigen Spielehersteller nicht selbstverständlich.

Die Konkurrenz von Heart-Line machte es vor, der Platzhisch zieht nach. Über die Tasten 1-6 lässt sich während des Spiels aktiv in das Treiben auf dem Feld eingreifen. Von taktischen Anweisungen á la "Offensiver!" bis zur Aufforderung zum Torschuß kann man so endlich das loswerden, was einem sonst beim samstäglichen Fußballgucken auf der Zunge liegt. In den meisten Fällen befolgen die Spieler die Anweisung auch, nur wenn man es übertreibt mit dem Rumgeschreie von der Trainerbank bringt einem das hin und wieder mal einen hämischen Zeitungsartikel ein. Oder die eigene Stimme versagt völlig - dann ist Schluss mit dem Rumgeschreie.

Bei unwichtigen Spielen habe ich oft auf die knapp 10-minütige 3D-Darstellung verzichtet und den schnelleren Textmodus gewählt. Denn spannend sind die Spieltage nicht immer - aber wenn, dann gibt es schon mal richtige Fußballfeste und man kann die Früchte seiner Arbeit genießen. Dass die Engine nur unser Spiel in Echtzeit berechnet fällt nicht auf, die Ergebnisse der anderen Spiele sind ebenfalls glaubwürdig.

Zur Halbzeit dürfen dann Änderungen an der Taktik und Aufstellung vorgenommen werden. Hier bekommt man auch wieder die vielseitigen Eigenschaften der Spieler zu spüren: Mein junges Talent will nach seiner Auswechslung wissen, warum er nicht weiterspielen darf. Soll ich es mit taktischen Gründen entschuldigen? "Um Dich fürs nächste Spiel zu schonen" lautet die Antwort. Nun ist er für das nächste Spiel extrem motiviert - und schießt beim Einsatz gleich sein erstes Bundesligator.

Kommentiert wird das ganze Spiel auf Wunsch von Günther Koch, laut Ascaron eine Reporterlegende. Doch dessen Kommentare sind oft unpassend und spätestens nach zwei, drei Spielen hat man alles gehört. Zur Aufheiterung tragen dann die nicht ganz ernst zu nehmenden Kommentare des "Kaisers" bei, dessen Imitator auch beim Beenden des Spiels eine wichtige Rolle spielt...

Eher als Dreingabe ist der Netzwerkmodus zu betrachten, in dem bis zu 4 Spieler gegeneinander antreten können. Wo darin der Reiz liegen soll, weiß ich nicht. Denn ob hinter dem Ergebnis eines anderen Spiels nun eine Formel oder ein Mensch steht ist mir herzlich egal. Spannender wäre es doch, mehrere Spieler in einem Verein mit- oder gegeneinander antreten zu lassen. Heißen Kämpfen um den Managersitz stünde dann nichts mehr im Wege. Alternativ kann man auch zu viert an einem Computer "gegeneinander" antreten.

Leider reiht sich auch Anstoss 3 in die immer länger werdende Liste von Spielen ein, die noch einige Zeit fürs Bugfixing benötigt hätten. Da gibt es immer wieder einen Geisterspieler auf dem Feld, der mir schon so manches Tor gebracht hat. Oder der Torwart fängt den Ball, liegt auf dem Boden und gleitet dann automatisch ein paar Meter nach hinten - ins Tor (?) und meine Jungs führen.

Dazu reihen sich noch ein paar Grafikbugs. So hampeln manche Spieler dieselbe Bewegung ständig wiederholend ab oder der Kamermann hat zu tief ins Glas geschaut, um dem Ball noch folgen zu können. Ist ja auch schwer *g. Und unter OpenGL läuft das Spiel gar nicht - da war nichts zu machen. Aber auch im Managerbereich tummeln sich noch Fehler - da mache ich kurz gar nichts im Spiel und auf einmal ist es egal was ich anklicke - nichts passiert. Hier half dann nur noch das Beenden über Strg-Alt-Entf und das Aufrufen des letzten Spielstandes - eine halbe Stunde Spiel umsonst.

Fazit

Gameswelt Redaktion - Portraitvon Gameswelt Redaktion
Fussballer sind also doch mehr als Zahlen: Mein Team lebt! Dazu Bundesligaflair durch echtzeitberechnete Spieltage in schöner 3D-Grafik. Trotz leichten Schwächen in den Bereichen Grafik&Sound und fehlenden Ideen im Multiplayermodus ist Anstoss 3 der beste und lebendigste Fussballmanager aller Zeiten. Doch das nicht ausreichende Bugfixing drückt die Gesamtwertung und vergibt die Steilvorlage des Programms für einen gamesweb-Award.

Wertung

  • PC
    80
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel