Test - Arc: Twilight of the Spirits : Arc: Twilight of the Spirits

  • PS2
Von Kommentieren

Magisches Man(-isch)agement
Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern benötigt ihr für normale Spezialattacken und Zaubersprüche keine magischen Fertigkeitspunkte, sondern Geistersteine, welche sich nicht nach einer Rast oder mittels Zaubertrank auffüllen lassen. Vielmehr müsst ihr die Steine mühsam gegen Bares in den seltenen Läden des Spiels eintauschen und danach einzeln auf eure Charaktere verteilen, was angesichts stellenweise horrenden 'Geisterstein' -Verbrauchs für die mächtigeren Zaubersprüche zu einer echten Sisyphos-Arbeit verkommt. Zudem ist es alles andere als einfach, an das nötige Kleingeld für eure Shopping-Tours zu gelangen, da man Gold nicht nach jedem Kampf automatisch gutgeschrieben bekommt, sondern im Kampf fallen gelassene Goldmünzen einzeln aufheben muss und somit im schlimmsten Fall eine Runde einbüßt.

Während dieser Spielaspekt etwas umständlich gelöst wurde, gibt sich der Rest des Titels jedoch wieder extrem einsteigerfreundlich. So halten sich die Gebiete, welche ihr besuchen könnt, immer stark in Grenzen und lassen sich leicht über eine einfache Weltkarte erreichen. Extra-Lob verdient Entwickler Cattle Call für die Handhabung der aus 'Final Fantasy' gefürchteten Zufallskämpfe. Wer seine Charaktere durch stetige Kämpfe aufbessern will, kann dies tun, indem er über schon besuchtes Spielfeld zieht und sich in eben solchen Zufallskämpfen beweist. Wer jedoch nur an der Hintergrundgeschichte interessiert ist, darf diese 'Random Encounters' auch einfach überspringen. Echte Nachteile habt ihr hierbei nicht, da alle Kämpfe so simpel gehalten sind, dass stupides Leveln zu keiner Zeit vonnöten ist.

Ebenfalls scheinbar mit Focus auf Genre-Neulinge konzipiert gibt sich der eigentliche Spielablauf. Rätsel sucht ihr während eures Abenteuers vergeblich und aufgrund des stark linearen Level-Aufbaus wisst ihr immer genau, wohin es als Nächstes geht. Zwar gibt es eine Handvoll Subquests, mit welchen ihr beispielsweise neue Teammitglieder für eure Party rekrutieren könnt, dennoch sind diese meist so selten und so weit auseinander, dass ein offenes Erkunden der Spielwelt wie beispielsweise in 'Suikoden III' oder den drei Vorgängern fast gänzlich unmöglich ist. Spieler der Vorgänger werden dabei vor allem die Dutzenden optionalen Kopfgeldjäger-Missionen und Minispielchen vermissen.

Von Naturaufnahmen und deutscher Lokalisierung
Absolut nicht vermissen werdet ihr die Bitmap-Optik der PSone-Vorgänger. Cattle Call lässt in der vierten 'Arc'-Episode kräftig die PlayStation 2-Muskeln spielen und verblüfft mit imposanten Städtebauten und den vielleicht schönsten Naturaufnahmen der Polygongeschichte. Während das Szenario nur so vor Leben strotzt, wirken die eigentlichen Spielfiguren leicht fehl am Platze. Ein geringer Polygoncount und vor allem sehr steife oder gar unpassende Animationen wollen so gar nicht zur sonstigen Edelverpackung des Spiels passen. In machen Zwischensequenzen fühlt man sich fast an alte Kindertage mit der Augsburger Puppenkiste erinnert.

Ebenfalls nicht ganz frei von Makel präsentiert sich der akustische Bereich des Spiels. Zwar dürft ihr wuchtigen Effekten lauschen, welche auf Wunsch auch in Dolby Pro Logic II abgespielt werden, und der Soundtrack von Takashi Harada - weltbekannter Pianist und Violinist - sorgt für eine stimmige Musikuntermalung, dennoch hat Sony bei der Sprachausgabe gespart. Wo andere Genrevertreter wie 'Final Fantasy X' oder 'Xenosaga' komplett vokalisiert erscheinen, wurden nur vereinzelte Zwischensequenzen von 'Twilight of the Spirits' mit Sprachausgabe unterlegt. Und hört ihr doch einmal die Stimmen eurer Protagonisten, so lässt die Qualität doch deutlich zu wünschen übrig. Dies gilt vor allem, wenn ihr den deutschen Sprechern lauscht.

Hier noch ein kurzes Wort zur Lokalisierung: Sony hat einmal mehr ganze Arbeit geleistet, so dass PAL-Balken dank der hervorragenden Anpassung an die hiesige Fernsehernorm ein Fremdwort für 'Arc'-Spieler sind. Auch das Englisch-Wörterbuch kann weiterhin im Regal verstauben - alle Texte wurden ordentlich ins Deutsche übersetzt und lesen sich deutlich flüssiger und fehlerfreier als beispielsweise in 'Final Fantasy X'. Wer dennoch lieber den englischen Sprechern lauschen will, darf optional das Spiel in der Originalversion in Angriff nehmen. Hierfür müsst ihr jedoch zunächst eure PlayStation2 im Systemmenü auf die gewünschte Sprache umstellen. Aus unerfindlichen Gründen ignoriert das Spiel zumindest in unserer Testversion die Spracheinstellung im Optionsmenü.

 

Fazit

von Sven Mittag
Ich mag es leicht! Mit 'Twilight of the Spirits' hat Sony ein extrem gelungenes Einstiegsrollenspiel nach Europa gebracht. Die Kämpfe sind selbst für Genreneulinge ohne komplexen Schlachtplan zu meistern, Rätsel sind für 'Arc'-Spieler ein Fremdwort und dank des linearen Leveldesigns, welches fast komplett auf Subquests verzichtet, weiß der Spieler immer, wo er als Nächstes hinmuss. Abgerundet wird der Rollenspiel-Appetizer durch die ansprechende Technik sowie die spannende Hintergrundgeschichte. Letztere überzeugt hauptsächlich mit glaubwürdigen und rundum sympathischen Helden. Während bei 'Final Fantasy' und Konsorten manche Handlung für westliche Gemüter unverständlich bleibt, machen sich mit Kharg und Darc ausnahmsweise keine Aushilfsphilosophen auf, die Welt zu retten. Rollenspiel-Fans, die nach einem gemütlichen Abenteuer für kalte Wintertage Ausschau halten, können also beruhigt zugreifen. RPG-Experten könnten sich allerdings etwas unterfordert fühlen.

Überblick

Pro

  • leichter Einstieg
  • spannende Hintergrundgeschichte
  • lineares Gameplay
  • schöne Optik
  • komplett lokalisiert

Contra

  • Sprachausgabe nur in wenigen Zwischensequenzen
  • Savepunkte liegen weit auseinander
  • für Genre-Erfahrene zu leicht

Wertung

  • PS2
    83
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel