03.07.2009 - Yves Günther
Gameswelt: Herr Strobl, Sie sind Jahrgang 1960 und damit quasi parallel mit den ersten Videospielen aufgewachsen. Welche Rolle nahmen Videospiele in Ihrer Jugend und darüber hinaus ein?
Thomas Strobl: In meiner Jugend war noch von sogenannten Telespielen die Rede, einfach gestrickten Games mit hauptsächlich sportlichem Hintergrund, Tennis zum Beispiel (wohl der Klassiker in diesem Bereich), aber auch Autorennen. Thomas Gottschalk hatte damals sogar seine erste Fernsehsendung zu diesem Thema und lieferte sich mit Mike Krüger und anderen Prominenten große Telespiel-Schaukämpfe am Bildschirm.
GW: Wie sieht es heute aus? Haben Sie aktuelle, persönliche Erfahrungen mit Videospielen und im Speziellen mit gewalthaltigen Videospielen sammeln oder eine LAN-Party besuchen können?
TS: Die rasante Entwicklung hin zu technisch immer ausgefeilteren Videospielen habe ich mit Interesse verfolgt. Zu den aktiven Spielenutzern gehöre ich allerdings nicht, da mir für dieses Hobby aufgrund beruflicher Vollauslastung keine Zeit bleibt. Wie alle meine Kollegen bemühe ich mich gleichwohl um genaue Informationen über den Entwicklungsstand, da insbesondere bei Jugendlichen Videospiele sehr beliebt sind und sie daher eine gesellschaftliche Realität darstellen, die man zur Kenntnis nehmen und die man mit Sachverstand beurteilen muss. Wie weit hier unsere Bemühungen gehen, „auf dem Laufenden" zu bleiben, beweist etwa die für den 3. Juli vorgesehene Informationsmesse im Bundestag zum Thema Videospiele. Hier werden Expertenanhörungen durchgeführt, Wissenschaftsmeinungen eingeholt, aber eben auch die von Ihnen angesprochenen LAN-Partys mit dem Spiel World of Warcraft veranstaltet - für Politiker, die sich damit noch nicht auskennen.
GW: Nach dem Amoklauf in Winnenden forderte die Innenministerkonferenz, wie auch schon 2007 nach dem Amoklauf in Emsdetten, ein Verbreitungs- und Herstellungsverbot für "Killerspiele" umzusetzen. Ist das der richtige Ansatz?
TS: Zunächst einmal gehört es schon zur Verantwortung von Politikern, auf ein so schreckliches Ereignis wie Winnenden zu reagieren. Tatsächlich kontaktierten uns nach Winnenden etwa zahlreiche Eltern mit dem Hinweis, dass sie die „Killerspiel"-Leidenschaft ihrer Kinder vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse nicht mehr verstehen könnten und über ein Verbot der ganzen Materie nicht unglücklich wären. Es gab auch in die gleiche Richtung zielende Fingerzeige von Lehrern auf Verhaltensauffälligkeiten von Schülern im Unterricht, die schulintern als „Killerspiel"-Junkies eingestuft werden und massive Probleme verursachen. Solche Hinweise dürfen uns nicht kalt lassen. Gleichwohl möchte ich aber betonen: Das Nachdenken über solche Probleme ist noch kein Gesetzesbeschluss! Ein solcher steht, wenn überhaupt, erst am Ende einer langen und mit Sorgfalt geführten Diskussion aller Argumente dafür und dagegen. Dabei gilt immer der oberste Grundsatz, alle Seiten zu hören. Dies zur Beruhigung aller friedlichen Nutzer von Spieleangeboten im Internet, die momentan befürchten, ihre Interessen würden bei der Debatte ausgeblendet. Das Gegenteil ist der Fall, wie etwa die oben erwähnte LAN-Party im Bundestag beweist.

GW: Ego-Shooter, die in erster Linie von dem Gesetz betroffen wären, stellen eines der wichtigsten Spielgenres mit Millionen von Verkäufen in der umsatz- und wachstumsstärksten Unterhaltungsbranche dar. Sie rücken bei Amokläufen aber sofort in den Mittelpunkt der Diskussion. Zu Recht?
TS: Diese Frage abschließend zu beantworten, setzt intensive Untersuchungen voraus, die seit Emsdetten und Winnenden zwar begonnen haben, aber längst nicht abgeschlossen sind. Unter den zahlreichen Mails von „Killerspielanhängern", die wir Politiker bekommen, wenn über Verbote nachgedacht wird, ist allerdings regelmäßig ein starkes Drittel in einer auffallend rohen Sprache abgefasst, ja teilweise mit der inhumanen „Forderung" versehen, die nächsten Opfer von Amokschützen sollten doch wir Politiker sein. Bei der Lektüre solcher Statements drängt sich schon der Gedanke auf, dass die Lehrer- und Elternhypothese von der verrohenden Wirkung dieser Spiele nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Doch, wie gesagt, endgültige Antworten stehen bei der Beurteilung von Gefährlichkeit oder Nicht-Gefährlichkeit der Ego-Shooter noch aus. Hier müssen wir einfach zuwarten, bis die Wissenschaft zu konkreten Forschungsergebnissen kommt.
GW: Der deutsche Jugendschutz ist, gemessen am internationalen Maßstab, einer der schärfsten überhaupt. Gewalthaltige Videospiele stehen nur Erwachsenen zur Verfügung, besonders gewaltverherrlichende Spiele werden gleich indiziert oder beschlagnahmt. Reichen die Maßnahmen, die in Deutschland zum Schutz von Jugendlichen vor diesen Videospielen existieren, trotzdem nicht mehr aus?
TS: Auch hier sollten wir uns vor einer vorschnellen Antwort hüten und zuerst bei Experten nachhaken sowie die Erfahrungen von Jugendschützern, Behörden, aber auch Elternverbänden berücksichtigen. Wenn so ergebnisoffen diskutiert wird, kann am Ende die Antwort sehr wohl lauten, der Jugendschutz reicht aus. Nur bei eindeutiger Sachlage in die andere Richtung wird die Entscheidung zugunsten einer Verschärfung ausfallen. Denn richtig ist: Verbote sind kein Selbstzweck und sollten so wenig wie irgend möglich verhängt werden.
GW: Trotz der erwähnten strengen Regularien ereignen sich bei uns mehr Schul-Amokläufe als in unseren Nachbarländern, beispielsweise Österreich, Schweiz oder Frankreich. Dort ist der Jugendschutz in Bezug auf gewalthaltige Videospiele lockerer geregelt. Woran liegt das?
TS: Möglicherweise sahen diese Länder dank der bisher geringeren Zahl an Amokläufen noch keine Notwendigkeit, die Stringenz ihrer Gesetze zu hinterfragen. Dies könnte sich schlagartig ändern, wenn sich die Amokläufe auch dort häufen sollten, was hoffentlich aber nicht der Fall sein wird. Im Übrigen gilt auch bei internationaler Betrachtung der Grundsatz: Sorgfalt und genaues Hinschauen vor pauschalen Schlussfolgerungen. weiter...
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Kommentare
Hans999
Ländervergleich
Bitte? 'Geringere Zahl'? Soviel ich mitbekam: Null (zumindest was den Vorsatz angeht, soviel Leute wie möglich umzubringen).
Karte von Amokläufen: Karte Amokläufe weltweit
Und es soll an den Spielen liegen??
darki1978
Boah EY
Also nach den ganzen Änderungen die die Regierung schon durchgesetzt hat (Waffenschein für Softair Waffen ) usw. Nun wieder nen Sommerloch gelaber über "Killerspiele" und ihre Auswirkungen . Da kann mir einer seine Studien geben ich würde sie alle nehmen und verbrennen . Fakt ist die Jugend von Heute hat schneller auf die neuerungen der Zeit reagiert schneller als die Eltern und die Politik und und und . Kurz auschweifend früher waren wir im Wald unterwegs und haben uns die Knie aufgeschlagen und mit Knallplättchen in ner Spielzeugpistole auf einander Geschossen .....
Heute macht man das gleiche nur verlässt man das Haus dazu nicht mehr und da fangen meiner Meinung nach die Probleme an. Tatsache aus eigener Erfahrung ist , daß wenn der Pc zum Lebensmittelpunkt wird dann ist Gaefahr im Verzug bzw dann ist es faast schon zu spät . Wenn dann auch noch Alkohol oder Drogen oder nen mieses Elternhaus dazu kommen ist alles Möglich diese Leute sind schneller gewaltbereit . Und auch das aus eigener Erfahrung hätte es in meiner Jugend sowas wie Counter Strike etc. gegeben wäre ich einer derjenigen gewesen die auch den hang zu sowas wie Winnenden hätten.
Nach nunmehr 6 jahren Egoshooter kann ich definitiv sagen das ich dennoch nicht in der Lage wäre sowas wie nen Amoklauf zu machen
Wulfen
leider ist frau zacharias die einzige im ganzen text, die nicht wie ihre kollegen "killerspiele" mit inhaltslosen floskeln kommentiert, sondern sich offenbar gedanken zu dem thema macht.
dieser argumentation nach muss man dann bücher ebenfalls verbieten. solche aussagen von einer studierten landtagsabgeordneten, unglaublich
Pumuckl
Schaut euch mal dies hier an und lest einmal den Beitrag von Isabell Zacharias (SPD) durch. Diese Frau spricht wahre Worte.
http://www.br-online.de
warrior...
Der Amokläufer von Erfurt war doch 19, da hätte so eine Verschäfung doch gar nichts gebracht.
Stimmt nicht ganz, denn es geht ihnen ja um die "Verrohung", d.h. er wurde innerhalb von 2-3 Jahren "verroht" und nicht von heute auf morgen.
Also, da ist der Abschnitt:
"
Änderung des Jugendschutzgesetzes
Der Amoklauf führte zu heftigen öffentlichen Diskussionen zum Thema Jugendschutzgesetz, welches wenige Wochen später verabschiedet wurde, und trugen dazu bei, dass es verschärfte Regelungen für diese Bereiche enthält."
blade01
Au weia
Also immer diese Sätze von "Wissenschaftlichen Untersuchungen", das geht auf keine Kuhhaut.Ich will garnicht in Frage stellen das es möglich ist einen Zusammenhang von hoher Agressivität und "Killerspielen" nachzuweisen(oder ebend nicht)aber das geht nicht in 1-2 Jahren.Dazu ist fundierte Sozialforschung nötig, meine ich pers. jedenfalls.Auch das Politiker mangels Zeit nicht selbst zocken leuchtet mir NULL ein.Wie kann ein Organ was für mich Gesetze entwirft darüber entscheiden was für mich am besten ist wenn es selbst das betroffene Medium kaum kennt?Sorry, da fehlt mir das Verständniss denn allein anhand von (fremden)Untersuchungen kann man solche Entscheidungen meiner Ansicht nach nicht treffen zumal es hier nicht um exakte Wissenschaften wie Physik oder Chemie geht.

Auch die Briefe die Politiker von geistig verarmten Nerds bekommen können kein Argument sein.Beklopte finden sich immer und gerade beim Thema Games schreiben bestimmt auch massig dumme Kiddies die man zum einen garnicht ernstnehmen kann und zum anderen auch diese Spiele um die es geht garnicht besitzen dürfen.
Ich sage:Es gibt soviele Dinge die OFFENSICHTLICHEN Schaden anrichten und gegen die NICHTS unternommen wird.
Da wäre Alk, Tabak(ok, hier wird immerhin Alibimäßig was gemacht),miese Bildung/Erziehung oder auch die algm. verdummung der Bevölkerung durch die Medien(und da schließe ich die öffentlich. rechtl. ein!!).Da sollte man erstmal ansetzen statts mich in meinem Hobby zu nerven.Nicht, das ich bald wirklich noch amok laufe weil ich mein Pokemonspiel nur mir Persoausweis bekomme
Cross_war
Der Amokläufer von Erfurt war doch 19, da hätte so eine Verschäfung doch gar nichts gebracht.
Stimmt nicht ganz, denn es geht ihnen ja um die "Verrohung", d.h. er wurde innerhalb von 2-3 Jahren "verroht" und nicht von heute auf morgen.
warrior...
Der Amokläufer von Erfurt war doch 19, da hätte so eine Verschäfung doch gar nichts gebracht.
Stimmt nicht ganz, denn es geht ihnen ja um die "Verrohung", d.h. er wurde innerhalb von 2-3 Jahren "verroht" und nicht von heute auf morgen.
WTFUAR
Kampfsportarten
Warum werden Kampfsportarten nicht verboten, wo es nun wirklich nur um das Verletzen und Ausschalten den Gegners geht? Beim Schiesssport habe ich von soetwas noch nicht gehoert. Wozu also Kampfsport. Wird Biathlon und Speer-/Hammerwerfen und Kugelstossen auch bald verboten.
Die Verhaeltnismaessigkeit ist voellig aus dem Ruder.
Das Tragen von Messer mit einer stehenden Klinge von mehr als 14cm ist ebenfalls verboten. Also gebt beim naechsten Picknick acht das euer Brot und Wurstmesser kuerzer ist!
Wer toeten will findet immer eine Waffe und eine Gesellschaft (Jedes Volk bekommt die Regierung die sie verdient) die sich zum Ziel gesetzt hat dem amerikanischen Modell naeher zu ruecken bekommt auch die Begleiterscheinungen zu spueren.
Verbote helfen hier nicht. Existenzsicherheit schaffen und den Eltern die Moeglichkeit und Zeit geben sich um ihre Ableger zu kuemmern ist ein wirksamerer Weg.
Wulfen
@Decoy: Politiker scheren uns gamer mit Mördern und Pädophilen über einen Kamm - ist das in Ordnung? Wer im Glashaus sitzt...

Decoy
Unter den zahlreichen Mails von „Killerspielanhängern", die wir Politiker bekommen, wenn über Verbote nachgedacht wird, ist allerdings regelmäßig ein starkes Drittel in einer auffallend rohen Sprache abgefasst, ja teilweise mit der inhumanen „Forderung" versehen, die nächsten Opfer von Amokschützen sollten doch wir Politiker sein.

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Mich würde interessieren was für Mails ihr bekommen würdet wenn über den Verbot von Alkohol nachgedacht würde da dieser so aggressiv macht
Cross_war
Irgendwie macht das mich wütend wegen dem Paintball! Warum verbieten sie nicht den Schützenverein? Beim Schützenverein lernt man mit RICHTIGEN Waffen umzugehen, bei Markierern(Paintballkanonen)ist das nicht der Fall. Boxen und Kampfsport ist doch viel realistischer zu töten, anstatt mit Paintballmarkierern.
Wulfen
Die CDU hat sich mittlerweile bei vielen Netzthemen selbst ins Abseits gestellt und deren Politiker als untragbar und unfähig geoutet. Überlegt euch gut, im Herbst euer Kreuz an die richtige Stelle zu setzen
Unions-Wahlprogramm: Ahnungslos im Netz
http://www.piratenpartei-hessen.de/common/piratenbanner1
Cokos
nein.... leider nicht wirklich -.-
es wurde kurz disskutiert, und dann entschieden das man waffen sicher in einem safe verschließen muss und das es unangekündigte kontrollen geben darf..... bei sowieso schon viel zu wenig kontrollpersonal.....
Manfred...
Meldung aus Österreich 2
Äh, Kühe, abgesehen vom Schlachter, führen bei uns ein besseres Leben als manche Menschen.
Aber - ich höre im Zusammenhang mit dem Drama von Winnenden immer nur von den bösen Computer- & Killerspielen. Der Typ war doch in einem Schießverein und hat dort mit einer realen Waffe trainiert und schießen gelernt.
Ist DAS kein Thema mehr bei Euch in Deutschland!!!???