29.01.2010 - David Stöckli
Was treibt einem gestandenen Videospieleredakteur den Angstschweiß auf die Stirn? Ein Event-Besuch zu einem neuen Military-Shooter mit "lustigem Begleitprogramm" inklusive Terroristenangriff? Ein Firmenbesuch samt Ausflug zur nächsten Bungee-Jumping-Zentrale? Oder das neueste Testmuster von Dynasty Warriors im Briefkasten? Nein, vielmehr ist es der Besuch einer Veranstaltung fernab der Spielebranche, in der für eine interessierte Öffentlichkeit über „Killerspiele" diskutiert wird. Wir haben uns von dem Namen der Veranstaltungsreihe „Killergames und Socialchats" nicht abschrecken lassen und sind strammen Schrittes sowie erhobenen Hauptes zu dem Event in Basel geeilt, um mal direkt an der Front den Puls des videospielkritischen Non-Gamers zu fühlen.
An einem sonnigen Wintermorgen im Januar strömte ein kunterbuntes Volk mit einem Schwerpunkt aus Lehrern, Pädagogen, Eltern, Studenten sowie Politikern in eine ehemalige Industriehalle in einem Arbeiterquartier, wo die TheaterFalle/MedienFalle zu Hause ist. Es handelt sich hierbei um eine pädagogische Einrichtung des Kantons Basel-Stadt. Der Veranstaltungsblock „Killergames und Socialchats" bot Workshops mit World of WarCraft, eine Theaterinszenierung und eine Tagung rund um computerspielende Jugendliche und im Netz abhängende Kinder. Auch mehrere Eltern-LAN-Partys wurden abgehalten. Das Ziel war es, Erwachsene zu befähigen, auf die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen zu reagieren.
Wir besuchten die Tagung, die aus zwei Referaten, einer Spiele-Demonstration sowie Podiumsdiskussion mit Psychologen, Medienpädagogen und einem videospielenden Jugendlichen bestand. Letzteres ließ bei uns natürlich gleich die Frage aufkommen, wie fair solch eine Diskussion mit recht ungleichen Gesprächspartnern ablaufen konnte. Doch dazu später mehr. Die Vorträge deuteten bereits die Hauptschwierigkeit der Veranstaltung an: die große - wahrscheinlich zu große - Spannweite des Themas. Um was ging es denn nun wirklich? Um Internetnutzung der Jugendlichen? Um Foren und Chats? Um Online-Spiele? Um Killerspiele? Eine Antwort darauf konnten wir auch nach der Tagung nicht geben. Die Vermischung all dieser Themen sorgte für Unschärfen, gerade was die Diskussion mit den Experten und dem engagierten Publikum anging.
Die Vielfalt des Themas spiegelte sich also bereits in den Vorträgen wider: In einem spannenden Kurzreferat bot Christine Lötscher (Mitarbeiterin des Schweizer Instituts für Kinder- und Jugendmedien) einen Einblick in die Welt der Fan-Fiction. In zahlreichen Foren schreiben vor allem junge Mädchen ihre Lieblingsbücher und -filme zu neuen Geschichten um. Besonders beliebt sind Twilight und Piraten der Karibik. Die doch so „schreibfaule" Jugend zeigt sich dabei höchst kreativ, reflexiv und kritisch, was ihre eigenen Erzeugnisse angeht. Darüber hinaus herrschen in der Community eine eigene Fachsprache sowie eigene Regeln - es darf nur lesen, wer selbst aktiv ist. Auch über Videospiele schreibt die Zunft alternative Geschichten. Laut Frau Lötscher sind diese in der Regel jedoch weniger spannend als die sonstigen Werke. Schade, hätten wir doch gerne mehr über diesen Bereich der Fan-Fiction erfahren.
Etwas trockener war die Präsentation von Oliver Steiner von der Fachhochschule für soziale Arbeit der FH Nordwestschweiz. Er untersuchte in seiner Studie im Auftrag des Bundesrats den Zusammenhang von Medien und Gewalt bei Jugendlichen. Logischerweise ging es dabei vor allem um die berüchtigten Killerspiele. Anhand vieler zitierter Untersuchungen kommt er - wie schon so manche Experten vor ihm - zum Schluss, dass Gewalttaten von Jugendlichen nicht so einfach auf Videospiele zurückzuführen sind. Aber zugleich lässt sich feststellen, dass gerade gewaltbereite Kreise von Jugendlichen aus der Mittelschicht besonders häufig „Erwachsenenvideospiele" konsumieren.
Erschreckend beispielsweise die hohe Anzahl an Zehnjährigen, die regelmäßig Ab-18-Spiele zocken - und deren Schulnoten deutlich schlechter ausfallen als diejenigen ihrer Mitschüler. Steiner kommt zum Schluss, dass Killerspiele die Abwärtsspirale von gefährdeten Jugendlichen neben diversen anderen Elementen unterstützen. Auslöser für Gewalttaten können aber nicht Videospiele alleine sein. Es braucht einen vernünftigen Umgang mit Medien, eine Medienkompetenz und eine Medienkritik bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Eltern sollten genau beobachten, was ihre Söhne und Töchter zocken und sie zur Reflexion anleiten. weiter...
Kommentar: Kleiner, aber feiner - Special
30.08.2010
Es muss nicht immer Triple-A sein
Casual Connect Seattle 2010 - Special
10.08.2010
Casual kommt von Core
Made in Switzerland – Spielentwicklerszene Schweiz - Special
30.07.2010
Spielentwickler-Entwicklungsland?
Du bist nicht eingeloggt
Noch keinen Account?
Hier kostenlos registrieren!
Passwort vergessen?
Kommentare
schwinzi
WÜRG !!
bin ich froh Österreich zu sein !! ich zocke was ich will und wann ich will!! keine Zensur durch selbsternannte Moralapostel wie in Deutschland !! Generationenkonflikt ??
mein Vater ist 70 und spielt Resident Evil 5!!
Lexxx1313
Finde ich super mal was konkretes darüber zu lesen.
Sonst muss man sich ja immer die Vorurteile von Ahnungslosen Politikern und Erziehungsorganen reinziehen.
Sehr interessant ist, wie dieses Theman in seine Einzelteile zerlegt wird, soll heissen Positive und Negative Seiten angezeigt werden und das ganze nicht vorwiegend schlechtgeredet wird.
Der Kommentar mit der Vergewaltigung finde ich total daneben. Diese Frau ist nicht mehr aufzüklaren, so eine eingefressene Haltung gegenüber diesem Thema ist nicht mehr zu kurieren.
Was das airport lvl in ''CoD MW2'' angeht. Klar ist es eine heikle Szene. Für mich ist dieser Abschnitt aber ein Teil der gesamten Geschichte.
In gewissen Büchern und Krimis kann man zb. genauso bis ins letzte Detail lesen wie der Mörder sein Opfer zur strecke bringt und diese Tat geplant hat, was für mich auf die gleiche Stufe gehört wie dieses eine lvl. Nur, es gehört zur geschichte und ohne diesen Teil nimmt die geschichte nicht ihren Lauf.
Blackout61
Interessant, interessant!
Auch meiner Meinung nach ist das ein sehr aufschlussreicher Artikel.
Vor allem finde ich es sehr gut, dass sich Gameswelt auf eine solche Veranstaltung begeben hat.
Sehr Interessant fand ich das Thema bzw. die Verbindung zwischen Computerspielen das damit verbundene Chatten. Dass sich viele Gamer nur zum Chatten beispielweise in World of Warcraft einloggen ist mir bekannt, warum nicht ? Man kann beiden Hobbys nachgehen und durch das Computerspiel in eine andere Welt eintauchen; man bleibt "anonymer". Ich möchte jetzt auch nicht weiter mehr darauf eingehen sonst wird das hier zu lange aber nochmal zu dem Flugzeuglvl in Cod6, da bin ich einer Meinung mit Frank Egle!
Fazit: Guter Artikel ! Der Konflikt/Kontakt zwischen Spieler und Anti-Spieler darf nicht abbrechen oder sich ausweiten!
quadcore
Interessanter Beitrag
Hier ist auch noch ein spannender Artikel zu dem Thema:
http://wisegamers.ch/artikel/70/gewalt_und_videogames/
brainea...
sowohl veranstaltung als auch artikel sind sehr gut, um mich kurz zu halten.
Phil13131
Ich fand den Artikel ebenfalls sehr aufschlussreich, nett, dass sich mal einer so ausgiebig darum gekümmert hat zu solch einer Veranstaltung hinzugehen und darüber zu berichten...
Unschul...
sehr schöner Artikel...
ist halt auch mal gut zu sehen das nicht nur immer alles verteufelt wird sondern auch mal konkrete Lösungsansätze zu sehen sind wie man die Generationen etwas zusammenführen kann
besonders der letzte Abschnitt ist meiner Meinung sehr richtig erkannt
die eltern sollten sich mit dem was ihre Kinder machen auseinandersetzen wenn sie dies nicht tun was erziehen sie dann? .....
Mfg Unschuldslos
well done
sehr guter Artikel Mr. Stöckli!
xHalfbr...
"Eine der Emanzipation verpflichtete Zuhörerin fragte darauf, ob es eigentlich auch Spiele für Mädchen gebe oder ob es sich immer nur um „Jungen-Spiele" handle, in denen man vielleicht nebenher noch Frauen vergewaltigen könne."
:-) omg
Finde es toll das es solche Veranstaltungen gibt. Nur eben muss halt auch der Wille da sein etwas zu verstehen. Wenn Eltern ihre Kinder einfach vor die Bildschirme stetzen und sich nicht mit ihnen beschäftigen ist dieses Defizit kein Wunder. Wenn sich Eltern mehr mit ihren Kindern befassen würden wüssten sie auch einiges mehr über Spiele und den Bezug des Kindes dazu. Aber heute hat man ja nur noch Kinder aus gesellschaftlichen Gründen weils halt dazu gehört Kinder zu haben die Erziehung ist ja dann Sache der Lehrer und des Fernsehens..... und der Videospiele
Wadenbein
Ich finde solche Veranstaltungen grundsätzlich eine super Sache, unabhängig davon, ob jetzt manche Themen etwas unbeholfen erörtert werden. Schade finde ich nur, dass man solche Veranstaltungen braucht. Toll finde ich die Eltern, die tatsächlich merken, "hey, von dem, was mein Kind macht, hab ich keine Ahnung, vllt. sollte ich mich damit mal auseinandersetzen".
Toller Artikel, das gibt wieder mal eine nette Einsicht in den Stand der Dinge oder zumindest einen Teilbereich davon. Es gibt noch viel zu tun...