Test - Conan Exiles : Mehr als nur das „Pimmelspiel“?

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Nach über einem Jahr hat das Survival-MMO Conan Exiles die Phase des Early Access verlassen und ist seit dem 8. Mai für PC, Playstation 4 und Xbox One verfügbar. Der einst für sein chaotisches Kampfsystem gerügte Titel hat diese Schwäche gekonnt ausgebügelt, seine Karte um fast ein Dreifaches vergrößert und zudem jede Menge neue Features eingefügt.

Conan Exiles wurde nach seiner Veröffentlichung von uns zeitintensiv auf Herz und Nieren geprüft, auch und gerade weil das Spiel uns in seinen ersten Stunden nicht unbedingt die sprichwörtlichen Schuhe auszuziehen vermochte. Das Kampfsystem schreckte anfangs genauso ab wie viele mehr oder weniger fragwürdige Spieldesignentscheidungen der Entwickler. Doch seit dem Beginn des Early Access hat sich viel getan.

Hartes Barbarenszenario

Conan Exiles ist ein Survival-MMO, in dem die Betonung sehr viel stärker auf dem Part des Überlebens liegt als auf der massiven Zahl an Spielern, die sich hier gleichzeitig auf einem Server aufhalten können. Aktuell wurde die Möglichkeit, mit mehr als 40 Spielern auf einer Karte unterwegs zu sein, gegen den Fokus auf den Basenbau eingetauscht.

Abgesehen davon dreht sich alles darum, in der harten und feindlichen Welt von Conan Exiles zu überleben. Verschiedene Gebiete setzen euch mit extremen Wetterbedingungen zu, während die Suche nach Trink- wie Essbarem zum dauerhaftem Pflichtprogramm wird. Schon allein dafür, dass ihr überlebt, belohnt euch das Spiel mit Erfahrungspunkten.

Ihr habt die Möglichkeit, bis zu Stufe 60 zu leveln. Bei jedem Aufstieg erhaltet ihr Skill-Punkte, die ihr nach Belieben einsetzen könnt. Da die Anzahl ebenjener beschränkt ist, könnt ihr nicht in jedem Bereich zum Meister werden, müsst also darauf achten, welche Attribute beziehungsweise Baurezepte am besten zu euch und eurem Spielstil passen. Überlebensexperte, mächtiger Krieger und treffsicherer Bogenschütze stehen zur Auswahl.

Wer nicht gerade in einem der riesigen Gebiete unterwegs ist, um beispielsweise Rohstoffe zu sammeln, Dungeons zu erkunden oder einfach nur die Umgebung auszukundschaften, kann sich auch mit dem Ausbau seiner eigenen Basis beschäftigen. Im Verlauf der Geschichte stehen euch dafür immer seltenere Materialien und Baupläne zur Verfügung, die das Erschaffen von epischen Bauwerken, Rüstungen und Waffen ermöglichen.

Die Hintergrundgeschichte zur Welt von Conan Exiles wird euch nicht gerade auf die Nase gebunden. Das Survival-Game im harten Barbarensetting – eindeutig für erwachsene Spieler ausgelegt – erzählt die Handlung geschickt nebenbei. Während ihr die Gebiete erkundet, erfahrt ihr immer mehr über die Hintergründe, die zu eurer schrecklichen Ausgangssituation und der darauf folgenden Quest geführt haben.

Die vier Zonen, eingeteilt in die Biome Wüste, Sumpf, Gebirge sowie Vulkan, verfügen über ihre ganz eigenen Herausforderungen, Gegnertypen und Bosse. Überall warten Dungeons auf euch, die mit eigenem Szenario sowie einer individuellen Hintergrundgeschichte ausgestattet wurden.

Aller Anfang ist schwer

Conan Exiles ist nicht sonderlich einsteigerfreundlich. Von der ersten Minute an wird von euch erwartet, dass ihr vorsichtig vorgeht, ein, zwei Handlungen im Voraus plant und jede Auseinandersetzung mit einem Feind ernst nehmt. Wer dies nicht beherzigt, landet ganz schnell wieder genau dort, wo er angefangen hat.

Zudem gibt es kein richtiges Tutorial. Ihr werdet einfach in die Exiled Lands geworfen und dort euch selbst überlassen. Zwar gibt es sogenannte Reiseschritte, die euch langsam in das Spiel einführen sollen, doch trotzdem kommt ihr nicht darum herum, selbst auszuprobieren und gegebenenfalls immer mal wieder zu scheitern.

Das kann natürlich äußerst frustrierend sein, ist nichtsdestoweniger aber ein elementarer Kern der hier dargebotenen Spielidee. Wer die anfängliche Tortur hinter sich gebracht hat, wird dafür mit einer flüssigen wie durchdachten Charakterentwicklung belohnt. Überdies hat es Funcom geschafft, dass sich jede Entwicklung im Spielprozess wie eine große, selbst erbrachte Leistung anfühlt. Vom ersten Sandstein bis zum seltenen Sternenmetall mag es ein langer Weg sein, dafür seid ihr im Anschluss umso stolzer, wenn das begehrte Material in euren Händen liegt. Noch besser wäre es natürlich, wenn ihr ein passendes Rezept dazu parat hättet.

Hier wird Conan Exiles stark kontrastreich zum Spielgefühl der ersten Stunden. Anstatt bereits von Beginn an volle Aufmerksamkeit von euch zu verlangen, lassen sich die ersten Rezepte noch bequem und ohne größeren Aufwand aus dem Inventar heraus umsetzen. Später, wenn ihr bereits einige Gegenden ausgekundschaftet und dabei das eine oder auch andere Rezept an euch genommen habt, wird es etwas komplizierter.

Je mehr Material ihr für Basis, Waffen und Kleidung benötigt, umso mehr Rohstoffe müssen aus den verschiedensten Teilen der Welt zusammengetragen werden. Das beschränkte Inventar, meist bereits großflächig durch eure Waffen belegt, nötigt euch dazu, viele Meilen hin- und wieder zurückzuwandern. Die später verfügbare Teleportation mindert dieses negative Spielgefühl lediglich bedingt.

An manch andere Materialien gelangt ihr hingegen nur, wenn ihr sie selbst herstellt. Doch gibt es dafür aktuell weder eine Anleitung noch ein Handbuch. Ihr habt lediglich die Möglichkeit, wild auszuprobieren. Anfangs sind diese Experimente zwar noch recht spaßig, doch mit wachsendem Umfang entwickeln sie sich zu einer ernsthaften Geduldsprobe.

Ohne Tante Google um Hilfe zu bitten, bleibt angehenden Barbarenhelden nichts anderes übrig, als selbst herauszufinden, wie sich gehärtetes Leder, Teer oder auch geformtes Holz herstellen lassen.

Das umstrittene Kampfsystem

In der Zeit des Early Access musste sich das Kampfsystem von Conan Exiles reichlich Kritik gefallen lassen. Mittlerweile hat es Funcom komplett überarbeitet und es tatsächlich geschafft, daraus etwas äußerst Gelungenes zu zaubern. Die Zeit der trägen Schläge und des wilden Klickens in alle Richtungen ist endgültig vorbei.

Nun hat jede Waffe ihre klaren Vor- und Nachteile. Jede fühlt sich in der Handhabung vollkommen einzigartig an und spielt sich bis ins Detail differenziert. Gerade in PvP-Kämpfen kommt dieser Umstand stark zum Tragen. Statt schlicht verschieden starke Waffen anzubieten, gibt euch Conan Exiles die Möglichkeit, den eigenen Spielstil zu fördern beziehungsweise Schwächen darin auszugleichen.

Der größte Spaß liegt darin, mit den Vorgehensweisen der grundverschiedenen Waffen zu experimentieren und ihre Spezialangriffe taktisch sinnvoll zu nutzen. Wer jedoch effizient sein will, muss zusätzlich eine Menge Fingersport betreiben. Nur durch gewissenhaftes Blocken, Ausweichen sowie durchdachte Kombovorbereitungen richtet ihr etwas aus. Der siegreiche Barbar von morgen muss immer in Bewegung sein.

Menschliche wie tierische Widersacher verfügen über eine breite Palette an vernichtenden Angriffen. Ein jeder verlangt eine ganz eigene Vorgehensweise im Kampf. Wer nicht mit dem erforderlichen Ernst bei der Sache ist, liegt ganz schnell im Staub. In diesem Fall landet ihr in eurer selbst gebauten Schlafstätte, die als Spawn-Punkt dient. Je nach Servereinstellungen verliert ihr dabei sogar gesammelte Ressourcen.

Das im Vorfeld erhoffte Magiesystem hat es dafür leider nicht in die Release-Version geschafft. Genau wie die Reittiere, die durch den Kartenraum und das damit verbundene Transportsystem ersetzt wurden.

Die Möglichkeit der Sklavenhaltung ist hingegen geblieben. Ihr könnt in der ganzen Welt NPCs einfangen und euch über verschiedene Wege gefügig machen. Sie lassen sich anschließend als Tänzer, Handwerker oder sogar Krieger einsetzen. Dabei steht die Jagd nach besonderen Sklaven im Vordergrund, nämlich solchen, die mit einem speziellen Namen und einer höheren Grundstufe versehen sind.

Conan Exiles - Conan vs. Scandinavian Furniture Trailer
Und weiter geht es mit der spaßigen Videoreihe: Hier ist Conan beim Möbelaufbau zu sehen.

Eine ganze Welt zum Erkunden

Statt lediglich Orte für die Suche nach Rohstoffen bietet Conan Exiles erfreulicherweise eine Welt, die diesen Namen auch verdient. Jeder Ort und jeder Dungeon hat seine ganz eigene Geschichte, wird über Tagebücher und Tafeln regelrecht zum Leben erweckt.

In Stil und Ausarbeitung komplett verschieden, bieten die Höhlen und Ruinen ein Spielerlebnis, das weniger an ein Survival-MMO als vielmehr an ein modernes Rollenspiel erinnert. Funcoms Titel erzeugt dadurch eine Tiefe, die andere Titel dieses Genre vermissen lassen.

Die verschiedenen Biome protzen mit visuellem Bombast, unterstrichen durch klimazonentypische Flora und Fauna sowie einen orchestralen Klangteppich.

Das Erkunden der vier verschiedenen Gebiete, ihrer Geheimnisse und Dungeons, macht auch nach etlichen Spielstunden noch Spaß. Dank der teils enormen Abwechslung hat man einen starken Anreiz, selbst nach Erreichen des Endgames weiter auf Erkundungstour zu gehen. Dabei werdet ihr auch nach 120 Stunden noch immer mit neuen Rezepten, Materialien und gut geschriebenen Handlungssträngen belohnt.

Dies und noch so einiges mehr könnt ihr entweder im Clan erleben, kooperativ mit Freunden oder ganz alleine im Singleplayer. Jede dieser Möglichkeiten bietet ein ganz eigenes Spielgefühl. Wer sich jedoch für einen PvP-Server entscheidet, sollte stets auf der Hut sein. Denn Begegnungen mit anderen Spielern enden fast immer im Kampf und damit dem Tod eines aufstrebenden Barbaren.

Aufgrund der riesigen Karte und der Beschränkung auf 40 Spieler auf einem offiziellen beziehungsweise 70 Slots auf einem privaten Server ist es jedoch relativ selten, dass sich zwei Helden in spe im Hinterland über den Weg laufen. Conan Exiles ist also sehr viel weniger “massiv“ und dafür deutlich stärker auf das Überleben sowie den Basenbau ausgelegt.

Vorsicht, Käferalarm!

Das Survival-MMO ist nach seinem Start auf PC, Playstation 4 und Xbox One um einige Bugs ärmer als noch in der Early-Access-Phase. Trotzdem sind noch immer viele Fehler vorhanden. Und wir sprechen nicht nur von nervigen, kleinen Problemen, die hier und dort auftauchen können, sondern von echten Spielverderbern.

Es ist durchaus möglich, dass ihr von einer Sekunde auf die andere nicht mehr in der Lage seid, einen Gegner anzuvisieren. Selbst hergestellte Gegenstände zerbrechen ohne ersichtlichen Grund bei der kleinsten Berührung. Hinzu kommt der eine oder andere Boss, der plötzlich im Boden versinkt und sich ohne jegliche Gegenwehr erschlagen lässt. Ebenfalls wurde beobachtet, wie manch ein Gruppenmitglied unter den Auswirkungen eines Wetterphänomens zu leiden hatte, während alle anderen davon völlig verschont blieben.

Große Langzeitmotivation

Wer das Hauptspiel nach circa 50 bis 70 Stunden hinter sich gebracht hat, kann noch immer viel entdecken, bauen und erforschen. Im PvP beginnt von da an erst der Kampf um das letzte Gebiet, dem Vulkan. Einzelspieler und Koopfreunde haben nach fast 120 Stunden Spielzeit noch immer nur einen kleinen Teil der Karte erkundet und die anspruchsvollsten Dungeons im Spiel können meist erst dann betreten werden.

Wem dies immer noch nicht genug ist, der hat zumindest auf dem PC die Möglichkeit, im Steam-Workshop aus über 600 Mods zu wählen. Seid euch jedoch bewusst, dass ihr Mods nur auf einem privaten Server nutzen könnt.

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