Test - Dungeons 3 : Endlich sehr viel mehr als nur ein Dungeon-Keeper-Plagiat

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Seit dem Jahr 2011 versucht der deutsche Entwickler Realmforge in die großen Fußstapfen des legendären Aufbau-Strategie-Mixes Dungeon Keeper zu treten. Was zu Beginn noch nicht so recht klappen wollte, hat sich in der Zwischenzeit von einem „Klon“ zu einem eigenständigen Spiel mit neuen Ideen emanzipiert. Genau diesen Weg soll der mittlerweile dritte Teil fortsetzen – und alles noch einen Tick besser machen.

Als Dungeons im Jahr 2011 sein Debüt feierte, sprachen nicht gerade wenige Spieler von einem „netten Plagiat“. Die Anleihen an Dungeon Keeper waren zu offensichtlich und der Entwickler Realmforge machte auch keinen großen Hehl daraus. Doch schon der zweite Teil zeigte deutlich, dass sich das Spiel langsam, aber sicher emanzipiert und die bereits bekannte Spielmechanik mit neuen Ideen würzt. Eine der markantesten war die Einführung einer Oberwelt, die euch aus den Tiefen der Kerker hinauslockte und für etwas mehr Abwechslung sorgte. Der just veröffentlichte dritte Teil soll diesen Weg fortsetzen und noch eine Schippe obendrauf legen. So viel sei schon verraten: Es hat geklappt – wenn auch mit Einschränkungen.

Mehr als nur ein Dungeon-Keeper-Plagiat

Einen wichtigen Grundstein für die Verbesserungen legt bereits die Story der insgesamt 20 Missionen umfassenden Kampagne. Die setzt nämlich mehr oder weniger umgehend nach den Ereignissen des Vorgängers ein und rückt die Dunkelelfin Thalya in den Mittelpunkt, die sich von ihrem eigentlich ziemlich noblen Ziehvaters Thanos lossagt und im Namen des Bösen – also euch – auf einen Feldzug der Zerstörung begibt. Der findet auf einer neuen Insel statt, immerhin haben wir im Vorgänger nahezu das gesamte Land bereits unterjocht. Die besagte Kampagne birgt eine der wichtigsten und wohl auch besten Neuerungen in Dungeons 3: die Missionen. Deren Design ist deutlich abwechslungsreicher als je zuvor in der Seriengeschichte.

So müsst ihr beispielsweise einer riesigen Bestie den Weg freiräumen, damit sie ungehindert das massive Tor einer Stadt angreifen kann. In einer anderen Mission ist es hingegen eure Aufgabe, Nahrungslieferungen abzufangen, um auf diese Weise die feindlichen Streitkräfte zu schwächen. Das alles ist meist schön verpackt und stellt euch vor interessante Aufgaben, sodass ihr stets gespannt sein dürft, was als Nächstes passiert.

Doof nur, dass die Kämpfe meist relativ anspruchslos und insgesamt einen Tick zu leicht ausfallen. Aufgrund des (eigentlich begrüßenswerten) ständigen Wechsels zwischen Ober- und Unterwelt rückt zudem das Markenzeichen der Serie etwas in den Hintergrund: der Kerkerbau. Hardcore-Dungeon-Meister dürfte das eventuell etwas sauer aufstoßen. Ebenfalls für Stirnrunzeln sorgte bei uns die Entscheidung, dass ihr bei den PvP-Partien abermals nicht in die gegnerischen Dungeons eindringen dürft. Schade.

Big Brother is watching you

Eine weitere Verbesserung macht sich spätestens beim Ausbau der Basis sowie des Kerkers bemerkbar: Alles geht eine Nuance leichter von der Hand, vor allem die Umgestaltung des Forschungsmenüs macht sich positiv bemerkbar. Vorbei sind die Zeiten der unübersichtlichen Präsentation, jetzt habt ihr meist alle wichtigen Informationen sofort im Blick. Auch der Basenbau ist etwas schlanker geworden, weil weniger überladen. Das alles kommt der allgemeinen Bedienung von Dungeons 3 zugute, sodass auch Einsteiger schneller ins Spielgeschehen finden dürften – obwohl ohne Shortcut-Befehle kaum etwas richtig rund läuft. Das ist aber nur eine kleine Randnotiz.

Deutlich ärgerlicher sind da einige andere Aspekte des Spiels, die den positiven Gesamteindruck unnötigerweise etwas schmälern. Da wäre zum einen die bereits erwähnte Forschung: So toll es ist, dass das entsprechende Menü aufgeräumter wirkt und viel Umfang bietet, ist es doch verdammt ärgerlich, wenn alle im Verlauf einer Mission mühsam freigeschalteten Extras beim Beginn des nächsten Abschnitts verloren gehen. Auf diese Weise seid ihr gezwungen, bei jeder Mission von vorne zu beginnen. Das kostet nicht nur unnötig viel Zeit, sondern lässt auch schnell ein Gefühl der Eintönigkeit aufkommen, da stets dieselben Abläufe durchzukauen sind.

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Die Strategiereihe Dungeons wurde heute mit Teil 3 offiziell auf PC, PS4 und Xbox One fortgesetzt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für einige von euch vielleicht gar keiner: Der Erzähler im Spiel fackelt ein wahres Feuerwerk an lustigen Sprüchen ab – inklusive zahlreicher Anspielungen aus dem Bereich der Fantasy sowie der moderneren Popkultur. Logischerweise ist Humor in einem gewissen Rahmen immer Geschmackssache. Doch da nahezu jede Aktion vom Erzähler kommentiert wird, nervt das irgendwann zwangsläufig. Per entsprechender Option könnt ihr der Stimme zwar etwas Einhalt gebieten, sie vollständig abzuschalten ist jedoch nicht möglich.

Im Gegenzug erlaubt sich die Optik kaum einen größeren Schnitzer. Das liegt vor allem an der neuen Spielgrafik, die vor allem durch hübsche Effekte und das stimmige Design auf sich aufmerksam macht. Insgesamt hätten wir uns zwar etwas mehr optische Abwechslung gewünscht, doch es ist definitiv der bisher schönste Teil der Serie.

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