Preview - Fallout 76 : Kein richtiges Fallout, dennoch sehr vielversprechend

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Starfield wird das nächste epische Singleplayer-Rollenspiel aus dem Hause Betheda, Fallout 76 geht in eine andere, aber nicht minder spannende Richtung. Es wird kein MMO, sondern ein „Shared-World-Rollenspiel“. Nicht Hunderte oder gar Tausende Spieler werden in West Virginia ausgesetzt, sondern nur ein paar Dutzend. Los geht’s aber ganz klassisch in einem Vault.

Vault 76 ist eine Art Luxusbunker für die Elite oder zumindest besser Betuchten. Waren wir es bislang gewohnt, dass an den Bewohnern Experimente durchgeführt werden, sind die Insassen von Vault 76 lediglich 25 Jahre eingesperrt gewesen und scharren schon mit den Füßen, denn nach dem Atomkrieg wollen sie raus. Die Propagandamaschinerie läuft, der Tag ist im digitalen Pipboy-Kalender markiert, Amerika will neu aufgebaut werden.

Bereits der Teaser-Trailer machte klar: Hier ist es ganz hübsch. Es gibt sogar eine skurrile Markise, die mit einer aufgemalten Sonne andeutet, welche Tageszeit es ist. Vor allem aber sind die Bewohner hier echte Patrioten. Alles ist schön geschmückt, man feiert den Reclamation-Day. Die Vault-Tore öffnen sich, ab in die Freiheit.

Warum West Virginia?

Fallout 76 ist nicht so exotisch, wie man vielleicht zunächst denken könnte. Es gibt nach wie vor das SPECIAL-System, um sich via Pipboy Fähigkeiten zu verleihen, die sich entsprechend leveln lassen. So weit, so Fallout 4. Auch das VATS-System kehrt zurück, lediglich in einer überarbeiteten Echtzeitform ohne Zeitverzögerung. Der Vault-Aufseher befiehlt uns, sechs Gebiete zu erkunden und dort Infrastruktur in Form von Siedlungen zu schaffen.

West Virginia wurde deshalb als Schauplatz gewählt, weil es weit genug weg ist von Washington DC, um zwar von der atomaren Wolke getroffen zu werden und allerlei eklige Mutationen auszuspucken, aber um nicht komplett zerstört zu werden. Riesige Regierungsgebäude, regelrechte Paläste und ganze Städte sind intakt und dem ersten Eindruck nach in nahezu exzellentem Zustand – also kein Vergleich zu den Ruinen, die die Postapokalypse in Fallout 4 prägten. Bereits gezeigt wurden das State Capitol, nach dessen Vorbild das Kapitol in Washington gebaut wurde (Charleston war ja bis 1801 Hauptstadt der USA), und die Woodburn Hall, die das Zentrum der Eliteuniversität West Virginia University bildet.

Es wird ziemlich schnell klar, warum sich Creative Director Todd Howard und sein Team in West Virginia verliebt haben: Es ist ländlich gelegen und verfügt aber über ikonische Gebäude, die frappierend denen in Washington ähneln. Das Greenbrier-Resort etwa ist ein wunderschöner, samtweißer Palast mit ionischen Säulen am Eingangsportal, das man leicht mit dem Weißen Haus verwechseln könnte. Ein spannendes Gebäude, denn es diente in der Realität bis in die 90er als Atombunker für den Kongress. Also so lange, bis die Washington Post seinen Standort verriet, was für streng geheime Anlagen eher unpraktisch ist. Dreimal dürft ihr raten, was für Abenteuer hier auf uns warten werden.

Fallout 76 wird viel größer als Fallout 4

Fallout 76 basiert zwar auf Multiplayer, aber keine Sorge: Ihr werdet euch nicht auf den Füßen stehen, denn wie Todd Howard erklärt, werden jeweils nur ein paar Dutzend Spieler auf einer Fläche verteilt, die viermal so groß sein soll wie die von Fallout 4. Bereits gezeigt hat Bethesda die New River George Bridge, eine Eisenbahnbrücke, die die unterschiedlichen Distrikte verbindet. Wieder so ein kartografisches Feature, das perfekt für Fallout geeignet ist. Bislang enthüllt wurden sechs Gebiete: The Forest, Savage Divide, Cranberry Bog, The Mire, Ash Heap und Toxic Valley.

Allzu viel ist über die jeweiligen Distrikte noch nicht bekannt, aber die Namen lassen bereits vermuten, was uns hier erwartet: dichte Wälder, grasgrüne Wiesen, verstrahltes Terrain – und ein bisschen Giftmüll darf auch dabei sein. Witzig und ziemlich cool: West Virginia hat seine eigenen mythologischen Wesen, deren Schreckgeschichten noch heute erzählt werden. So konnte sich das Bethesda-Team beispielsweise beim Grafton-Monster bedienen, das noch heute seine Bahnen ziehen soll.

Klingt alles nach klassischer Fallout-Awesomeness. Was ändert sich denn dann? Nun, die NPCs haben frei. Alle Figuren werden von echten Menschen verkörpert. Das ist insofern cool, weil es uns die Möglichkeit eröffnet, die berühmten Fraktionen der Serie einfach selbst aufzubauen: „Du stehst auf die Minutemen? Biete doch einfach anderen Siedlern an, sie zu beschützen, natürlich für einen gewissen Betrag“, erörtert Todd Howard. Und wer als lustiger Wanderer durch die Gegend ziehen und sich als Händler verdingen will, der kann das jetzt auch tun.

Mit anderen Worten: Bethesda gibt weniger Struktur vor und bietet mehr einen Sandkasten an, in dem wir unser ganz eigenes Fallout-Abenteuer kreieren können. Was wir zudem gut finden: Bethesda will gar nicht so Hardcore auf PvP gehen. Wer keine Lust hat, sich zu hauen und blaue Bohnen auszutauschen, der wird die Gelegenheit haben, den „Keine-Lust“-Knopf zu drücken. Wie genau das funktioniert, ist nicht bekannt. „Es soll aber nur ein bisschen Drama geben“, so zumindest der Creative Director. All-out-War wie in The Division 2 scheint also nicht auf der Menükarte zu stehen, dafür Crafting, Basenbau und Atombombenangriffe. Was?

Fallout 76 - E3 2018 Trailer
Mit Fallout 76 hat Bethesda sein neues Online-RPG-Epos nun endlich ausführlicher auf der E3 2018 gezeigt.

Neo, hier ist der Abschusscode für Atomraketen. Wähle eine Pille.

In West Virginia sind mehrere Abschussrampen für Atomraketen versteckt. Dort könnt ihr natürlich nicht einfach reinwatscheln und aufs Knöpfchen drücken. Ihr müsst als Squad funktionieren, zahlreiche Codekarten finden, viele Rätsel knacken und letztlich als Team entscheiden, was ihr denn mit der neu gewonnenen Macht anfangen wollt.

Das wird ein bisschen wie im Film Matrix: Wählst du die blaue oder rote Pille? Denn die Atomraketen dienen nicht nur der Lust an der Zerstörung, die wir ja schon in dem einen oder anderen Fallout ausprobieren durften. Stattdessen hat der Einsatz direkte Konsequenzen, die ziemlich spannend klingen: Wo wir hinzielen, mutieren Tiere, werden Monster noch stärker, wird alles zerstört und damit ein neues Highlevel-Gebiet geschaffen. Wir kreieren damit quasi unsere eigene Darkzone, um mal den Vergleich zu The Division 2 herzustellen.

Dafür brauchen wir eine Power-Armor und wo bekommen wir die her? Richtig, die lässt sich ja nur mit der richtigen Werkstatt innerhalb einer Siedlung craften. Und auch dafür hat sich Bethesda einen Kniff einfallen lassen: Es gibt jetzt C.A.M.P., das Computerassistenzsystem für mobile Produktion. Eine Box, aus der sich dann ein Camp errichten lässt, das man zur Siedlung erweitern kann. Das Häuslebauen funktioniert wohl ähnlich wie in Fallout 4, Fallen, MG-Türme, Produktionsstätten & Co. inklusive. Nur lässt sich die ganze Siedlung jetzt einpacken – ergibt Sinn, wenn die Atomraketen fallen. Da zieht man lieber irgendwohin, wo kein Atompilz im Vorgarten wuchert.

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