Test - Halo: Reach : Aus mit Applaus?

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Wenn Halo: Reach am kommenden Dienstag in den Läden steht, ist es auf den Tag genau achteinhalb Jahre her, dass Halo: Combat Evolved in Europa landete und uns die ersten Töne des mittlerweile legendären Hauptthemas im Titelbildschirm entgegenschallten. Das Spiel wurde ein Hit und machte Ego-Shooter auf Konsolen quasi über Nacht salonfähig, den Hauptcharakter Master Chief zum inoffiziellen Xbox-Maskottchen und das Entwicklerstudio Bungie zu einer festen Branchengröße.
Mit Reach verabschieden sich Bungie von Microsoft und Halo, was die mit den Jahren immer weiter gewachsene Fanbasis mit gemischten Gefühlen aufnimmt. Weinend, weil damit eine Ära zuende geht; lachend, weil sie hoffen, dass sich Bungie das Beste für den Schluss aufgehoben hat.

Nummer 6 lebt

Der Fall der Kolonie Reach ist ein zentrales Ereignis in der Halo-Mythologie, dessen tragisches Ende zwar jeder Fan kennt, das sich aber trotzdem prima dazu eignet, Lücken in der Geschichte um den Krieg mit der außerirdischen Allianz und die geheimnisvollen Spartan-Soldaten zu schließen. Bislang wurde diese Episode nur in dem gefeierten Buch 'Die Schlacht um Reach' von Eric Nylund behandelt, nun dürfen wir endlich interaktiv daran teilhaben. Da die Handlung 21 Jahre vor Halo 1 angesiedelt ist, sucht man Ringwelt und Master Chief vergebens.

Stattdessen übernehmt ihr die Rolle eines Neuankömmlings in der elitären Noble-Einheit der Spartans. Vor Spielbeginn lassen sich Geschlecht und Stimme des Hauptcharakters festlegen, doch egal ob Männlein oder Weiblein, Noble 6 bleibt im wahrsten Sinne des Wortes genauso gesichtslos wie der Master Chief und unterscheidet sich vom Helden der ersten drei Halo-Spiele praktisch nur durch die Farbe seiner Rüstung. Es wird zwar kurz angedeutet, dass unser Alter Ego eine bewegte Vergangenheit hat, dann aber nicht näher darauf eingegangen. Schade, hier wurde eine Chance vertan, der Figur die Tiefe zu geben, die der Master Chief nie hatte.

Auch der Rest der bunt zusammengewürfelten Noble-Einheit bleibt leider blass. Obwohl man fast immer mit mindestens einem Teamkameraden, wie dem Hünen Jorge oder dem zynischen Emile zusammen unterwegs ist, werden die Charaktere und ihre Empfindungen nie wirklich nahe gebracht und sind einem im Grunde egal. Zumal man oft nicht auf ihre Unterstützung zählen kann. So passierte es uns mehrfach, dass sich ein Kamerad weigerte, uns Deckung zu geben, oder auf einem Fahrzeug Platz zu nehmen, und wir dadurch viele unnötige Treffer kassierten. Ein Problem, das seit den Anfangstagen der Reihe existiert und mittlerweile eigentlich kein Thema mehr sein sollte.

Halo: Reach - Multiplayer-Event aus München
Bungie hat gerufen und wir sind gefolgt zum Multiplayer-Event in München von Halo: Reach.

Die Hintergrundgeschichte des Spiels ist dafür recht spannend erzählt und vermittelt das Gefühl, auf ein unausweichliches Ende zuzusteuern. Dem von Reach und vielleicht auch dem der Marke Halo. Im späteren Verlauf der Kampagne wird dann noch der Bogen zum Seriendebüt von 2002 geschlagen und ein alter Bekannter vorgestellt. Die deutsche Sprachausgabe ist übrigens nicht mehr als solide, was bei einem Spiel wie Halo: Reach dann doch etwas zu wenig ist. Hier müssen andere Ansprüche gelten, und gerade der Anführer des Noble-Teams redet oft so, als hätte er sich vor jeder Zwischensequenz eine Betäubungsspritze gesetzt.

Niemals aufgeben, niemals kapitulieren

Aber sind wir mal ehrlich: Halo war nie für seine Charakterzeichnung oder Subtilität bekannt und ist mehr Cameron als Kubrick. Wichtig ist in diesem Falle auf dem Platz, heißt: auf dem Schlachtfeld. Und hier kann auch Reach mit den bekannten und geschätzten Halo-Tugenden überzeugen. Die Steuerung ist von der ersten Sekunde an wieder so griffig und präzise, als hätte man nie etwas anderes gespielt. So kommt man schnell in den typischen Spielfluss, der die Gefechte bei Halo auszeichnet.

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