Preview - Resident Evil 7: Biohazard : Der Schreck ist weg!

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Hinter Resident-Evil-Fans liegt eine schwere Zeit. Nun möchte Capcom mit Teil 7 alles wiedergutmachen und uns zeigen, dass der König des Survival-Horrors bereit ist, seinen Thron zurückzuerobern. Drei intensive Stunden haben nicht nur Angstschweiß, sondern auch die Erkenntnis zutage gefördert, dass der Schreck der letzten zwei Vorgänger vergessen ist.

Was war ich überrascht, als Capcom auf der E3 2016 tatsächlich den lange erwarteten siebten Teil von Resident Evil ankündigte. Schließlich wurde fast jedes Jahr zuvor spekuliert, dass eine Ankündigung bevorsteht. Was aber die viel größere Überraschung war: Resident Evil sah wieder so aus, wie alteingesessene Fans es sich gewünscht hatten: atmosphärisch packend und ohne großes Effektfeuerwerk. Skeptisch machte mich lediglich die ungewohnte Egoperspektive. Spätestens nachdem ich die Beginning-Hour-Demo gespielt hatte, wusste ich aber: Das wird ein gutes Horrorspiel. Wird es aber auch ein gutes Resident Evil?

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Kein Wunder, dass ich mich als alter Resi-Fan auf unseren Vorschautermin stürzte, um mich höchstpersönlich davon zu überzeugen, ob Capcom den Zug nach Resident Evil 5 und 6 nun endgültig gegen die Wand fahren würde oder ob er geradewegs auf die Spitze eines neuen ruhmreichen Gipfels zurast. So packend ich Demo und Trailer auch fand, ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es sich in das Resident-Evil-Universum einfügen würde, auch wenn dies vom Entwickler immer wieder beteuert wurde. Zu sehr erinnerte Resident Evil 7 an viele andere Horrorspiele der letzten Jahre, zu sehr ließen sich Einflüsse von Filmen wie Texas Chainsaw Massacre entdecken. Wollte Capcom nur aktuelle Trends unter die sichere Haube eines bekannten Namens packen?

Ich habe Angst!

Anfangs wirkte die Familie Baker, in deren entlegenes Farmhaus es mich in Resident Evil 7 verschlägt, einfach nur wie eine durchgeknallte Ansammlung grenzdebiler Kannibalen, die wahllos Leute in ihr Haus entführen, um sie zu verspeisen. Da hätten wir den reizbaren Vater Jack, die starken Stimmungsschwankungen unterliegende Mutter Marguerite, ihren Sohn Lucas und die gehandicapte Großmutter. Die direkte Konfrontation mit jedem einzelnen von ihnen jagt mir eine Heidenangst ein. Während ich von A nach B laufe, höre ich bedrohlich ihre Schritte aus dem Obergeschoss. Jederzeit könnte ich den falschen Raum betreten, in dem Jack gerade umherspaziert.

Ein Gefühl von Sicherheit stellt sich zu keiner Zeit ein, abgesehen von den Speicherräumen, in denen ich ganz wie früher nicht benötigten Krempel abladen kann. Das ist auch bitter nötig, denn obwohl Materialien für Heilung und Munition rar sind, ist das Inventar gewohnt knapp bemessen. Zurück in den modrigen Fluren habe ich ein Déjà-vu: Auf dem Weg sehe ich immer wieder Türen mit Tiersymbolen, die offensichtlich nach einem passenden Schlüssel verlangen. Resident Evil 7 erwartet von mir, ganz wie in alten Zeiten, dass ich mich an zunächst unwesentlich erscheinende Details erinnere und zu Orten zurückkehre, die vorher unpassierbar waren.

Eine Besonderheit sind Videokassetten, die mich vergangene Ereignisse nachspielen lassen, wenn ich sie in einen Rekorder einlege. Dabei entdecke ich, mit inzwischen wachsamerem Blick, einige nützliche Gegenstände, die ich in der Gegenwart gut gebrauchen kann. Teile für einen Flammenwerfer zum Beispiel. Von diesem Zusammenspiel aus Vergangenheit und Gegenwart bin ich sehr angetan, da ich tolle Herangehensweisen an Rätsel wittere.

Insignien, die im ganzen Haus verstreut liegen, zwingen mich, das Anwesen zu erkunden, um eine neue Tür zu öffnen. Dabei lassen sich einige Easter-Eggs entdecken, die immer mehr dazu beitragen, dass ich mich in die „guten alten Zeiten“ zurückversetzt fühle. Dazu gehört die meiner Meinung nach geniale Wahl, wieder in einem isolierten Anwesen zu spielen und sich auf ein abgegrenztes, aber groß wirkendes Areal konzentrieren zu können, das von mir verlangt, mich mit meiner Umgebung intensiver auseinanderzusetzen. Dazu zählen die Momente, in denen ich Türen aufstoße und nicht genau weiß, was mich dahinter erwartet. Dazu gehört auch, dass sich jeder Gegner wie eine echte Herausforderung anfühlt, vor der ich eine Heidenangst bekomme.

Resident Evil 7: Biohazard - Gameplay Trailer #3
Hier gibt es einen dritten neuen Gameplay-Clip zu Resident Evil 7 für euch, der noch einmal knapp drei Minuten aus dem Spiel zeigt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bakers sich unberechenbar verhalten. Entweder schleiche ich mich unbemerkt an ihnen vorbei, was meinen Adrenalinspiegel in die Höhe treibt, oder ich riskiere es, einfach an ihnen vorbeizulaufen. Wenn nichts hilft, muss ich mich präventiv wehren. Je nachdem, wie geschickt oder aggressiv ich mich verhalte, reagieren auch Jack und Marguerite anders. Entweder lassen sie nach einer kurzen Verfolgungsjagd von mir ab, wenn ich sie kaum gereizt habe, oder sie wollen mich richtig dafür büßen lassen, dass ich sie angeschossen oder anderweitig provoziert habe.

Läuft ja wie geschmiert

Ich bin überrascht, wie groß das Haus der Bakers und die anliegenden Gebäude sind. Es gibt wieder einen Haupttrakt, einen großen Kellerbereich und ein Gebäude in den Sümpfen. Mir fallen gewisse Parallelen zum alten Anwesen in den Arklay Mountains aus Teil 1 positiv auf. Es gibt also einiges zu erkunden. Umso überraschender ist, wie flüssig Resident Evil 7 läuft. Egal, ob ich den Keller, den Garten oder einen neuen Flügel des Hauses betrete, alles ist wie aus einem Guss. Bildeinbrüche oder Ladezeiten konnte ich in der Preview-Version kein einziges Mal feststellen. Nicht ganz ungefährlich, wie ich vor einem Bosskampf feststellen musste. Ständig warte ich auf ein kleines Zeichen dafür, dass eine Cutscene zu Ende ist, bevor sich Jack mich zur Brust nimmt.

Überdies läuft das Spiel in der mir vorliegenden Version auf der herkömmlichen PS4 konstant wundervoll flüssig mit 60 fps, ohne dass irgendetwas von der wortwörtlich unheimlich dichten Atmosphäre verloren geht. Das Einzige, das mir in den drei Stunden negativ auffiel, ist die, zumindest für mich, unglücklich gewählte Tastenbelegung fürs Ducken. In Panik habe ich mich allzu oft dabei erwischt, wie ich meine Hände zusammenpresste und aus Versehen den rechten Analog-Stick drückte – in einigen Situationen nicht ganz ungefährlich. Auch die etwas langsame Höchstgeschwindigkeit beim Laufen könnte für meinen Geschmack etwas schneller sein. Das ist aber wohl dem Komfort beim Spielen mit PlayStation VR geschuldet.

Fazit

Mathias Windhager - Portraitvon Mathias Windhager
Danke, Capcom!

Auch wenn es noch nicht das ganze Spiel war, Resident Evil 7 hat nach etwas mehr als drei Stunden Spielzeit sämtliche Wunden geheilt, die die Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit hinterlassen hatten. All meine Sorgen, die ich hinsichtlich der First-Person-Perspektive und darüber, dass Teil 7 sich nicht nach einem echten Resi anfühlen könnte, hatte, sind schon jetzt beiseitegefegt worden. Selten hatte ich in einem Videospiel so viel Angst, selten hat sich ein Resident Evil so intensiv angefühlt.

Das Gefühl von früher ist wieder da, wenngleich die Brutalität zugenommen hat. Jumpscares gibt es zwar, aber sie sind nur kleinere Höhepunkte in der dauerunheimlichen Stimmung des Baker-Hauses. Vorsichtig würde ich behaupten, dass hier nicht mehr viel schiefgehen kann. Resident Evil 7: Biohazard verhilft der Serie meiner Einschätzung nach zu alter Größe und womöglich noch weiter. Solange noch nichts Konkretes für Nintendo Switch angekündigt wird, ist Capcoms neuer Streich mein vorläufiger Most-Wanted-Titel für das kommende Jahr.

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