Test - Super Mario Odyssey : Das vielleicht genialste Spiel des Jahrzehnts

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Wenn gestandene Männer mit dem Joypad in der Hand vor dem Bildschirm sitzen und sich ein Freudentränchen aus dem Gesicht wischen, weil der Spielspaß aus allen Kanälen schießt, dann hat Nintendo mal wieder gezaubert. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie viel Fantasie in Super Mario Odyssey steckt. Hier geht es nicht nur um einen Systemseller, sondern um das wahrscheinlich genialste Spiel dieses Jahrzehnts. Wer sich jetzt keine Switch zu Weihnachten kauft, verpasst ein Meisterwerk.

Diese Wundertüte des Jump-'n'-Run-Genres steckt voller Überraschungen. Einmal geöffnet, schießen Freude und Motivation wie Konfetti aus der Packung und rieseln tage-, wochen-, ja, vielleicht sogar monatelang herab. Der Spaß nimmt einfach kein Ende, obwohl die Grundidee so simpel scheint.

Super Mario war schon immer ein Multitalent. Ein Tausendsassa, der jede sportliche oder abenteuerliche Herausforderung mit Bravour meistert, obwohl er seinem Gesichtsausdruck zufolge jede noch so kleine Sensation mit der Naivität eines Kindes wahrnimmt und alle seine Abenteuer mit der gleichen Verblüffung und Freude bestreitet wie der Spieler, der ihn dirigiert. Doch dieses Mal wächst der berühmte Schnauzbartträger in vielerlei Hinsicht über sich hinaus, denn dank eines magischen Hutes namens Cappy vermag er plötzlich in alle erdenklichen Gestalten zu schlüpfen. Vornehmlich in Widersacher wie etwa Gumbas, Kugel-Willis und Cheep-Cheep-Fische, aber auch in Freunde wie lebendige Statuen oder hopsende Frösche.

Marios Meisterstück? - Video-Review zu Super Mario Odyssey
Mario meldet sich meisterhaft zurück. Was das Spiel so gut macht, seht ihr in unserem umfangreichen Videotest.

Ist er in deren Haut geschlüpft, übernimmt er Gestalt wie auch Talente, wodurch er auf seinem neuen Abenteuer viele Hindernisse umgehen und entlegene Orte erreichen kann. Wozu, fragt ihr? Nun, die Hintergrundgeschichte ist mal wieder so einfach gestrickt wie blödsinnig. Sein Erzfeind Bowser möchte Prinzessin Peach ehelichen. Ihm fehlen dazu einige wichtige Utensilien, wie etwa ein Ring, ein Brautkleid, eine Torte und Ähnliches. Darum bereist er mit seinem fliegenden Schiff die ganze Welt und klaut fremden Völkern die schönsten Exemplare jener Gegenstände.

Unser Held Mario kann dabei nicht einfach zusehen. Mithilfe seines neuen Freundes, des sprechenden Hutes Cappy, folgt er dem Bösewicht in einem Luftschiff, das die Form eines Zylinders hat und durch die Kraft magischer Monde gespeist wird. Um Bowser einzuholen, muss er in den gleichen Ländern Zwischenstopps einplanen, in denen der Bösewicht sein Unwesen trieb, mit dem Ziel, weitere energiespendende Monde zu sammeln.

Was für ein herrlicher Schwachsinn! Bowser will ernsthaft Peach heiraten? Warum? Und die Holde Maid hat nichts zu sagen, oder wie? Und wie soll das eigentlich mit der Hochzeitsnacht ... NEIN ... das will sich niemand bildlich ausmalen. Gänseblümchen! Tote Fische! Käsekuchen! Alles, nur weg mit diesem furchtbaren Gedanken.

Massenweise Power-Monde

Für die royale Vermählung hat Bowser Verstärkung herbeigetrommelt. Eine Hasenbande namens „Die Broodals“ dient ihm als Hochzeitsplaner und steht unserem schnauzbärtigen Helden regelmäßig in Bosskämpfen im Wege, sodass der Fiesling rechtzeitig die Kurve kratzen kann. Anders als Ubisofts Rabbids haben die Pelzviecher aber keineswegs den Niedlichkeitsoverkill gepachtet. Hätten sie Spitznamen, würden sie allein ihres Erscheinungsbildes wegen wohl Fies, Fett, Behämmert und Niederträchtig lauten.

Wie bei Mario üblich reichen allerdings drei sitzende Angriffe je Schlagabtausch, um ihnen die Leviten zu lesen. Einmal besiegt, hinterlassen sie sogar gleich drei Monde auf einmal. Etwas schwieriger in Sachen Bosskampf wird es bei den aufgebrachten Bewohnern der ausgebeuteten Länder. Sie schicken dem Klempner gerne mal einen ausgewachsenen Drachen oder ein pflanzenfressendes Ufo auf den Hals.

Nicht, dass es an Power-Monden mangeln würde. Sie sind gar nicht mal so selten, wie man es aus früheren Klempnerabenteuern gewohnt ist. Verschwenderische achthundert-nochwas Stück warten auf der ganzen Welt verstreut auf einen Finder. Einige liegen einfach herum, andere werden erst durch das Lösen kleiner Puzzles oder Minispiele aufgedeckt und eine weitere Handvoll befinden sich in der Obhut diverser Nebendarsteller, die ihre Exemplare erst nach dem Erfüllen von Hilfstätigkeiten hergeben.

Gut die Hälfte der Odyssee verlangt deswegen nach geschickter Verwendung des sogenannten Caperns per Hut. Wollt ihr beispielsweise ohne Rutschpartie über Eisflächen düsen, so lohnt es sich, den Hut auf einen Gumba zu werfen, denn diese Spezies bewegt sich so sicher auf dem Eis, als hätte sie Pattex auf den Sohlen. Praktisch ist zudem ihre Neigung zum Stapeln, denn mit einem Turm aus Gumbas erreicht ihr problemlos hoch gelegene Ziele.

Ist hingegen Zerstörungswut angesagt, solltet ihr euren neuen Hutkumpel auf einen Tyrannosaurus Rex werfen. Diese Fleischberge mit Stummelärmchen lassen sich zugunsten gewaltiger Zerstörungskraft nur eine begrenzte Zeit lang steuern. Eine von vielen brillanten Ideen, die vielleicht nur eine Minute Spielzeit füllt, aber richtig zündet. Da bleibt buchstäblich kein Stein auf dem anderen.

Alternativ „capert“ ihr einen kleinen Panzer und schießt Steine oder Gegner schlicht aus dem Weg. Schweres Kriegsgerät klingt nicht nach typischem Mario-Repertoire, aber es funktioniert. Die Panzer fügen sich als natürlicher Teil in die zur Erkundung hergerichtete Spielwelt ein, in die übliche 3-D-Erkundungstour, deren Eingang hier und da erst freizusprengen ist. Irgendwann lautet die Frage nicht mehr, wieso es Panzer gibt, sondern, wann der nächste kommt und was Nintendo beim nächsten Mal damit anstellt – und da gibt es einiges: vom simplen Sprengpuzzle bis zum spannenden Bosskampf.

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