Special - The Last Guardian : Sieben Jahre zwischen Hoffen und Bangen

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Der Veröffentlichungstermin konnte, wie wir mittlerweile natürlich wissen, nicht eingehalten werden. Auch wenn diese Information mir einen kleinen Stich ins Herz versetzte, war ich guter Dinge. Damals hätte man ja nicht mal ansatzweise ahnen können, was für eine Reise The Last Guardian bevorstehen würde. Jede neue Information saugte ich wie ein Schwamm auf. Jeder Screenshot und jedes Video war ein Nervenkitzel: Soll ich es mir anschauen oder möchte ich lieber im Dunkeln tappen und mich überraschen lassen?

Trotz der zahlreichen Dämpfer und Verschiebungen über die kommenden Jahre versicherte die Chefetage von Sony, dass an dem Adventure nach wie vor gearbeitet wird. Die Mühlen mahlten jedoch langsamer. Es war fast so, als würde das Herz von Trico immer schwächer schlagen. Man sagte mir regelmäßig, dass ich nicht mehr dem Spiel rechnen sollte. Ich blieb stur, dickköpfig und glaubte an Fumito Ueda, sein Team und die Fertigstellung des Projekts. Bis zum Mai 2015.

Ein Moment der Schwäche

In der Redaktion herrschte das E3-Fieber. Irgendwann kam die Frage auf, welche Titel wohl auf der Messe gezeigt werden. Ich arbeitete gerade an einem Artikel, als es aus dem Raum tönte, dass sich The Last Guardian doch mal blicken lassen könnte. Ich seufzte kurz und ließ mich zu einer fatalen Aussage hinreißen, die ich schon bald bereuen sollte:

„Pah! Man hat schon so lange nichts mehr von The Last Guardian gehört oder gesehen. Das Spiel ist seit acht Jahren in Entwicklung. Nie im Leben wird das auf der E3 gezeigt werden. Wenn doch, dann trenne ich mich von meinem Bart!“

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, was mich damals geritten hat. War es die Enttäuschung? Hat mich die lange Wartezeit mürbe gemacht? Wollte ich einfach nur provozieren, felsenfest der Überzeugung, dass The Last Guardian nie im Leben nach all den Jahren ausgerechnet jetzt noch mal wie ein Phoenix aus der Asche emporsteigen würde? Oder war es Fahrlässigkeit? Wie hoch war denn die Wahrscheinlichkeit? Praktisch null!

Pustekuchen. Auf der Pressekonferenz von Sony enthüllte Shawn Layden, Präsident und CEO von Sony Computer Entertainment America, innerhalb der ersten fünf Minuten erneut das Spiel, an dem Fumito Ueda mit seiner Crew all die Jahre lang arbeitete. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es sich nicht um einen Zufall handelte. Er muss meine Aussage irgendwie mitbekommen haben. Insofern: Gern geschehen, Planet Erde!

Noch während der Pressekonferenz löste ich meine Wettschuld ein und trennte mich von meinem Bart. Die ganze Häme und das Gespött meiner Kollegen nahm ich gerne in Kauf, auch wenn ich meinem majestätischen Gesichtsfell auf Wiedersehen sagen musste und mir zahlreiche Tränen aus den Augen wischte. Immerhin waren es Tränen der Freude – zumindest teilweise.

Auf Tuchfühlung

Ein Jahr musste ich aber noch ausharren, bis ich tatsächlich das erste Mal The Last Guardian spielen durfte. Selbst noch fünf Minuten vor meinen Termin bei Sony auf der E3 2016 in Los Angeles war ich ungläubig. Sollte ich jetzt wirklich die Gelegenheit haben, endlich das Spiel ausprobieren zu dürfen, auf das ich so lange warten musste? Ich war mir sicher, dass noch irgendetwas schiefgeht und der Termin platzt. Passiert ja schließlich auf Messen häufiger. Doch dann öffnete sich die Tür zum Vorführungsraum und ich nahm den PS4-Controller ehrfürchtig in die Hand. Für eine Dreiviertelstunde vergaß ich all den Trubel der E3 und schaltete die Umgebung vollständig aus. Nur der Junge, Trico und ich, alles andere war egal. Es war herzerwärmend.

Seit dem Sommer hatte ich im Oktober in London noch mal die Möglichkeit, The Last Guardian auszuprobieren. Zwar wurde der Titel im September erneut um wenige Wochen auf den 7. Dezember verschoben, aber das war dann auch schon egal. Das Spiel ist echt. Es existiert. Bald ist es da. Jetzt habe ich eine neue Form der Angst: Was, wenn The Last Guardian mich enttäuscht?

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