Preview - The Last of Us: Part II : Ist Joel tot? Viele Infos direkt von Naughty Dog

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The Last of Us war das House of Cards der Spielewelt: brillant geschrieben, toll geschauspielert, mit viel Gefühl, aber auch der nötigen Brutalität, um seine Atmosphäre zu erschaffen. Vor allem aber kam es ohne die klassische Schwarz-Weiß-Zeichnung im Storytelling aus, es war kein Star Wars: Rogue One. Joel und Ellie mögen die Protagonisten sein und sie wachsen uns ans Herz, doch es gibt nicht den einen fiesen Antagonisten. Jede Fraktion tut das, was sie für richtig hält, und es fällt schwer, sie dafür zu verurteilen. Jetzt sitzt Ellie in The Last of Us Part 2 auf einem blutgetränkten Bett, umringt von Leichen der Fireflies. Doch warum? Chefautor Neil Druckmann hat uns in Los Angeles ein paar mehr Details verraten.

„Wenn sich The Last of Us um die Liebe und Freundschaft dieser zwei Personen drehte, dann ist der zweite Teil die Antithese dazu. Das hier ist eine Geschichte über Hass, erlebt aus Ellies Sicht“, erzählt uns der Creative Director in Los Angeles. Er habe sich die Frage gestellt, was die Ereignisse in unserem Leben seien, die uns zu dem machen, was wir sind. The Last of Us Part 2 wird also fünf Jahre nach dem ersten Teil weniger ein Kampf ums Überleben und mehr eine moralische Achterbahnfahrt, die sich auch anders spielen wird. Schließlich ist Ellie nicht der muskulöse Brawler-Typ wie Joel.

Auch inszenatorisch will sich Druckmann nicht einschränken: „Es ist sehr leicht, diesem Gedanken zu verfallen, einfach nur die Winterszene zu reproduzieren oder einen Charakter zu schreiben, der sich wie David anfühlt. Und genau so ging es mir: Werden diese Szenen so gut wie im Vorgänger? Das ist eine Frage, die du dir nicht stellen darfst. Du musst dir den Kontext dieser Geschichte anschauen und jede Szene muss für sich funktionieren.“ Als wollte er das beweisen, verstört uns die Brutalität des ersten Trailers: Trotz all der Grausamkeiten in ihrem Leben war Ellie immer ein lebenslustiger Mensch, die selbst Joel zum Grinsen brachte.

Jetzt schlachtet sie ihre Gegner regelrecht ab und auch der Song Through the Valley handelt vom Gang durch das Tal des Todes: „Ich fürchte das Böse nicht mehr, denn ich bin blind ihm gegenüber“, singt sie. Blind wohl vor Rache, auch wenn wir noch nicht wissen, was genau diese hervorgerufen hat. Die Fireflies könnten es sein oder eine ganz neue Gruppierung. Ellies Schauspielerin, Blindspot-Star Ashley Johnson, die für den DLC Left Behind sogar mit dem BAFTA gewürdigt wurde, dem europäischen Oscar für Musik, Film und Kunst, sagt nur etwas bedeutungsschwanger: „Sie hat viel durchgemacht, viel Scheiße erlebt.“

„Wie willst du die Welt vor sich selbst retten?“

Das fragt Ellie in ihrem Lied und macht damit klar, dass sie keine Hoffnung mehr hat und den Glauben an die Gesellschaft, die vom Virus zu einer Horde von Mördern gemacht wurde, aufgegeben hat. Als Joel sie findet, ist selbst er erschrocken über die Brutalität seines Schützlings. Im ersten Teil wollte er sie eigentlich alleine lassen, entschloss sich dann aber, sie aufzunehmen und großzuziehen. Er wurde eine Art Ersatzpapa für sie.

Der Anblick von Leichen ist nichts Besonderes für ihn, wohl aber die Methodik. Hohe Blutspritzer an der Wand deuten darauf hin, dass diese Person hier überrascht und von mehreren Schüssen aus einer Schrotflinte regelrecht zerfetzt wurde. Einem anderen hat Ellie die Arterie an der Hand aufgeschlitzt. Das Blut tropft noch vom Zeigefinder, ist noch nicht geronnen.

Als Joel Ellie findet, hat sie die Fireflies gerade erst getötet. „Was hast du getan, Kind?“, fragt er. „Ich werde sie töten. Ich werde sie alle töten. Jeden, der noch übrig ist“, antwortet Ellie leise, fast apathisch. Sie spielt zwar Gitarre, hat ihre Hand aber kaum unter Kontrolle – das Morden nimmt sie viel mehr mit, als sie zugeben will. Oder schwindet gar die Immunität vor dem Virus? Gesteigerte Aggressivität, eine Art ungehinderte Wut sind erste Anzeichen der Cordyceps-Mutation.

Es ist übrigens ziemlich wahrscheinlich, dass es sich bei dem Kinderzimmer entweder um Ellies altes Zuhause handelt oder zumindest um einen Unterschlupf, den sie schon länger bewohnt. Er ist nicht militärisch ausgestattet, sondern es hängen zahlreiche Musikposter an den Wänden. Infizierte zeigen sich noch nicht. Wurde das Virus besiegt? Wohl eher nicht. Abdrücke von Klauen an der Baumrinde lassen darauf schließen, dass entweder Menschen völlig mutieren oder es jetzt auch auf Tiere übergreift.

Ist Joel tot? Was spricht dafür, was dagegen?

Vieles ist merkwürdig an diesem Trailer: Naughty Dog schneidet normalerweise direkt auf seine Figuren, wenn sie reden. In der Demo jedoch sehen wir Joel in der Tür nur als Silhouette und beim Gespräch lediglich von hinten. Die einfache Erklärung: Naughty Dog will sein Aussehen noch nicht enthüllen, weil es potenzielle Story-Spoiler enthalten könnte. Die aktuell beliebteste Fan-Theorie: Er wurde von den Fireflies ermordet. Warum? Nun, wer den Erstling durchgespielt hat, kann sich das denken.

The Last of Us: Part II - PSX 2016 Trailer
Neuer Trailer von der PlayStation Experience 2016 zu The Last of Us: Part II.

Ellies zitternde Hand weist darauf hin, dass sie krank ist. Vielleicht ist Joel also nur eine Halluzination und sie glaubt nur, mit ihm zu reden. Ihr erinnert euch: Er verspricht ihr im ersten Teil, Gitarre zu lernen. Die Szene könnte ein subtiler Hinweis darauf sein. Es passt auch, weil Chefautor Neil Druckmann sein Baby als Antithese zu The Last of Us bezeichnet. Auch wenn es ein brutaler Schnitt wäre, schließlich lebte dieses Werk vom Zusammenspiel der Charaktere.

„Wir wissen, was ihr denkt. Diese Vorbehalte, zurückzukehren und sich noch mal die Frage zu stellen, was dieses Ende bedeutet, die hatten wir auch“, erzählt uns Neil Druckmann. „Wir haben so lange alternative Figuren entworfen und geschrieben, bis ich selbst nicht mehr an einen zweiten Teil glauben konnte. Doch jetzt sind wir auf dem richtigen Weg. Wir runden damit die Geschichte ab, schlagen den Bogen zum großen Ganzen. Vertraut uns bitte ein bisschen, wir werden euch nicht enttäuschen.“

Fazit

Benjamin Kratsch - Portraitvon Benjamin Kratsch
Die Fortsetzung zu einem Meilenstein der Spielegeschichte

Narrativ gesehen gehört The Last of Us zu den besten Spielen aller Zeiten. Selten hat mich ein virtuelles Kunstwerk so gepackt, geschüttelt, mitgerissen und den Tränen nahe gebracht. Naughty Dog hat es damals geschafft, eine nuancierte Geschichte zu erzählen, die völlig ohne Schwarz-Weiß-Zeichnung auskam. Die Fireflies hatten einen verdammt guten Grund für ihr Vorhaben, die Rettung der Menschheit. Doch auch Joel handelte menschlich, so wie es ein Vater tun würde.

Wenn es also jemanden gibt, der diese Geschichte weiterschreiben kann, dann ist es Neil Druckmann.

Persönlich macht mich dieser ungewisse und verwirrende Trailer noch ein bisschen heißer auf Part 2. Warum trägt Ellie Rileys Jeansjacke? Und ist Joel wirklich tot? Wer weiß, ich würde das nicht unbedingt befürworten, aber akzeptieren. Entwickler Naughty Dog hat seinen eigenen Kopf, seine eigene Vision, und er weiß, wie man Musik, Spielmechaniken, Figuren, Szenario und Geschichte zu einem Gesamtkunstwerk vereint. Was denkt ihr: Haben sich die Naughty Dogs ein paar Vorschusslorbeeren verdient?

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