Test - The Walking Dead Season 3 : Die komplette Staffel im finalen Test

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Beinahe ein halbes Jahr hat es gedauert. Nun ist sie endlich da. Die dritte Staffel von The Walking Dead findet mit der fünften Episode ihr Ende. Clementine, Javi und seine Gruppe haben uns eine ganze Zeit lang unterhalten. Doch hat sich das Auf und Ab der Gefühle gelohnt? Was bleibt nach fünf Episoden Drama? Hat es die Serie in ihrer mittlerweile dritten Staffel geschafft, uns mit etwas Neuem zu überraschen? Eine Analyse.

Anders als in den bisherigen Staffeln hat sich die Halbwertszeit der Charaktere etwas verlängert. Figuren, deren Ableben in euren Händen liegt, werden nicht wie in den ersten beiden Staffeln wie von Geisterhand in der jeweils nächsten Szene automatisch vom Blitz getroffen oder sterben schicksalsbedingte Tode. Nein, einige der Charaktere schaffen es sogar noch zu der einen oder anderen bewegenden Tat, wenn ihr ihnen die Chance dazu gebt, und das, obschon sie eigentlich viele Episoden vorher hätten tot sein können.

Auch einige eurer Entscheidungen sind jetzt weitreichender. Die Beziehung zwischen Javier und dessen großem Bruder steht im Zentrum und kann sich stark nach Spielweise unterscheiden, was sehr erfreulich ist. Verräter werden enttarnt, Köpfe rollen, Menschen wird der Freitod gewährt. Telltale hat über die Jahre sein Handwerk also immer weiter verbessert und liefert mit dieser Staffel seine wohl beste Arbeit ab.

Ohne groß zu spoilern, können wir sagen, dass es eine Menge verschiedener Enden gibt und es bis zum Finale spannend bleibt, wer von euren Protagonisten weiterlebt, wer die Gruppe verlässt und wer am Ende ins Gras beißt. Wie weit eure Entscheidungen zurückliegen, die den Ausgang beeinflussen, ist zum Teil schon sehr erstaunlich und zeugt davon, wie komplex die Geschichte aufgebaut ist.

Dem Galgen entkommen

In The New Frontier zeigt Telltale erzählerische Finesse und gibt in der Rückschau auch Serienneulingen die Möglichkeit, in den Kosmos der Untotenwelt einzutauchen. Die Geschichte hat sich fast komplett von der Exprotagonistin Clementine entfernt. Javi und die Beziehung zu seiner Familie stehen mehr im Mittelpunkt. Doch auch Clementine-Fans kommen auf ihre Kosten. In zahlreichen Rückblenden werden ihre Erlebnisse nach dem Ende der zweiten Staffel erzählt. Wie bedeutend diese Ereignisse für den Verlauf der aktuellen Geschehnisse sind, merkt ihr nach und nach.

Weniger Adventure, mehr Serie

Was aber an erzählerischer Klasse geboten wird, fehlt dem Spiel an Umfang. Zu schnell sind die fünf Episoden vorüber. Ähnlich sieht es spielerisch aus. Mehr und mehr verkommt die Spielreihe zu einer interaktiven Fernsehserie, in der ihr lediglich die Marschrichtung vorgebt. Das kann als Fortschritt gesehen werden, doch wer einmal den Umfang der Adventure-Elemente genauer betrachtet, wird erschrocken feststellen, dass sie im Vergleich zur ersten Staffel beinahe nicht mehr vorhanden sind.

Auch sollte Telltale die in die Jahre gekommene Engine endlich einer Generalüberholung unterziehen. Zwar wurde das technische Gerüst über die Jahre verfeinert, sodass nur noch selten hölzerne Animationen zu sehen sind, doch könnte man im Jahre 2017 deutlich imposantere und sehr viel ansehnlichere Grafiken realisieren. Gerade manche Actionsequenzen sehen aus wie zu Dreamcast-Zeiten (womit ich diese Ära aber keinesfalls schlechtreden will).

Die Synchronisation ist hingegen wieder erstklassig und die Dialoge wurden sorgsam und durchdacht geschrieben. Doch wie Clementine selbst muss diese Reihe erwachsen werden, wenn sie auch in ihrer kommenden Ausgabe Fans und Serienneulinge anlocken möchte. Ansonsten sehe ich keine rosige Zukunft für die Marke, die hier zwar ihr bestes, aber auch uninspiriertestes Stück abliefert.

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