Test - Unravel 2 : Gemeinsam wird der Knoten stark!

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Mitten in der E3-Pressekonferenz von EA strandet ein kleiner, schiffbrüchiger Yarny vollkommen allein am Ufer einer Leuchtturminsel. Für alle, die den E3-Spoilern aus dem Weg gegangen sind, dürfte das die erste Ankündigung von Unravel 2 gewesen sein. Und während ein sichtbar nervöser Martin Sahlin noch vom Funken der Hoffnung am dunkelsten Punkt spricht, warten in seinem Auftritt zwei Überraschungen sogar für diejenigen, die bereits vorab fleißig Leak-News gelesen haben: Die Fortsetzung des Plattformers bekommt einen Koopmodus und wird noch direkt während der Pressekonferenz veröffentlicht.

So einsam wie am Anfang der Pressekonferenz bleibt der kleine Yarny in Unravel 2 nicht lange. Denn im Gegensatz zum Vorgänger flitzt der rote Yarny nicht mehr allein durch die Levels, sondern bekommt einen blauen Kumpan, der ihm hilft, die Hürden und Hindernisse des Hüpfspiels zu meistern. Aus dem ersten Teil gewohnte Grundmechaniken wie Springen, Rennen und das Schwingen am eigenen Faden über Hindernisse bleiben erhalten und wurden sogar noch etwas aufpoliert, sodass sich die Steuerung nun präziser anfühlt.

Einige Änderungen gibt es aber auch. Während ihr mit langen und kurzen Wand- und Schwungsprüngen durch die Levels jagt, wickelt sich euer Faden nun nicht mehr nach und nach ab. Knotenpunkte an denen ihr wiederaufspulen müsst, sind Schnee von gestern. Dafür gibt es jetzt euren Partner, mit dem ihr untrennbar (bis zum Tod) am Faden verbunden seid. Das ermöglicht zudem neue Mechaniken für Knobelpassagen. So muss etwa ein Spieler oben an einem Vorsprung stehen bleiben, damit sich der zweite auf die andere Seite schwingen kann. Der zweite Yarny muss dann nur noch am Faden des ersten hinterherklettern.

Rätseln, bis das Knäuel raucht

In den sieben Levels der Hauptstory wird diese Mechanik auf unterschiedlichste Art und Weise eingesetzt und fordert selbst von geübten Spielern manchmal ein Umdenken, stellt euch aber nie vor unlösbare Herausforderungen. Solltet ihr trotzdem einmal nicht weiterkommen, gibt es eine Hilfsfunktion, die euch mit kleinen Tipps und sogar kompletten Schritt-für-Schritt-Anleitungen durch die Knobelpassage führt.

Wer sich da unterfordert sieht, versucht sein Glück in den optionalen Herausforderungslevels, die ihr nach und nach im Leuchtturm-Hub freischaltet. Die sind nämlich bockschwer und fordern sehr hohes Geschick und eine ebenso starke Knobelleistung. Hilfestellung gibt es hier keine, dafür aber neue Yarny-Farben und -Formen als Belohnung.

Das Weiterkommen im kompletten Spiel ist auf zwei Yarnys ausgelegt, doch keine Sorge, auch solo könnt ihr es durch die Kampagne schaffen. Für Einzelspieler lassen sich die beiden Yarnys auf Knopfdruck wechseln und einzeln steuern. Da kommt man schnell rein, ist aber auch eine beträchtliche Zeit damit beschäftigt, erst mit dem einen Yarny irgendwohin zu laufen und dann mit dem zweiten hinterherzukommen. Damit ihr jedoch nicht alle Hüpfabschnitte doppelt spielen müsst, lassen sich die beiden Wollpüppchen auch zu einem verbinden und so gleichzeitig bewegen, fast wie im ersten Teil.

Faire Checkpoints

Das geht übrigens auch im Koopmodus, der ausschließlich offline spielbar ist. Sobald sich ein Spieler an den anderen heftet, steuert einer beide Figuren allein. Auch wenn Rätselpassagen deutlich flüssiger und einfacher mit zwei Spielern von der Hand gehen, haben wir uns im Test gerade bei schnellen und präzisen Sprungpassagen, bei denen etwa der Boden unter den Füßen wegbricht, dabei erwischt, wie wir den geschickteren Spieler die Springerei übernehmen ließen und uns erst nach der hektischen Stelle wieder trennten. Der Tod eines einzelnen führt nämlich zum Game-Over für beide, selbst wenn ein Spieler das rettende Levelende bereits erreicht hat.

In Abschnitten, in denen ihr beispielsweise wie Indiana Jones vor einem rollenden Riesenstein flüchtet oder die neu eingeführten glühenden, dunklen Schattengegner hinter euch herjagen und versuchen, euch zu verschlingen, könnte das schnell zu Ärger gegenüber dem langsameren Spieler führen. Dank der Einzel-Yarny-Mechanik und fair gesetzten Kontrollpunkten bleiben größere Frustmomente aber in der Regel aus, selbst in den Rayman-mäßigen Sprintpassagen, die ihr nur durch Trial and Error meistern könnt.

Unravel 2 - E3 2018 Announcement Trailer
Das Sequel zum Indie-Darling Unravel 2 wurde nicht nur angekündigt, sondern ist ab sofort auch erhältlich.

Knuddelig und hübsch mit einem Hauch von düster

Optisch und akustisch steht Unravel 2 dem Vorgänger in nichts nach. Die liebevoll designten Levels sind wunderhübsch anzusehen und besonders die Naturkulissen, untermalt von nordischen Melodien, lassen das detailverliebte Herz höherschlagen. Mit Schauplätzen wie einer Fabrik oder einem Waldbrand mitsamt flammender Scheune sind viele Abschnitte aber auch deutlich düsterer angelegt als im Vorgänger. Nur gelegentliches Tearing stört die rundum niedliche Wollimmersion. Besonders im Leuchtturm, der zur Levelauswahl dient, fällt das stark auf. Wenn euch jedoch ein wütender Auerhahn durchs Level hetzt und droht euch zu zerpflücken, behindern euch vereinzelte Bildzeilenverschiebungen nicht.

Eine Handlung gibt es übrigens auch wieder. Wie gewohnt spielt sie sich eher im Hintergrund ab. Diesmal folgt ihr zwei schemenhaften Kinderschatten und helft ihnen hier und da mit eurem leuchtenden Wegweiser, den Grausamkeiten der Erwachsenenwelt zu entkommen. So richtig emotional wird es dabei nicht, aber das fällt nicht negativ ins Gewicht, denn Mechaniken und Spielablauf greifen so nahtlos ineinander, dass die Story mehr als nettes Gimmick fungiert.

Da Unravel 2 nicht mal die Hälfte eines normalen Vollpreisspiels kostet, ist der Spielumfang absolut angemessen. Wer zusätzlich aus dem Vollen schöpfen will, bekommt für jedes Story-Kapitel schwer zu erreichende Sammelobjekte sowie Speedrun-Ziele, die den Wiederspielwert erhöhen.

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