News - Anthem : Fake-Demo zur E3: So chaotisch war der Entwicklungsprozess

  • PC
  • PS4
  • One
Von Kommentieren

Mit großen Hoffnungen ging im Februar Anthem an den Start, doch der neueste BioWare-Titel hatte mit Problemen zu kämpfen und konnte diese bislang eher nicht erfüllen. Grund dafür sei auch, dass die Entwicklung ganz generell nicht ganz reibungslos ablief, wie ein neuer Bericht nun nahelegt.

Von der ersten Idee bis zum Release befand sich der einstige Sci-Fi-Hoffnungsträger Anthem von BioWare fast sieben Jahre lang in der Mache, doch dieses Zeitfenster täuscht, wenn man einem aktuellen Bericht der für gewöhnlich gut informierten Kollegen von Kotaku Glauben schenken mag. Diese haben in Person des renommierten Spielejournalisten Jason Schreier den kompletten Entwicklungsprozess näher beleuchtet und legen nun dar, was bei Anthem alles schief lief.

Demnach sei der Titel im oben genannten Zeitraum schlussendlich nur rund 18 Monate tatsächlich in Produktion gewesen. Der komplette finale Entwicklungsprozess, also die eigentlichen Programmier- und Fertigstellungsarbeiten, sei in den letzten sechs bis neun Monaten bis zum Release mehr oder weniger übereilt und unter Zeitdruck fertiggestellt worden. Schreier beruft sich in seinem Bericht dabei auf nicht weniger als 19 (!) anonyme Quellen, die entweder direkt in die Arbeiten an Anthem involviert waren oder zumindest vom Titel betroffen waren.

Ein Entwickler sagte beispielsweise zum problematischen Entstehungsprozess: "Du konntest es einfach nicht spielen. Es war nichts da. Es war nur am Ende nur diese verrückte Hetzerei. Das Schwierige daran ist ja: Wie triffst du eine Entscheidung, wenn es faktisch noch kein Spiel gibt? Es gab wirklich nichts zu spielen. Also ja: Man stellt sich selbst immer wieder diese Fragen."

  • Anthem - Screenshots - Bild 1
  • Anthem - Screenshots - Bild 2
  • Anthem - Screenshots - Bild 3
  • Anthem - Screenshots - Bild 4
  • Anthem - Screenshots - Bild 5
  • Anthem - Screenshots - Bild 6
  • Anthem - Screenshots - Bild 7
  • Anthem - Screenshots - Bild 8
  • Anthem - Screenshots - Bild 9
  • Anthem - Screenshots - Bild 10
  • Anthem - Screenshots - Bild 11

Laut dem Bericht standen viele Probleme in Verbindung mit einer fehlenden bindenden Vision für das Spiel, mehreren Veränderungen in der Führungsriege und der Frostbite-Engine. Daraus resultierte schlussendlich eine Arbeitsumgebung mit sehr hohem Stressfaktor, die bei mehreren Entwicklern im Team zu Angst und Depressionen geführt haben soll.

Die Identitätskrise des Spiels soll so ernst gewesen sein, dass man bei BioWare selbst nicht so richtig gewusst habe, wie das Spiel werden würde - selbst bis zur Demo auf der E3 2017. Diese sei irgendwie zusammengeschustert worden, um Patrick Soderlund aus der EA-Führungsriege zu überzeugen. Unter anderem fand hier auch die Flugmechanik ihren Weg zurück in das Spiel, die zuvor schon mehrfach aus diesem verbannt worden war. BioWare habe selbst nicht gewusst, ob es diese dann tatsächlich in ein fertiges Spiel schaffen würde. Unter dem Strich sei die gezeigte Demo auf der E3 2017 aber schlicht Fake gewesen und hätte das tatsächliche Gameplay des Spiels nicht ansatzweise anhand von lauffähigen Szenen gezeigt; das sei aber bei vielen E3-Demos so.

Die Reaktionen unter den Entwicklern sollen unter anderem in Aussagen wie "Oh, das machen wir wirklich?" oder "Haben wir dafür überhaupt die Technik, haben wir die Tools das so umzusetzen?" sowie "Bis wohin soll man fliegen können? Wie groß soll die Spielwelt denn eigentlich werden?" gemündet sein.

Am Ende habe man bei BioWare unter hohem Stress schlicht versucht, die gesetzten Deadlines einzuhalten. Die Entwicklung wurde übereilt abgeschlossen und das Ergebnis ist nun das vielfach kritisierte vorliegende Spiel. Harter Stoff, den Kotaku da rund um Anthem zu Tage gefördert hat.

Die Gefahr von Games-as-a-Service - Von Fallout 76 bis Anthem
Es erscheinen immer mehr "Games-as-a-Service"-Spiele. Zuletzt Anthem und The Division 2. Doch kann das auch zu Problemen führen. Wir diskutieren über die Zukunf

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel