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Test - Blacksad: Under the Skin : Test: Film-noir-Thriller von den Runaway-Machern

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Nun kehren auch Pendulo Studios dem klassischen Point-n-Click-Adventure den Rücken: Nach solch knackigen Rätselabenteuern wie Runaway, The Next Big Thing oder Yesterday orientiert sich Blacksad: Under the Skin an leicht verdaulichen Interactive Novels. Zwar gibt es weiterhin ein paar Rätsel zu lösen, jedoch liegt der Fokus dieser Comicumsetzung auf das Erzählen einer spannend geschriebenen Detektivgeschichte.

Blacksad ist rein auf dem Papier betrachtet ein typischer Privatdetektiv aus der Zeit des Film noir: Er raucht, trägt einen langen Mantel und hat keine Skrupel, seine raue Seite zu zeigen. Er betreibt sein Geschäft kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges und wird praktisch jeden Tag in eine Schlägerei verwickelt – jüngst weil er einen Kerl beim Fremdgehen erwischt hat und droht, dessen Frau ein paar eindeutige Fotos zu zeigen.

>> Alle Rätsel & Fundorte aller Sticker: Blacksad: Under the Skin Komlettlösung

Am gleichen Tag bekommt Blacksad Besuch von einer jungen Frau namens Sonia Dunn: Ihr Vater leitete bis vor kurzem einen Boxklub und hat sich aus mysteriösen Gründen erhängt. Gleichzeitig ist sein Schützling Bobby Yale verschwunden, obwohl der bereits in ein paar Wochen einen wichtigen Kampf absolvieren muss. Sollte dieser platzen, dann wäre der Klub endgültig pleite. Überfordert mit der Gesamtsituation, soll Blacksad den Boxer suchen – und natürlich in Erfahrung bringen, warum sich Sonias Vater umgebracht haben könnte.

Spannend geschrieben, geschickt inszeniert

Blacksad: Under the Skin basiert auf der gleichnamigen Comicserie der Autoren Juan Díaz Canales sowie Juanjo Guarnido, erzählt jedoch eine komplett neue Geschichte des Detektivs. Gleichwohl die ganze Welt sehr rau und düster gezeichnet ist, sind sämtliche Charaktere Tiergestalten: Blacksad ist beispielsweise ein schwarzer Kater, während sein bester Freund Weekly ein Wiesel ist und er gute Verbindungen mit einem Schäferhund namens Kommissar Smirnov pflegt.

Trotz dieser eher distanzierten Darstellung kommen sämtliche Charaktere erstaunlich plastisch und lebensnah rüber. Die Dialoge sind sowohl in der englischen als auch der deutschen Fassung sehr gut ausgearbeitet. Wie für das Film-noir-Genre typisch beginnt die Geschichte mit einem scheinbar unbedeutend kleinen Fall und entwickelt sich über mehrere Stationen zu etwas immer Größerem. Am Ende trickst das Spiel zwar auffallend oft mit spontanen Sprüngen, die den Spieler von einer Station zur nächsten hechten. Allerdings stören diese nicht den Erzählfluss und sorgen im Gegenteil für eine angenehme Beschleunigung der Ereignisse, ohne dass sie überhastet wirken.

Weniger puzzeln, mehr reden

Der Wegfall typischer Point-n-Click-Rätsel wird viele Fans von Pendulo Studios sicherlich enttäuschen, insbesondere weil sich auch andere Adventure-Entwickler wie etwa Daedalic und King Art zuletzt mehr und mehr in Richtung Interaktiver Film bewegten und somit ein weiterer, alter Hase des Genres wegfällt.

Zumindest jedoch folgen die Spanier nicht vollständig dem Weg, den Telltale vorgezeichnet hat, sondern präsentieren mit Blacksad: Under the Skin eher eine leicht verdauliche Detektivarbeit à la L.A. Noire oder den Sherlock-Holmes-Adventuren. Ihr müsst also einzelne Orte bis ins Detail unter die Lupe nehmen, Spuren finden und vor allem Tipps sammeln, um diese zu korrekten Schlussfolgerungen zu kombinieren. Ebenfalls motivierend ist die Suche nach insgesamt 100 Stickern, die überall im Spiel verteilt und teilweise richtig gut versteckt sind.

Darüber hinaus suggeriert das Spiel an mehreren Stellen, dass ihr mit eurer Dialogwahl eine Entscheidung getroffen habt und somit den Verlauf der Geschichte steuern könnt. Dies gilt jedoch nur eingeschränkt: Meist ändern sich akut ein paar Dialogzeilen, während wirklich einschneidende Ereignisse rar sind. Selbst in den wenigen Fällen, in denen Nebenfiguren sogar sterben können, ändert das am Handlungsverlauf kaum etwas, da sie im Falle ihres Überlebens ohnehin nur noch selten bis gar nicht mehr auftauchen würden. Einen komplett anderen Pfad wie in Detroit: Become Human schlägt Blacksad zu keinem Zeitpunkt ein.

Positiv zu werten ist die Spielzeit, die sich auf knapp 10 Stunden für einen Durchlauf beläuft. Gleichzeitig sei eingeräumt, dass Pendulo dem Spieler ein wenig die Pistole auf die Brust legt und ihm jedwedes Abbrechen auch nur der kleinsten Dialogzeile verbietet. Auch marschiert Blacksad sehr gemächlich durch die Gegend, aber dafür halten sich die Laufwege in Grenzen.

Unnötige, frustige QTE-Arbeit

Kommt es zu einer Konfrontation in Form einer Schlägerei oder müsst ihr eine zeitkritische Stelle meistern, dann steht euch eine QTE-Sequenz bevor. Sprich: Ihr bekommt wie im Klassiker Shenmue Knöpfe angezeigt und sollt eben diese drücken. Diese Passagen sind erschreckend erbarmungslos und werden insbesondere Adventure-Fans, die eine eher gemächliche Spielweise gewohnt sind, irritieren anstatt erfreuen. Oft sorgt bereits ein Fehler für einen Abbruch und Neustart der Szene.

Die Steuerung reagiert derart sensibel, weshalb bereits ein unachtsames Wackeln des Joypads zu einem ungewollten Kommando und einem Abbruch der Szene führen kann. Zwar könnt ihr die Sensibilität der Steuerung im Menü regulieren. Jedoch droht dann die Gefahr, dass der Tastendruck nicht rechtzeitig registriert wird – schlicht weil das eine oder andere Zeitfenster, in dem ihr agieren sollt, arg kurz geraten ist. Zum Glück hält sich die Menge dieser Passagen in Grenzen, weshalb sie das Spiel nicht kaputt machen.

Ungewohnt hohe Bugdichte

Deutlich ärgerlicher sind die zahlreichen Bugs, die wir in unserer Testversion für den PC beklagen mussten und leider nicht verschweigen können. So stießen wir auf mehrere Passagen, in denen wir auch nach wiederholtem Spielen keine deutsche Sprachausgabe hörten und auf die Untertitel angewiesen waren. Auch bestanden diverse Hinweise, die automatisch im Notizbuch landen, aus Fehlermeldungen, und einige Hotspots ließen sich nicht anklicken.

Am schlimmsten traf uns ein ganz spezieller Bug, der beinahe unser komplettes Spiel zerstörte: Wir durften plötzlich ein wichtiges Objekt nicht untersuchen, weshalb es nicht weiterging. Weil das Spiel automatisch speichert und keine Option zum Laden eines älteren Standes zulässt, hätten wir beinahe komplett von vorne anfangen müssen. Doch zum Glück fanden wir den Ordner mit den Speicherständen und konnten dort per Hand einen älteren herauspicken. Wir hoffen jedenfalls inständig, das solche Fehler schleunigst per Patch korrigiert werden.

Blacksad: Under the Skin - gamescom 2018 Teaser Trailer
Die Pendulo Studios haben mit Blacksad: Under the Skin nun ihr neuestes Adventure vorgestellt.

Hinweis: Die Konsolenversion, die online bereits seit einigen Tagen verfügbar und spielbar ist, wurde versehentlich im Store veröffentlicht. Offizieller Release ist eigentlich erst heute, am 14. November, an dem auch ein großer Patch die gröbsten Fehler beheben soll (konnten wir nicht selbst nachprüfen). Wir empfehlen dringend, auf diesen Day-1-Patch zu warten, bevor ihr anfangt zu spielen.

Spielt die Technik hingegen mit, dann gibt es auch an dieser nichts zu meckern. Die Grafik ist solide bis hübsch, die Musik passend und die deutsche Sprachausgabe größtenteils gelungen. Nur wenn es arg dramatisch wird, klingen die Sprecher mitunter überfordert und laienhaft (Stichwort „Verbrennen“).

Nachtrag: Zum Release-Tag haben Microids und Pendulo Studios in letzter
Minute einen Patch nachgeschoben. Die gute Nachricht: Ein paar der in unserem Test angesprochenen Probleme wie die aussetzende Sprachausgabe werden damit behoben. Die schlechte: Dafür kommen aber neue hinzu, darunter auch ein gravierender Plotstopper-Bug, wegen dem es kurz vor dem Finale bei uns nicht mehr weiterging. Wir empfehlen daher, mit dem Spielen noch zu warten, bis die Probleme behoben sind.

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Blacksad: Under the Skin
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