Preview - Endzone: A World Apart : Anno in der Post-Apokalypse

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Apocalypse Now. Mal wieder. Diesmal haben Ökoterroristen in sämtlichen Kernkraftwerken der Welt für eine Kernschmelze gesorgt. Nach jahrelanger radioaktiver Verstrahlung kehren die letzten überlebenden Menschen aus ihren Schutzbunkern zurück an die Erdoberfläche und beginnen mit der Neubesiedelung des Planeten. Doch dies erweist sich als nahezu aussichtsloses Unterfangen. Denn bei Enzone: A World Apart handelt es sich um ein Hardcore-Aufbauspiel in der Tradition von Frostpunk oder dem Indie-Hit Banished, indem es am Ende keine Sieger, sondern nur Verlierer geben kann …

Auf den ersten Blick handelt sich bei Endzone: A World Apart um ein typisches Aufbauspiel, wie man sie seit Die Siedler und Anno vor allem auch von deutschen Entwicklerstudios kennt. Die Entwickler von Gentlymad Studios sitzen im selben Büro wie ihr Publisher Assemble im Zentrum der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden und zeichneten zuvor für die ebenfalls urdeutsche Wirtschaftssimulation Pizza Connection 3 verantwortlich.

Anno Fallout

Wie im Genre üblich beginnt ihr damit, grundlegende Warenkreisläufe anzulegen. Wasserträger schöpfen Wasser aus dem nahen See und transportieren es ins Silo, Bauern bestellen die Felder für Nahrungsmittel, und Hütten sorgen für die nötige Privatsphäre, damit eure Überlebenden in Ruhe für den Nachwuchs schnaxeln können.

Im Gegensatz zum niedlichen Look der Blue-Byte-Siedler und der historisch korrekten Detailfülle von Anno bedient sich Endzone: A World Apart am Rost-und-Schrott-Stil, wie er Apokalypse-Settings seit Mad Max und Fallout prägt. Die Gebäude wirken allesamt notdürftig aus verbeultem Blech und improvisatorisch zweckentfremdeten Alltagsgegenständen zusammengezimmert.

Allmählich gedeiht unsere Siedlung. Schon bald sorgt ein Jäger in Form von Fleisch für mehr Abwechslung auf dem Speisezettel, ein Schrotthändler plündert die Autowracks in der Umgebung für neue Rohstoffe, und in der Kneipe saufen sich meine Einwohner nach Feierabend ihr jämmerliches Leben schön. Auf den ersten Blick läuft alles wie erwartet, doch dann …

Ihr werdet alle sterben

Doch dann schlägt Endzone zu. Mit der gesamten Härte dieser lebensfeindlichen apokalyptischen Welt und des relativ neuen Genres der Hardcore-Aufbauspiele. Eine Dürre lässt den kompletten See für ein ganzes Jahr lang austrocknen. Schon nach kürzester Zeit verdursten die ersten Bewohner, und das Getreide auf den Feldern verdorrt. Wen die Hitze nicht dahinrafft, der fällt der anschließenden Hungersnot zum Opfer. Nur die Hälfte meines Volkes ist noch am Leben, bis der Regen endlich wieder einsetzt.

Doch der Regen in der Postapokalypse von Endzone ist kein gewöhnlicher Regen. Er ist radioaktiv verseucht. Die Folge: Meine Felder werden kontaminiert – und damit auch die Nahrungsmittel, die sie hervorbringen. Die ersten Siedler werden krank und damit unfruchtbar. Jetzt schnell ein Krankenhaus bauen, um sie zu versorgen, neue Häuser errichten, damit wenigstens die wenigen Gesundgebliebenen für Nachwuchs sorgen und mein Volk nicht völlig ausstirbt, den Boden umgraben, damit die Radioaktivität in der Erde versickert.

Doch da kündigt die Wettervorhersage schon die nächste Dürre an. Diesmal will ich darauf vorbereitet sein, teile so viele Siedler wie möglich als Wasserträger ein, um genug Vorräte für die lange Durststrecke anzulegen, beauftrage einen Schneider mit der Anfertigung von Schutzkleidung gegen den radioaktiven Niederschlag, lege einen Friedhof an, damit sich die Leichen nicht länger in den Straßen türmen und für Depressionen sorgen.

Mit der Zeit kriege ich den Bogen raus. Endzone ist kein Spiel wie Anno, indem die eigene Infrastruktur ständig wächst und gedeiht, bis sie sich irgendwann über die gesamte Karte erstreckt. Endzone ist ein ständiges Gehen auf dem Zahnfleisch, in dem sich jeder Fehler langfristig als tödlich erweisen kann. Das frühe Massensterben während der ersten Dürre offenbart sich schließlich als solcher: Da meine Bevölkerung irgendwann überaltert ist, werden weniger Kinder geboren, die verstorbene Arbeiter eines Tages ersetzen könnten. Als ich den Heiler notgedrungen entlassen und zum Bauern umschulen muss, bricht eine Krankheit im Lager aus. Ein Sandsturm sorgt endgültig dafür, dass sich radioaktiver Staub über meine Siedlung legt, der zu einem langsamen Dahinsiechen führt.

Der letzte Mensch auf Erden

42 Jahre gelingt es mir, das Aussterben der Menschheit hinauszuzögern, bis auch der letzte Mensch auf Erden das Zeitliche segnet. Oliver, so sein Name, erliegt mit 52 Jahren seinem Krebs. Zuvor hatte ich noch verzweifelt versucht, ihn mit der letzten Frau auf Erden, seiner Schwester Celine, zu verkuppeln, damit daraus ein Neuanfang erwachsen möge. Vergeblich. Dennoch zeigen sich die Entwickler hinter mir beeindruckt. 42 Jahre, so weit hätte es noch niemand im ersten Versuch geschafft.

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Denn in Endzone geht es nicht ums Gewinnen. Wie in Frostpunk oder dem Indie-Hit Banished geht es darum, die unvermeidliche Niederlage so lange wie möglich hinauszuzögern. Gewissermaßen Rogue-like als Aufbauspiel. Und genau wie im offenkundigen Vorbild Frostpunk, das ebenfalls ein Apokalypse-Setting aufspannt, stellt euch Endzone regelmäßig vor schwerwiegende moralische Entscheidungen, zum Beispiel: Schickt ihr euren Expeditionstrupp durch hochgradig verstrahltes Gebiet, damit er wertvolle Rohstoffe plündert, in dem Wissen, dass die meisten seiner Teilnehmer an den Folgen der Radioaktivität sterben werden?

Der Ablauf von Endzone: A World Apart wird nicht um eine Kampagne herum gestrickt sein, sondern in jeder Partie auf Basis von bestimmten Parametern berechnete Karten erzeugen. Dennoch soll das Spiel keine rein staubtrockene Angelegenheit werden. In den Überresten der alten Zivilisation, die ihr während der erwähnten Expeditionen erkundet, entdeckt ihr die Schnipsel einer Geschichte, die sich häppchenweise nach und nach zu einer Erzählung zusammensetzen lässt und von den Hintergründen der Apokalypse berichtet.

Endzone: A World Apart - Teaser Trailer
Assemble Entertainment hat heute Endzone: A World Apart, ein postapokalyptisches Survival-Aufbaustrategiespiel angekündigt.

Anfang 2020 startet Endzone in den Early Access; das fertige Spiel ist für Ende des gleichen Jahres angepeilt. Als die Entwickler merken, dass wir bei einem gewissen Stichwort die Nase rümpfen, gestehen sie, selbst keine Freunde von Early-Access-Phasen seien und eigentlich lieber das Spiel erst veröffentlichen würden, wenn es vollständig fertig ist. Doch man habe Lehren aus der Kritik und dem Feedback zu Pizza Connection 3 gezogen, das nicht das Spiel geworden sei, das sich die Fans gewünscht haben. Darum wolle man im Falle von Endzone die Community so früh wie möglich in die Entwicklung einbinden, um das Spiel genau nach ihren Wünschen fertigzustellen. Hut ab vor so viel ehrlicher Selbstkritik!

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