Special - Fallout 76 : Beta-Tagebuch: Tag 1 der Apokalypse

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Es fühlt sich gar nicht so lange her an, dass Bethesda auf der diesjährigen E3 Fallout 76 angekündigt hat. Und dann war es soweit: Um 1 Uhr früh an einem Mittwoch sitzen Unmengen Spieler - und ich - vor der Xbox One und warten darauf, dass die Beta-Server live gehen. Lange warten muss allerdings niemand, denn auch wenn Bethesda vorher auf Twitter angekündigt hatte, dass es jede Menge Bugs und “spectacular issues” geben werde, laufen zumindest die Server die ganze Nacht über stabil.

Erste Eindrücke aus der Beta - Vorschau zu Fallout 76
Unser Vince hat sich mitten in der Nacht vor die Konsole gesetzt und für euch Eindrücke aus der Beta zu Fallout 76 gesammelt.

Beta-Tagebuch: Tag #1

Nach einer kurzen Introsequenz darf ich endlich meinen eigenen Vault-Bewohner erstellen, der mich in Appalachia vertreten wird. Wie man es von einem Bethesda-Titel gewohnt ist, kann jeder noch so kleine Gesichtszug bearbeitet und angepasst werden. Am liebsten würde ich die komplette Beta damit verbringen, den perfekten Vault-76-Bewohner zu kreieren, aber ganz so lange auf die offene Welt warten möchte ich dann doch nicht. Also schnell noch ein paar grundlegende Items geschnappt und raus ins gleißende Tageslicht.

Draußen begrüßen mich zwei Dinge: ein trostloses Land, in dem die Natur menschliche Bauten langsam zurückerobert, und andere Spieler, die meinem Charakter Herzchen und Küsschen zuwerfen. Never change, liebe Online-Community, never change! Auch wenn die Welt mit Natur und Gegnern gut gefüllt ist, so wirkt sie durch die Reduzierung auf Dörfer und Bauernhöfe teilweise etwas langweilig. Das ist natürlich stückweit dem Setting der ländlichen amerikanischen Gegend geschuldet, dennoch wäre es spannend gewesen, auch eine kleinere Stadt im post-postapokalyptischen Verfall zu sehen.

Fallout 76 versucht in der offenen Weite seinen ganz eigenen Charme zu erzeugen, scheitert jedoch daran, dass Texturen bei näherer Betrachtung teilweise matschig wirken und auch die Framerate immer wieder fällt. Da sind sie also, die Probleme und Bugs, die Bethesda im Vorfeld angekündigt hatte.

Es dauert eine Weile, bis ich mich durch das vollgepackte HUD gefummelt habe, der Gruppe eines anderen Spielers beigetreten bin und wir bei Nacht gemeinsam den ersten Bauernhof von Verbrannten gereinigt haben. Hin und wieder ruckelt das Spiel stark, wenn es ins Gefecht geht, was gerade bei schnelleren Gegnern eine Qual sein kann, denn diese zu treffen wird so nicht leichter. Mit jedem erlegten Gegner füllt sich mein Waffenarsenal, da Feinde immer genau die Waffe fallen lassen, die sie vor ihrem Ableben benutzten.

Ehe ich mich versehe, befinden sich unzählige Revolver und Äxte in meinem Inventar, und ich versuche, mir über den PipBoy einen Überblick zu verschaffen. Besagtes Menü, ein kleiner Röhrencomputer samt Geigerzähler am Unterarm, hat Tradition bei Fallout. Leider ist es nicht clever, damit das Sichtfeld zu blockieren, wenn man das Spiel nicht pausieren kann. Glücklicherweise hat Bethesda vorgesorgt und eine zweite Möglichkeit der Ansicht eingebaut, bei der ich immer registriere, wenn Mutanten auf mich zukommen.

Etwas einfallslos zusammengeschusterte Quests begleiten mich durch meine vier Stunden in der Beta: Gehe zu Lager X, töte dort Y und sammle Z. Hin und wieder finden in der Welt offene Events statt, zu denen man rasch per Schnellreise gelangen kann. Dies kostet lediglich ein paar Kronkorken – auch die serienbekannte Währung ist wieder dabei.

Doch auch hier beschränken sich die Aufgaben in der Beta auf Altbekanntes, darunter eine Mission, in der ich einen Roboter eskortieren muss. Wenigstens das Gunplay fühlt sich gut an: Es macht einfach Laune, Gegnern die Munition ins Gesicht zu pusten und sie danach mit einer Eisenstange zu vermöbeln. Das fehlende V.A.T.S.-System, das dem Online-Aspekt zum Opfer gefallen ist, wird durch eine Zielhilfe ersetzt, die sich nur selten bemerkbar macht.

An der Einschätzung meiner Fähigkeiten kratzt jedoch das Spieler-gegen-Spieler-System. Sobald Stufe 5 erreicht ist, können andere Spielercharaktere angegriffen und getötet werden. Was sich in der Theorie nach epischen Schlachten mit einer Vielzahl von Waffen und Taktiken anhört, artet in der Praxis schnell dazu aus, dass man sich gegenseitig umkreist und derjenige gewinnt, der sich mehr heilende StimPaks spritzt.

Effektiver werden Verbrauchsgegenstände wie genannte StimPaks wie auch andere Aspekte durch das überarbeitete S.P.E.C.I.A.L.-System. Die einzelnen Buchstaben stehen hierbei für Strength, Perception, Endurance, Charme, Intelligence, Agility und Luck und bestimmen durch die jeweilige Punktzahl, wie gut man im entsprechenden Bereich ist. Beim Stufenaufstieg können Punkte auf diese Werte verteilt werden, die dann wiederum für Skillkarten ausgegeben werden. Jede Skillkarte bringt Effekte mit sich, wie beispielsweise verringertes Gewicht für Waffen oder schnelleres Sprinten. Auch wenn es Zufall ist, welche der Karten man erhält, lassen sich so schnell die eigenen Fähigkeiten nach Belieben anpassen.

Nachdem ich am örtlichen Flughafen eine Welle Verbrannter nach der anderen aus dem Weg geräumt und dort meine Questitems geholt habe, beschließe ich, mich in Appalachia häuslich niederzulassen. Das Basenbau-System aus Fallout 4 ist zurück und entpuppt sich erneut als echter Zeitfresser. Ich setze Böden, Decken sowie Wände, reiße sie wieder ab und stelle sie woanders wieder auf. Ein Generator soll meinem kleinen Haus Strom und damit Licht spenden, doch wo verlege ich die Kabel? Habe ich den Geschützturm auf dem Dach richtig gesetzt, um damit nahende Feinde ins Visier nehmen zu können? Welches der Poster hänge ich in meinem “Schlafzimmer” auf?

Bevor ich mich versehe, sind die Server wieder geschlossen und ich starre den Titelbildschirm an. Er starrt zurück. Hätte ich doch nur etwas mehr Zeit gehabt, um mein kleines Haus weiter auszubauen oder zumindest einmal bei Tag zu sehen. So viel kann ich nach vier Stunden Spielzeit aber schon sagen: Wer die Fallout-Reihe mag, wird Fallout 76 lieben! Auch wenn man aufgrund des Online-Status von Fallout 76 auf einige Funktionen verzichten muss, so kann man doch viel Zeit damit verbringen, die ländliche Welt von Appalachia zu erforschen, Gegner zu jagen, Ressourcen zu sammeln und dann hoffentlich irgendwann die Atombombe zu zünden.

Fortsetzung folgt ...

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