Test - Heroes of Might & Magic: Olden Era : Test: Rundenstrategie wie in den guten alten Zeiten
- PC
Heroes of Might and Magic: Olden Era ist eine Zeitreise in eine Ära, in der ich nachmittags statt Hausaufgaben lieber Quests in World of Warcraft oder andere Gangster in GTA: San Andreas erledigen wollte. Oder ich wollte mit einem Helden rundenweise über eine Oberweltkarte ziehen, Ressourcen sammeln, meine Stadt ausbauen und mit einer bunt zusammengewürfelten Armee Taktikschlachten schlagen.
Zugegeben, so richtig bin ich mit Heroes of Might and Magic erst mit Teil 5 eingestiegen, aber den habe ich geliebt. 20 Jahre später bin ich nun wieder total entzückt. Das Comeback der HoMM-Reihe ist zwar noch im Early Access und daher nicht fertig, das mindert die Freude aber nicht im Geringsten.
Fast elf Jahre ist es her, dass Ubisoft, dem die Marke seit Mitte der 2000er gehört, das letzte Heroes of Might and Magic veröffentlicht hat. So richtig gut kam Might & Magic: Heroes 7 (Ubisoft hatte sich schon beim Vorgänger für eine Namensumstellung entschieden) aber nicht an und so sollte es die Serie vorerst zu Grabe tragen - bis auf der Gamescom 2024 überraschenderweise Heroes of Might and Magic: Olden Era angekündigt wurde.
Verantwortlich dafür zeichnen Unfrozen, ein internationales Entwicklerteam mit Leuten aus Zypern, Spanien, Serbien, Usbekistan, Polen und Rumänien - und Hooded Horse. Der Publisher von Strategieperlen wie Old World, Against the Storm und Manor Lords ist einen Deal mit Ubisoft eingegangen, um Heroes of Might and Magic aus der Versenkung zu holen.
Heroes of Might and Magic, wie es sein soll!
Der Untertitel Olden Era deutet es ja schon an: Es geht darum, an die glorreichen Tage der ersten HoMM-Teile anzuknüpfen. Zu sagen, Spiele dieser Art hätte es in den letzten zehn Jahren nicht mehr gegeben, wäre gelogen, siehe Songs of Conquest, Age of Wonders: Planetfall etc. Aber sie haben sich zumindest sehr rar gemacht. Heroes of Might and Magic: Olden Era kommt da wie gelegen.
Hier erwartet euch der gleiche, suchterzeugende Gameplay-Loop, der in den 90ern und frühen 2000ern etliche Leute für viele, viele Stunden an ihre Röhrenmonitore gefesselt hat. Ihr lenkt Helden über eine Oberwelt, die ihr Runde für Runde aufdeckt. Dabei findet ihr Gold und andere Ressourcen, Produktionsstätten, die euch jede Ingame-Woche Nachschub bereitstellen, und Gebäude, die eurem Helden Attributboni oder neue Zauber gewähren. Außerdem stoßt ihr auf Feinde, seien es einzelne Truppenverbände oder gegnerische Helden mit ganzen Armeen, die ihr in rundenbasierten Gefechten auf separaten Schlachtfeldern bekämpft.
Eure eigenen Truppen rekrutiert ihr vornehmlich in eurer Stadt. Auch hier spielt sich alles in einem separaten Bildschirm ab. Ihr baut eure Heimat Schritt für Schritt aus. Neue Gebäude bedeuten, dass ihr neue Einheiten ausbilden könnt, mehr Gold generiert oder eurem Helden mächtigere Zauber beibringen könnt, die gerne mal in Kämpfen das Blatt zu euren Gunsten wenden.
Zugänglich, aber nicht ohne Tiefe
Die große Kunst von Heroes of Might and Magic: Olden Era ist ein Spielprinzip, das eigentlich sehr simpel und leicht zu verstehen ist: Ihr erweitert nach und nach eure Armee, levelt euren Helden auf, der nebenbei immer mehr Zauber erlernt, und vernichtet eure Feinde in den sehr übersichtlich gehaltenen Schlachten. Die Karten sind nicht immens groß und bei maximal sieben Einheitenverbänden, die ihr befehligen dürft und von denen jeder durch eine einzelne Figur auf dem Schlachtfeld repräsentiert wird, könnt ihr gar nicht den Überblick über eure Truppen verlieren.
Wer noch nie ein Heroes of Might and Magic gespielt hat, ist zwar gut beraten, das exzellente Tutorial zu spielen, doch die Kernmechaniken sind schnell verinnerlicht. Umso eher könnt ihr euch in die Details vertiefen und hierfür bietet Olden Era jede Menge Potenzial. So bietet etwa jede Fraktion gerade mal sieben Grundeinheitentypen, doch jeder davon lässt sich aufwerten und in eine von zwei Richtungen spezialisieren. Die eine ist dann etwa eher offensiv, die andere defensiv stärker, und sie verfügen über unterschiedliche Spezialfähigkeiten.
Ihr müsst entscheiden, ob ihr aus den Infiltratoren der Dungeon-Fraktion listige Kämpfer macht, die mehrere Gegner in einem Zug angreifen können, oder düstere Schurken, die sich unsichtbar machen. Gute Spiele leben davon, dass ihr immer wieder solch interessante Entscheidungen treffen müsst und in Heroes of Might and Magic: Olden Era macht ihr das am laufenden Band.
Was wollt ihr zuerst in eurer Stadt bauen? Wie stellt ihr eure Armee zusammen? Welche Zauber soll euer Held erlernen? Welche Skills wählt ihr bei Levelaufstiegen aus? Wo geht ihr auf der Oberwelt als erstes lang? Stellt ihr euch einem schweren Kampf, um an ein mächtiges Ausrüstungsstück zu gelangen, riskiert dabei aber herbe Truppenverluste?
Und dann sind da eben die Gefechte selbst. Elemente wie die Eigenschaften der verschiedenen Einheiten, Gegenangriffe (in den meisten Fällen schlägt eine Einheit direkt zurück, wenn sie das erste Mal innerhalb einer Runde im Nahkampf attackiert wird), vor Fernangriffen schützende Deckungen sowie Mana und Fokus als Ressourcen für den Einsatz von Zaubern eures Helden und Fähigkeiten eurer Einheiten regen euch in jedem Zug zum Taktieren an.
Wenn ein Feind einen mit Dornen gespickten Körper hat, sodass jede eurer Einheiten, die ihn im Nahkampf angreift, automatisch Schaden nimmt, überlegt ihr es euch zweimal, ob ihr diesen nicht lieber mit euren Fernkämpfern ausschalten wollt. Aber was ist, wenn letztere gerade bedrängt werden und deshalb keine Distanzangriffe ausführen können?
Die Scharmützel in Heroes of Might and Magic: Olden Era sind enorm spannend und auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad angenehm fordernd. Da ist es manchmal auch einfach richtig entspannend, völlig unterlegene Gegner zu vernichten, anstatt sie einfach fliehen zu lassen, um den Kampf zu umgehen.
Trotz Early Access wirkt es schon fast fertig ...
In puncto Gameplay wirkt Heroes of Might and Magic: Olden Era bereits sehr ausgereift und lässt keine Wünsche offen, trotz Early Access, der immerhin noch circa ein Jahr lang dauern soll. Und auch was den Inhalt angeht, macht das Spiel bis auf eine Ausnahme den Eindruck, als sei es bereits fertig. So sind schon alle sechs Fraktionen (Tempel, Nekropolis, Hain, Schwarm, Schisma, Dungeon) spielbar, jede von ihnen mit 18 eigenen Helden.
Und auch in Sachen Spielmodi lässt sich Unfrozen nicht lumpen: Es gibt den klassischen Modus, in dem ihr mehrere Helden steuern könnt, sowie die Variante, in der ihr nur einen einzelnen Recken habt, bei dessen Ableben das Spiel für euch endet. In beiden Fällen stehen euch 35 unterschiedliche Vorlagen für zufällig generierte Karten verschiedener Größen zur Verfügung - von überschaubaren Maps für zwei Spieler bis hin zu gigantisch großen für bis zu acht Parteien. Allein im Singleplayer könnt ihr damit schon Hunderte Stunden verbringen.
Der Multiplayer kommt noch obendrauf und umfasst nicht nur Online-Lobbys und eine Rangliste, Heroes of Might and Magic: Olden Era bringt auch den guten alten Hot-Seat-Modus zurück. Ihr könnt also zu acht an einem PC zocken - ganz wie vor 20+ Jahren. Wie großartig ist das bitte?!
Falls euch das alles noch nicht genug sein sollte: Wenn ihr einfach nur Lust auf schnelle Kämpfe habt, tobt ihr euch im Arena-Modus aus. Hier wählt ihr einen von drei zufällig ausgewürfelten Helden, legt seine Skills, Artefakte und Zaubersprüche fest, klickt euch schnell eine Armee zusammen und schmeißt euch dann direkt ins Gefecht. Des Weiteren bietet Olden Era acht vorgefertigte Szenarien mit abgeschlossenen Geschichten.
… wenn die Kampagne nicht wäre
Kommen wir zu dem Spielbaustein, dem man den Early Access am deutlichsten anmerkt: Die Kampagne bietet zum Launch nur einen Akt. Das mag nach wenig klingen, aber auch dieses erste Kapitel besteht schon aus einer ganzen Reihe an Missionen, mit denen ihr jeweils je nachdem, was für ein Spielertyp ihr seid, mehrere Stunden verbringen könnt. Zudem ist ein hoher Wiederspielwert gegeben, da die Kampagne nicht linear aufgebaut ist und ihr euch bei manchen Missionen zwischen unterschiedlichen Story-Pfaden entscheiden müsst.
Die Handlung, die vor dem allerersten Heroes of Might and Magic spielt, und sich um den Kampf der Völker des Kontinents Jadame gegen einen insektoiden Schwarm dreht, fängt nett an, weil hier interessante Mysterien aufgeworfen werden, ist aber nicht der Hauptanreiz. Der liegt in den händisch designten Karten, die abwechslungsreich gestaltet sind und auf denen sich Erkundung enorm auszahlt. Immer wieder stoßt ihr auf kleine Nebenaufgaben, die euch mitunter mit mächtigen Einheiten belohnen, die ihr selbst gar nicht ausbilden könnt.
Im Early-Access-Verlauf wird Unfrozen die Kampagne Stück für Stück um neue Akte erweitern, sodass euch voraussichtlich nächstes Jahr ein umfangreiches Story-Erlebnis erwartet. Zusätzlich sollen noch weitere Szenarien hinzukommen. Wenn Heroes of Might and Magic: Olden Era die Version 1.0 erreicht, wird es also nochmal ein bedeutend größeres Spiel sein, doch schon jetzt bekommt ihr für euer Geld echt eine Menge geboten.
Modern und doch klassisch
Auch visuell überzeugt das Spiel auf ganzer Linie. Unfrozen setzt auf einen 2,5D-Look: Umgebungen, Figuren, Objekte, alles ist dreidimensional, ihr könnt mit der Kamera aber lediglich zoomen und sie nicht frei drehen. Das und der Comiclook tragen dazu bei, dass Olden Era das Gefühl vermittelt, hier eine moderne visuelle Interpretation der alten 2D-Teile zu betrachten.
Dabei lebt das Spiel von den liebevoll gestalteten Animationen der Einheiten und den vielen kleinen Details auf den Oberweltkarten. Hier dreht eine Kuh, aus deren Rücken Fliegenpilze wachsen, ihre Runden, dort pickt ein Huhn im Boden nach Futter und aufsteigender Rauch aus den Schornsteinen der Häuser eines Dorfes vermittelt, dass es belebt ist.
Untermalt wird das Ganze von toller orchestraler Musik und allerlei Umgebungsgeräuschen wie verschiedenem Vogelgezwitscher oder dem Knarzen eines Holzkrans, der beim Abbau von Kristallen genutzt wird. In der Kampagne gibt es auch auf Englisch vertonte Dialoge, die von echt guten Sprechern vorgetragen werden. Allerdings betrifft das nur die Gespräche zwischen den Missionen. Während des eigentlichen Gameplays gibt es keine Sprachausgabe. Es wäre natürlich klasse, wenn sich das mit dem offiziellen Release noch ändern würde.
Greift zu, wenn...… ihr euch schon lange wieder ein Spiel nach Art von HoMM 3 gewünscht habt.
Spart es euch, wenn...… eine abgeschlossene Kampagne für euch ein Muss ist, um Geld für ein Spiel auszugeben.






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