Preview - Just Cause 4 : Keiner kann Chaos wie Rico

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Rico Rodriguez, die personifizierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Bauarbeiter, Architekten und Ingenieure, macht wieder das, was er am besten kann: zerstören. Eigentlich hat sich der ehemalige Superagent auf sein Altenteil zurückgezogen und den Wingsuit an den Nagel gehängt. Doch ein unerwarteter Besuch aus dem südamerikanischen Land Solís ändert seine Pläne. Denn dort hält nicht nur die gefürchtete Söldnerorganisation Schwarze Hand die Fäden in selbiger, es soll auch Hinweise auf die Vergangenheit von Ricos Vater geben. Schon kurz nach seiner Ankunft wird unser Held zur Führungsfigur des hiesigen Widerstands, der ab sofort einen Namen trägt: die Armee des Chaos.

Besagte Armee ist ein wichtiges Spielelement in Just Cause 4. Zwar werdet ihr die meiste Arbeit wie üblich alleine verrichten, aber Hauptquests, Nebenquests und weitere Aktivitäten schaltet ihr nur frei, wenn ihr die Front in ein bislang von der Schwarzen Hand kontrolliertes Gebiet verschiebt. Die dafür nötigen Ressourcen sind meistens mit der zentralen Mission der Provinz verknüpft.

Just Cause 4 - Extreme Weather Gameplay Spotlight Trailer
Das neue Gameplay-Spotlight macht euch mit den extremen Wetterbedingungen in Just Cause 4 vertraut.

In der Regel müsst ihr irgendwas hacken, stehlen, manipulieren oder sonst wie für Unruhe sorgen. Bis auf wenige Ausnahmen ist das Missionsdesign erstaunlich einfallslos, vor allem wenn man bedenkt, was für ausgefallene Gadgets Rico zur Verfügung stehen. Aber nein, stattdessen verteidigen wir halt zum x-ten Mal eine Satellitenschüssel oder eine wichtige Person gegen hereinbrechende Gegnerwellen ...

Schutt und Asche

Eine weitere Möglichkeit, Chaospunkte zum Vorrücken der Armee zu bekommen, ist, nun ja, Chaos zu veranstalten. Wenn Rico feindliche Fahrzeuge demoliert, füllt sich der Fortschrittsbalken. Das Gleiche gilt für Generatoren, Sendemasten, Treibstofftanks und vieles mehr, das in bester Just-Cause-Tradition wieder wenig subtil markiert wurde.

Es gibt mehr als genügend Gelegenheiten, den Explosionsfetisch zu befriedigen. Herkömmliche Schießeisen wie Maschinengewehre, Schrotflinten und Granatwerfer haben zwar ordentlich Bums und allesamt einen noch mächtigeren alternativen Feuermodus, so richtig Spaß macht die Zerstörungsorgie aber erst am Steuer eines Helikopters, Düsenjets oder Panzers, die ihr wieder kinderleicht kapern könnt.

Rico Düsentrieb

Die kreativsten Werkzeuge trägt Rico aber an seinem Körper. Früh im Spiel erhaltet ihr das Triumvirat aus Zugmotor, Luftheber und Schubraketen. Damit lassen sich durchaus sinnvolle Dinge anstellen: Schalter umlegen und störenden Schrott von der Straße räumen zum Beispiel. Vor allem aber könnt ihr euch mit diesen Helferlein ungeniert austoben, sie kombinieren und nach Herzenslust experimentieren. Schleudert Gegner in hohem Bogen davon, macht aus einem Treibstofftank ein fliegendes Projektil oder gebt der Bezeichnung „Luftschiff“ eine neue Bedeutung. Natürlich könnt ihr auch einfach eine Kuh an einen Ballon binden und sie wegfliegen lassen.

Bis ihr die besten Kombinationen gefunden habt, kann es eine Weile dauern, zumal ihr die Gadgets unterschiedlich konfigurieren und zusätzliche Mods freischalten könnt. Letztere machen das Ganze noch interessanter. Neben Parametern wie Höhe, Länge und Brenndauer könnt ihr beispielsweise die Luftheber so modifizieren, dass sie automatisch in Ricos Blickrichtung schweben. Das bedeutet, dass ihr fortan aus so ziemlich jedem Fahrzeug ein funktionales Fluggerät machen könnt. Ja, auch aus einem Panzer. Bis ihr sämtliche Mods erworben habt, werdet ihr euch aber gedulden müssen, denn dies funktioniert über spezifische Nebenmissionen, die ihr erst mal aufdecken müsst.

Alle reden übers Wetter

Die Spielwelt von Just Cause 4 ist erneut ziemlich gigantisch. Solís ist in vier Biome unterteilt: Im Uhrzeigersinn warten dichter Dschungel, saftiges Grasland und felsige Wüste auf euch. In der Mitte befindet sich die Bergregion mitsamt Projekt Illapa, einer opulenten Installation, die das Wetter kontrollieren kann und von mächtigen Geschütztürmen gesichert wird. Eben jene Wetterphänomene waren ein im Vorfeld groß angepriesenes neues Feature von Just Cause 4. Ihre eigentliche Rolle im Spiel ist aber nicht so dominant, wie man es vermutet hätte, und beschränkt sich im Grunde auf einige zentrale Storymissionen.

Je nach Klimazone gibt es andere Naturgewalten zu bestaunen. Im Regenwald gehen heftige Gewitter runter, während es in der Steppe zu Wirbelstürmen kommt. Um den Wetterereignissen auf die Schliche zu kommen, begibt sich Rico natürlich ins sprichwörtliche Auge des Orkans. Die Physikspielereien, schon immer eine Stärke der Apex-Engine, sind nett anzusehen. Ein Tornado, der alles in seinem Weg umpflügt und einsaugt, macht auch beim wiederholten Auftreten noch Spaß. Ich habe trotzdem den Eindruck, dass man diese Elemente noch besser ins Spiel hätte integrieren können.

Um die großen Distanzen auf der Insel zurückzulegen, könnt ihr bereits besuchte Orte per Schnellreise ansteuern. Oder ihr lasst euch ein Transportmittel per Luftpost liefern – sofern ihr es freigeschaltet habt. Die beste und authentischste Methode ist aber immer noch Ricos Kombination aus Wingsuit und Fallschirm. Kein Terrain, das ihr so nicht elegant durchqueren könnt. Es kann ein bisschen dauern, bis ihr das perfekte Timing heraushabt, dann fühlt man sich aber frei wie ein Vogel. Um Straßenfahrzeuge solltet ihr hingegen wenn möglich einen großen Bogen machen, denn Autos – und vor allem Motorräder – steuern sich so, als würde man eingeölt über eine Eisfläche rollen.

Masse statt Klasse?

Just Cause 4 hat durchaus seine hübschen Momente – vor allem die Explosionen sehen wieder fantastisch aus –, aber generell hat die Engine Staub angesetzt. Pop-ups und Kantenflimmern sind omnipräsent. Das setzt sich auch in den Zwischensequenzen fort, die zudem allenfalls durchschnittlich inszeniert und vertont sind. Ebenfalls nicht sonderlich beeindruckt bin ich von der KI der Gegner. Sie verhalten sich, sei es zu Fuß oder in einem Vehikel, kopflos und lassen sich bereitwillig abknallen.

Quasi zum Ausgleich wirft euch das Spiel Widersacher en masse entgegen. Oft machen ganze Scharen von Soldaten plus ein halbes Dutzend Helikopter Jagd auf euch. Das mag den Chaosfaktor erhöhen, frustriert aber auch, da strukturiertes Spielen so kaum möglich ist, zumal ihr in der ganzen Hektik selten feststellen könnt, von wo ihr gerade beschossen werdet. Besonders nervig sind die allgegenwärtigen Scharfschützen, die gefühlt eine Reichweite von mehreren Kilometern haben. Just Cause 4 erkauft sich sein Spektakel mit Gameplay, das oft hakelig, unübersichtlich und unfair ist. Immerhin sind die Rücksetzpunkte großzügig verteilt.

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