Test - Observation : Mindfuck im Weltall

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Mehr und mehr Spiele zielen auf das Erzählen einer cleveren sowie anspruchsvollen Geschichte ab. Dabei schielen die Entwickler gerne auf berühmte Buch- und Filmvorlagen, was auch für die Mannen von No Code gilt. Für ihr neuestes Werk Observation haben sie sich einen Klassiker der Kinogeschichte ausgesucht.

Houston, wir haben tausend Probleme

Es ist einer dieser Tage, in denen nichts so läuft wie geplant: Emma Fisher befindet sich auf der Observation-Raumstation, die 410 km über der Erde schwebt. Plötzlich kommt es zu einem Zwischenfall, wodurch weite Teile der Station ausfallen und Emma weder Kontakt zu den anderen Crewmitgliedern noch zur Erde herstellen kann. Sie schafft es allerdings, den Bordcomputer SAM zu reaktivieren. Mit seiner Hilfe versucht sie, die Ursache des Vorfalls und den Verbleib ihrer Kollegen zu ergründen. Dabei stößt sie auf Mächte, die jenseits ihrer Vorstellungskraft liegen.

Unsere Zusammenfassung ist bewusst wage gehalten, weil die Geschichte von Observation im weiteren Verlauf sehr mysteriöse Züge annimmt. Wohlgemerkt: Ihr übernehmt in diesem Spiel nicht die Rolle von Emma, sondern die der Künstlichen Intelligenz SAM! Emma gibt euch Anweisungen, wie etwa das Überprüfen von Alarmmeldungen, das Aufschließen elektronischer Luken oder das Aktivieren eines ausgefallenen Kühlnetzwerkes, die ihr natürlich mit bestem Gewissen absolviert.

Schnell wird euch klar, dass ihr mehr als ein seelenloser Computer seid und eine zentrale Rolle in der Geschichte einnehmt, die wir natürlich nicht verraten. Nur so viel: Gegen Ende müsst ihr Aufgaben absolvieren, die an das Treiben des berühmt-berüchtigten Computers HAL aus 2001 – Odyssee im Weltraum erinnern.

Auch darüber hinaus strahlt das Spiel ein interessante Atmosphäre aus, die sich sehr an Stanley Kubricks Filmklassiker orientiert. Stellt euch deshalb darauf ein, nicht auf jede Frage eine Antwort zu bekommen.

Learning by doing

Observation bietet freilich mehr als bloß eine interaktive Geschichte, es ist obendrein ein reinrassiges Puzzle-Adventure-Spiel. Das Rätseldesign fällt überraschend gelungen aus und steckt voller leicht verdaulicher Problemstellungen. Ihr erhaltet meist sehr klare Anweisungen und verständliche Hinweise, wie ihr vorgehen sollt. Gleichzeitig müsst ihr ein paar Kleinigkeiten selbst herausfinden und mit einer gesunden Portion Trial & Error diverse Mechanismen erlernen.

Die meiste Zeit seid ihr mit dem Auffinden von wichtigen Dokumenten oder Anleitungen beschäftigt, ohne die ihr einzelne Funktionen der Station nicht bedienen könnt. Beispielsweise benötigt ihr für das Aufschließen einer Luke einen korrekten Schaltplan, der entweder auf einem Laptop gespeichert oder altmodisch auf ein Stück Papier gekritzelt ist.

Leider kommt es bei dieser Art von Rätseln schnell mal vor, dass man eine ganze Weile auf dem Schlauch steht, weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, weswegen wir zum Durchspielen von Observation gut eine Stunde mehr benötigten als eigentlich nötig – was bei einer Gesamtdauer von knapp sechs Stunden ein recht großer Anteil ist.

Spieldesign contra Atmosphäre

Zudem kratzt das eine oder andere Rätsel ordentlich an der Stimmung. So werdet ihr mit Ereignissen konfrontiert, die im realen Leben außergewöhnlich viel Druck und Spannung erzeugen würden. In Observation hingegen könnt ihr euch beliebig Zeit lassen und massig Fehlversuche in Kauf nehmen, ohne dass es negative Konsequenzen hat.

Observation - Launch Trailer
Ab heute ist der KI-Thriller Observation für PC und PS4 erhältlich.

Das Gameplay erschwert zudem die Immersion, weil wir uns zu keinem Zeitpunkt wie ein Computer fühlen, der Befehle ausführt. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Entwickler No Code hätte komplett auf das Rätseldesign verzichtet und dafür einen rein narrativen Walking-Simulator abgeliefert, der sich voll und ganz auf die Atmosphäre konzentriert.

Fescher Sound

Durch die Bank weg gelungen ist die Präsentation, egal ob es die beklemmende, dunkel gehaltene Grafik, die sehr gute englische Sprachausgabe oder die fantastische Soundkulisse betrifft: In der Hinsicht beweist No Code eindrucksvoll, dass es für ein professionell aussehendes Spiel kein Triple-A-Budget braucht.

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