Test - Pokémon UltraSonne / UltraMond : Ultragut oder alter Hut?

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Die Krux des Zeitpunkts

Hier fällt das zweite negative Überbleibsel aus Sonne und Mond ins Auge: die Framerate-Einbrüche während der Kamerafahrten in Herrscher- und Doppelkämpfen. Darunter fallen auch der Dome Royale und Pokémon-Sucher. Allerdings fallen die Einbrüche eine Spur schwächer auf als früher. Nach und nach lassen sich UltraSonne und UltraMond eine nuanciertere Handlung entlocken, die ab der zweiten Spielhälfte an Fahrt gewinnt und die hohen Erwartungen an die Story viel besser erfüllt als in Sonne und Mond. Ab hier machen die Ultra-Editionen auch Kennern wieder richtig Spaß, aber genau das ist das Problem. Wer die Vorgänger kennt, wird viel zu lange hingehalten. Das ist weniger eine Krux der Erzählweise als des Veröffentlichungszeitpunkts.

Um fair zu bleiben: Viel mehr haben (bis auf Schwarz 2 und Weiß 2) auch die anderen Zusatzeditionen nicht anders gemacht. Früher folgte allerdings auf jede Edition erst zwei Jahre später eine Zusatzedition, ohne Ausnahme. Nicht so diesmal: Genau nach einem Jahr setzt uns Game Freak Alola wieder vor und genau dieser kurze Abstand wird einem eigentlich sehr guten Spiel zum Verhängnis. Zu gut ist vieles noch in Erinnerung und zu spät kommen die richtig spannenden neuen Handlungselemente und Pokémon. Klar, der 3DS wird 2018 abgesägt, die Switch erfreut sich größter Popularität und wird schon bald mit einem eigenen Pokémon-Spiel versorgt. Die Zeit drängte also.

Deshalb solltet ihr USUM trotzdem eine Chance geben

Das liest sich alles negativer, als es sollte. Ich muss erneut betonen, dass UltraSonne und UltraMond Pokémon-Spiele der Spitzenklasse sind, die wie die Veröffentlichungen des letzten Jahres ihre Schwächen haben, aber gerade durch ihren Mut zum Neuen brillieren. Einiges davon perfektionieren die diesjährigen Spiele sogar. Das fängt bei so banalen Dingen wie einem viel aufgeräumteren Interface (vor allem auf dem oberen Kampfbildschirm) an und hört bei einer sehr guten Auswahl an neuen alten Pokémon in der Wildnis, die die Artenvielfalt von Alola viel besser repräsentieren, noch lange nicht auf. Schon früh im Spiel bekommt ihr sehr brauchbare Gesellen wie Zorua, Larvitar oder eF-eM.

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Pokémon bleibt aber der Tradition der Zusatzeditionen treu und führt bis auf eine Handvoll Ultrabestien keine komplett neuen Pokémon ein. Als kleiner Happen bis zur nächsten Generation reicht mir das aber. Nun zu den Veränderungen, die mich ungemein freuen: Nach wie vor sind die neuen Pokémon-Spiele für Einsteiger und Profis zu schaffen. Vereinzelt geht es aber um eine Stufe anspruchsvoller zu, weil es nun auch herkömmliche Gegner gibt, die Items wie Tränke einsetzen. Das war bislang nur besonderen Trainern wie den früheren Arenaleitern oder Hauptcharakteren vorbehalten.

Was in Sonne und Mond nur ein Ansatz war, schlägt in den neuen Titeln die richtige Bahn ein: bessere Nebenquests. Während ihr in Sonne und Mond vielleicht mal ein paar Gufas zurück ins Meer geworfen oder alle Trainer auf einer Route besiegt habt, gibt es in UltraSonne und UltraMond Nebenmissionen, die ihre eigene kleine Geschichte erzählen und an völlig neue Orte führen. Beispielsweise müsst ihr den hinterlassenen Pokéball eines Unbekannten mitnehmen und erfahrt eine recht traurige Geschichte auf der Suche nach dem Besitzer. Oder ihr sucht nach Menschen, die ihr als Ditto entlarven müsst. Hier wurde deutlich mehr Vielfalt reingebracht.

Darüber hinaus laden diesmal Herrscher-Sticker, die überall in Alola verteilt sind, zur Erkundung der Region ein. Sie ersetzen damit die Zygarde-Zellen und ermöglichen es euch, Pokémon von Heinrich Eich zu erhalten, die so groß wie Herrscher-Pokémon sind. Leider könnt ihr euch nicht aussuchen, welches Taschenmonster von dem Wachstum profitieren soll, aber wenigstens ruckelt das Bild nicht, wenn ihr eines davon im Kampf einsetzt.

Für mich ist aber das Mantax-Surfen das Highlight. Einfach, weil es so gut ins Konzept der Tropeninseln passt. Ihr reist von Insel zu Insel, wodurch der ehemalige Eindruck der begrenzten, voneinander unabhängigen Eilande geschickt mit einem neuen Spielelement aufgebrochen wurde. Endlich fühlt sich Alola wie die zusammenhängende Region an, die sie sein soll. Durch simple Tricks könnt ihr auf dem Weg hohe Kombos erzielen und euch Gischtpunkte verdienen, was in dem Fall nur eine andere Bezeichnung für Gewinnpunkte ist. Das Mantax-Surfen erweitert das Spiel also nebenbei noch um eine ganz andere Methode, wichtige Items für das kompetitive Spiel zu erhalten.

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