Test - Resident Evil Remake, Zero & 4 : Auf der Switch noch immer grandios?

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Dabei klingt die Modernisierung auf dem Papier spitze: ausrichten und geradeaus laufen, ausrichten und geradeaus laufen. Das war wirklich gewöhnungsbedürftig, warum also nicht direkt in die gewünschte Richtung rennen? Ganz einfach: Weil die Kamera bekanntlich in jedem Raum an starren Positionen verharrt und nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung sieht. Das Ergebnis: Laufe ich in einem abknickenden Flur von einer Kamera weg um die Ecke und wechsle zu einer Kamera, auf die ich zulaufe, bewege ich mich unter Umständen wieder genau in die entgegengesetzte Richtung zurück in den letzten Bereich. Bei knapper Gesundheit kann das den Tod bedeuten. Geht gar nicht.

Beide Spiele versuchen diesen Effekt mit einer Verzögerung abzumildern, die den Perspektivenwechsel für einen Augenblick ausgleicht. Meiner Meinung nach ändert das aber nur wenig am Grundproblem. Darüber hinaus ist mit der modernen Steuerung ein nützliches Bewegungsmuster nicht mehr möglich: Gegner anvisieren, schießen, Schritt zurück, wiederholen. Mir ging der sicher gut gemeinte Mechanismus bereits nach wenigen Minuten so auf den Zeiger, dass ich nie wieder ein böses Wort über die Originalsteuerung verlieren werde, Ehrenwort!

Härtetest für die rosarote Brille

Gibt es irgendeine Plattform, auf die Resident Evil 4 noch nicht portiert wurde? Mal mit besserem (Wii), mal mit schlechterem Ergebnis (Smartphone). Nun ist die Switch dran. Wo ist diese Version einzuordnen? Teil 4 war für seine Zeit bahnbrechend und nahm für seine Nachfolger eine wegweisende Rolle ein, zum Guten wie zum Schlechten. Der 14-jährige Matze staunte nicht schlecht, wozu sein geliebter GameCube in der Lage war. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Zeit, in der ich mit Leon in Spaniens Version von Hintertupfingen aufgeräumt habe. Daher schmerzt es mich ein wenig zu sehen, dass ausgerechnet das modernste der drei Spiele das Alter nicht so schadlos überstanden hat wie Resident Evil Zero und das Remake.

Während die vorgerenderten Grafiken der beiden klassischen Teile gut gealtert sind und vom HD-Zeitalter profitiert haben, hebt die höhere Auflösung die Falten auf dem Gesicht des Spiels eher hervor. Die damals technisch bedingte Unschärfe trug für mich gut zur düsteren Atmosphäre im gräulichen Dauernieselregen des Dorfs Pueblo bei. In HD stechen Kanten und Ränder unschön hervor. Deswegen werde ich wohl auf dem konsoleneigenen Bildschirm weiterzocken. Seine geringere Auflösung lässt mich einfacher in Nostalgie schwelgen.

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Wirklich irritiert hat mich aber die Steuerung von Resident Evil 4. Wie viel dynamischer und direkter war es doch damals, Leon direkt über die Schulter schauen zu können. Wie sehr sich die Dinge weiterentwickelt haben, ist mir nach dieser langen Pause schlagartig ins Gesicht gesprungen. Stellenweise ertappte ich mich dabei, wie ich mich ernsthaft fragte, ob das damals wirklich auch schon so war: Wir sind es inzwischen gewohnt, mit einem Stick die Spielfigur zu manövrieren, während der rechte die Kamera steuert und zum Lenken beiträgt. Nix da: Die Kamera bleibt hinter oder neben Leon wie ein Handy am anderen Ende eines Selfiesticks.

Ständig drehe ich an der steifen Kamera herum, während ich eigentlich nur hektisch die Richtung ändern will. Da kommt auch schon die Kettensäge, Kopf ab! Einfach nur frustrierend. Leider sagt mir keine der alternativen Steuerungsoptionen zu. Wie schnell man sich doch an Neues gewöhnt.

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