Test - SolSeraph : Gar nicht so göttlich

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Es ist rund 25 Jahre her, dass ActRaiser in Europa für das SNES auf den Markt kam. Schnell konnte die gelungene Mischung aus Plattformer und Städtebau einen Kultstatus erreichen. Doch der Nachfolger schaffte es nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Genau das möchte nun das Studio ACE Team mit SolSeraph schaffen – ein ambitioniertes Ziel.

Wenn sich Spieler der älteren Generation über die Ära des Super Nintendo unterhalten, fällt nicht selten der Name ActRaiser. Bei diesem Spiel vom japanischen Entwickler Quintet handelte es sich um einen gelungenen Mix aus Action, Jump-'n'-Run und Städtebau, bei dem ständig zwischen den Elementen hin- und hergewechselt wurde.

Diese Mischung gepaart mit für die damalige Zeit hübschen Grafikeffekten und einem tollen Soundtrack des Komponisten Yuzo Koshiro waren die Aushängeschilder des Spiels. Ein Vierteljahrhundert danach versucht sich das chilenische Studio ACE Team daran, nicht nur die Erinnerungen der Fans an ActRaiser zu wecken, sondern das Spielprinzip gleichzeitig auch mit neuen Elementen zu ergänzen.

Göttlicher Perspektivenwechsel

Von der ersten Sekunde an wird klar, wie stark das neue Spiel vom Klassiker inspiriert ist. Das beginnt bereits mit der grundlegenden Story: Ihr schlüpft in die Rolle eines Gottes namens Helios, der verschiedenen Stämmen dabei helfen muss, sich riesiger Monsterhorden zu erwehren. Dieser Kampf gegen die Kreaturen läuft auf zwei verschiedenen Ebenen statt, die wiederum unterschiedlichen Genres zuzuordnen sind. Kenner des Originals wissen Bescheid und fühlen sich gleich wieder zuhause.

Bevor wir bezüglich des Gameplays ins Detail gehen, wollen wir noch ein Wort über die Story von SolSeraph verlieren. Die ist prinzipiell richtig gut und befasst sich unter anderem mit den verschiedenen Auffassungen von Religion und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Das nimmt fast schon philosophische Züge an und bringt euch hin und wieder ins Grübeln. Schade ist nur, dass der Großteil der Story vor sich hinplätschert und in eher lieblosen Textblöcken auf dem Bildschirm erscheint. Diesbezüglich haben die Entwickler von ACE Team definitiv einiges an Potenzial verschenkt.

Nun aber zum Spielgeschehen: Im Strategie-Part von SolSeraph agiert ihr als Helios, der über dem aktuellen Schauplatz schwebt – also einem Dorf mitsamt Umland. Von dort aus helft ihr den Bewohnern dabei, die Wellen von Monstern abzuwehren. Das geschieht in einer Mischung aus Aufbaustrategie und Tower Defense: Ihr unterstützt die Bevölkerung beim Bau von wichtigen Gebäuden wie Bauernhöfen und Kasernen, sorgt für die Erweiterung des Dorfes und greift mitunter direkt in das Kampfgeschehen ein. Ihr könnt sogar das Wetter in einem gewissen Rahmen manipulieren, um die Ereignisse nach euren Vorstellungen zu beeinflussen. Euer Ziel ist es in jedem Gebiet, bis zu den Behausungen der Monster vorzudringen und sie dort endgültig zu besiegen.

Action mit Hindernissen

Das ist dann übrigens auch der Zeitpunkt, bei dem ein Wechsel der Spielmechanik erfolgt. Denn sobald ihr eine der Höhlen betretet, verwandelt sich SolSeraph – wie es schon bei ActRaiser der Fall war - in einen 2,5-D-Plattformer. Helios tritt hier als Krieger auf, der sich springend und schwertschwingend durch fantasievoll inszenierte Levels kämpft. Dort bekommt er es mit allerhand Kreaturen zu tun, die in den meisten Fällen nach wenigen Treffern das Zeitliche segnen. Interessanter und herausfordernder wird es am Ende der jeweiligen Monsterhöhle, wenn es zum Bosskampf kommt. Der ist oftmals knifflig und stellt teilweise selbst Profis vor Probleme.

Das liegt jedoch nicht immer daran, dass es einer ausgeklügelten Taktik bedarf, um den Boss zu besiegen, sondern an einigen grundlegenden Problemen, mit denen SolSeraph zu kämpfen hat. Aufgrund der nicht immer gut abgestimmten Steuerung kommt es nämlich häufig vor, dass ihr beispielsweise einen Tick zu weit springt und darum mitten in einem Gegner landet. Mindestens ebenso ärgerlich ist es, ständig von Projektilen getroffen zu werden, die von außerhalb des Bildschirmbereichs auf euch zufliegen und somit spät oder gar nicht zu sehen sind. Hinzu kommen die nicht immer fair verteilten Kontrollpunkte, die euch nach dem Ableben manchmal sehr weit im Level zurückwerfen – das sorgt für Frust.

Die Grafik von SolSeraph ist ebenfalls kein Glanzpunkt. Sie stellt zwar eine offensichtliche Verneigung vor dem Original dar, doch einige Effekte wirken tatsächlich so, als stammten sie direkt vom Super Nintendo. Von einem aktuellen Spiel darf man mehr erwarten als teilweise pixelige Figuren mit unsauberen Animationen und holpriger Bildrate. Die musikalische Untermalung ist deutlich besser gelungen, auch wenn sie nicht ganz an die markanten Klänge des Originals heranreicht.

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