Test - Wolfenstein: Youngblood : Shooter, Koop, Rollenspiel

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Es ist einiges neu in Wolfenstein: Youngblood. Zum einen setzt Entwickler MachineGames konsequent auf den Koop-Modus. Zum anderen sorgten die Arkane Studios dafür, dass die Shooter-Action eine Portion mehr Größe und Freiheit spendiert bekommt. Aber geht das veränderte Konzept auf?

Wir schreiben das Jahr 1980. Der Kampf von William Joseph Blazkowicz gegen die Nazis hat Wirkung gezeigt. Die Welt ist vom braunen Schmutz befreit. Wirklich die ganze Welt? Nein, in Neu-Paris halten die uniformierten Unmenschen noch immer die faschistischen Fäden in der Hand. Doch das bleibt nicht so, denn inzwischen weiß man ganz genau: Wo Nazis sind, ist ein Blazkowicz nicht weit.

Das stimmt auch bei Wolfenstein: Youngblood, und diesmal sogar doppelt. Denn mit Jess und Soph nehmen die Zwillingstöchter von B.J. die Knarren in die jungen Hände. Und das nicht ohne Grund, denn ihr Papa ist verschwunden. Natürlich wollen seine Mädels ihn finden. Eine heiße Spur führt nach Neu-Paris, wo sich beide in den französischen Widerstand einklinken und deren Unterschlupf fortan als Basis nutzen, um von dort aus auf Rettungsmission zu gehen.

Gemeinsam stark

Wolfenstein: Youngblood ist von vorne bis hinten ein Koop-Shooter. Jess und Soph sind immer zusammen unterwegs, unabhängig davon, ob ihr mit einem menschlichen Partner oder der CPU ein Team bildet. So brecht ihr aus dem unterirdischen Hauptquartier des Widerstands via Metro in die vier Bezirke der Stadt auf. Diese fallen weitläufiger aus als die Areale in den anderen neuen Wolfenstein-Titeln. Dafür zeichnen die Dishonored-Macher Arkane Studios verantwortlich, dagegen stammt der Shooter-Teil erneut von MachineGames.

Viele kleine Gassen, begehbare Häuser, offene Fenster und Abgänge in die Kanalisation sorgen für mehr Bewegungsspielraum und Dynamik. Überall stellen sich euch einfache Einheiten, Kommandanten, schwer bewaffnete Dieselsoldaten und feuerspeiende Panzerhunde in den Weg. Mit Sturmgewehr, Schrotflinte, Doppel-MP und Lasergewehr wird geballert, bis die Stahlhelme schmelzen.

Die Gefechte können sich ziehen, weil ihr es immer mit mehreren Feinden auf einmal zu tun bekommt, von denen einige noch dazu unverschämt viele Kugeln schlucken. Jess und Soph nutzen den zusätzlichen Platz zum Ausweichen und Flankieren, um beispielsweise Schwachstellen größerer Gegner gezielt beschießen und sie auf diese Weise schneller erledigen zu können. Außerdem geben sich die Schwestern mit verschiedenen Gesten beispielsweise einen kleinen Rüstungs- oder Gesundheitsschub, der in schwierigen Phasen sehr hilfreich sein kann.

Freiheit für Paris

Anders als die vorherigen Serienteile verzichtet Wolfenstein: Youngblood auf einen linearen Ablauf mit der Story als treibendem Faktor. Stattdessen entscheidet ihr, welche Haupt- oder Nebenmission als nächstes gespielt werden soll. Letztere holt ihr euch bei den Mitgliedern des Widerstandes ab, danach folgt ihr der Markierung zum Zielort. Damit einher geht ein leichter Rollenspieleinschlag: Absolvierte Aufgaben bringen Erfahrungs- und Fertigkeitenpunkte ein, mit denen beide Schwestern zunehmend stärker werden. Zugleich erhaltet ihr Silbermünzen, um damit eure Waffen zu verbessern.

Jedoch krankt das gesamte System der Charakterentwicklung und Waffenverbesserung daran, dass die Gegner ebenfalls stärker werden. Statt im späteren Spielverlauf mit zwei hochgezüchteten Super-Schwestern die Nazis richtig auseinandernehmen zu können, müsst ihr euch jedes Mal aufs Neue mühsam den Weg frei schießen – das Kräfteverhältnis zwischen Schwestern und Gegnern bleibt trotz ständig neuer Fähigkeiten und getunter Waffen gleich.

Entsprechend umsichtig solltet ihr vorgehen, denn im Kugelhagel haut es Jess und Soph rasch aus ihren Motorrüstungen. Gegenseitiges Aufhelfen ist Pflicht, denn die drei verfügbaren Leben werden geteilt. Sobald keins mehr übrig ist, startet ihr am letzten Checkpoint neu, der gerne mal ein ganzes Stück zurückliegt. Grundsätzlich kommt ihr mit der KI-gesteuerten Partnerin gut voran. Sie schießt selbstständig auf Feinde und läuft auf kürzestem Weg zu euch, wenn ihr am Boden seid.

Gemeinsam auf Nazi-Jagd - Koop-Zocksession zu Wolfenstein: Youngblood
Felix und Vincent stellen sich der Nazi-Übermacht und zocken im Koop das neue Wolfenstein: Youngblood.

Abgesehen davon sind ihre Fähigkeiten jedoch sehr begrenzt. Spielt Wolfenstein: Youngblood darum nach Möglichkeit zusammen mit einer Freundin oder einem Freund, denn auf diese Weise könnt ihr euch absprechen und flexibler vorgehen, was den Spaß an der Ballerei deutlich erhöht. Einen Splitscreen-Modus gibt es nicht, somit könnt ihr euch nur online verbünden. Dafür benötigt ihr außerdem zwingend ein Bethesda-Konto, dass immerhin schnell angelegt ist.

Trotz größerer Bereiche und mehr Missionen habt ihr bereits nach wenigen Stunden das Gefühl, alles schon zweimal gesehen zu haben. Insbesondere die Hauptmissionen wirken sehr uninspiriert und laufen nahezu identisch ab. Zudem ballert ihr die immer gleichen Nazischergen über den Haufen. Wenige Zwischensequenzen erzählen den sehr dünnen Plot, der bis auf eine Wendung keine Höhepunkte bietet und so langweilig endet, wie er angefangen hat.

Licht und Schatten gibt es auch bei den Nebenmissionen. Einige führen an neue Orte oder sind mehrteilig aufgebaut: So legt ihr eine Fabrik für Panzerhunde lahm und sammelt Elektroteile, um eine großen Laserkanone wieder in Betrieb zu nehmen – das ist launig und kurzweilig. Andere wiederum fallen kurz aus und schicken euch einfach zurück an bekannte Plätze.

Nazis oder Regime?

Grafisch und akustisch wird das Niveau der Vorgänger gehalten. Neu-Paris strahlt eine bizarre, eigene Atmosphäre aus. Die Spuren des Regimes sind überall zu sehen und zu lesen, besonders die bekannten Werbetafeln und Poster mit Nazi-Versionen zeitgenössischer Produkte, beispielsweise Audiokassette und Mikrowelle, werden witzig präsentiert.

Schüsse und Explosionen brettern satt aus den Boxen, dazu ertönt jede Menge Soldatengeschrei. Nervig dagegen sind die sich ständig wiederholenden, aufgesetzt coolen Sprüche der Schwestern. An einigen Stellen setzte der Sound für einige Sekunden aus oder war nur zerstückelt hörbar.

Auf der PS4 Pro kann eine dynamische Auflösung ein- oder ausgeschaltet werden. Aktiviert ihr diese, läuft das Spiel mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Schaltet ihr sie aus, fallen regelmäßige kleine Ruckler auf, besonders bei schnellen Kamerabewegungen. Weil diese im rasanten Spielablauf an der Tagesordnung sind, solltet ihr auf die bessere Bildrate setzen.

Zum Test lag uns die deutsche PS4-Version des Spiels vor. Diese verzichtet auf einschlägige Symbole und macht aus den Nazis erneut das Regime. Erstmals ist in Deutschland aber auch die internationale Version mit englischer Sprachausgabe erhältlich, die ohne inhaltliche Veränderungen auskommt.

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