Test - Evil Dead: Hail to the King : Evil Dead: Hail to the King

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Seit dem Erfolg von ‚Resident Evil' hat beinahe jeder Publisher hat ein Horror-Adventure im Programm, da möchte THQ natürlich nicht hinten anstehen und bringt mit ‚Evil Dead: Hail to the King' ein eben solches heraus. Ihr schlüpft in die Rolle von Ash, Kettensägen schwingender Haushaltswarenverkäufer und unfreiwilliger Bezwinger des Bösen und kämpft, wie nun mal üblich, beim Kampf gegen untote Skelett -und Zombiehorden um nichts geringeres als das Wohl der Menschheit. Grundlage für das Spiel war die 'Evil Dead'-Horrorfilmtrilogie.

Doch der Reihe nach: Ash, seines Zeichens friedliebender Haushaltswarenverkäufer wird eines Tages in einer Waldhütte Zeuge wie ein Professor das 'Necronomicum ex Mortis', das Buch der Toten übersetzt. Daraufhin dringt das Böse in den Wald und Ash's Hand ein (woraufhin er sie sich selbst 'tranchiert'), tötet den Professor und saugt Ash per Zeitstrudel ins 12. Jahrhundert. Dort muss er sich gegen Landeier und Untote, gegen die 'Army of Darkness', zu Wehr setzen (so hiess auch der erste Film der 'Evil Dead' Trilogie hierzulande). Welche von beiden schlimmer waren, weiß Ash bis heute noch nicht.

Evil Dead: Hail to the King
Dieser Herr war wohl schon einmal Kunde bei Ash.

Nach seiner Rückkehr hätte alles so schön sein können, doch es kommt wie es kommen muss, das Böse ist noch nicht besiegt, kidnappt und tötet Ash's Freundin Annie. Vor Wut schäumend räumt er abermals mit den Untoten auf. Das Spiel setzt zeitlich einige Monate später ein.
Ash plagen Alpträume in denen er immer wieder die Hütte im Wald sieht. Seine neue Freundin Jenny rät ihm dazu, zu der Hütte zu fahren und sich den Alpträumen zu stellen, was sich allerdings als schlechte Idee entpuppt. Kaum dort angekommen wird seine Freundin gekidnappt, das ist zuviel für Ash. Dieses mal sollen die Untoten für alle Zeiten verbannt werden, flugs die Kettensäge an den Armstumpf montiert, in die andere Hand die Axt und los geht das Monstermetzeln.

Evil Dead: Hail to the King
Addams Families eiskaltes Händchen geht fremd? Mitnichten... (Ashs Hand).

Euer alter Ego bewegt sich fortan vor düster gruseligen, vorgerenderten Hintergründen, ganz genauso wie in 'Resident Evil' oder der 'Blairwitch'-Trilogie. Zum Glück sind diese nicht völlig starr, fast ständig bewegt sich etwas, seien es nun Äste die sich im Wind wiegen oder Feuer das unheilvoll knisternd auflodert. Die Qualität der Hintergründe schwankt allerdings von sehr detailreich bis zu völlig verschwommen, wobei leider letzteres gerade in den Außenszenarien deutlich überwiegt. Ash und andere Figuren leiden an Detailarmut. Die nur aus wenigen Polygonen bestehenden Figuren sorgen dafür das man sich beinahe an selige Playstation 1 Zeiten erinnert fühlt. Auch die einzig mögliche Auflösung von nur 640x480 trägt ihren Teil dazu bei. Die Effekte können ihre Konsolenherkunft kaum verleugnen, Regen sieht aus als würden dicke, blaue Kreise auf den Boden gemalt (das soll doch Regen sein oder?) werden, der Schatten von Ash ist ein grober Klumpen, der zwar perspektivisch korrekt dargestellt wird, dafür aber potthässlich ist. Einzig die schön ausgeleuchteten Innenräume erinnern an die Möglichkeiten moderner PC-Hardware. Leider fehlen auch sämtliche Optionen, die Effekte ein bisschen aufzufrischen oder den Leistungsfähigkeiten der Hardware anzupassen. Das Spiel fing zumindest auf dem Testrechner zeitweilig an zu ruckeln.

Das trägt sicherlich nicht gerade zur Atmosphäre bei. Die automatische Kamera verändert immer dann den Blickwinkel, wenn ihr euch an den Rand des Screens bewegt. Das klappt leider nicht immer gut. Oft verschwinden Gegner am Rande des Screens, die euch zwar treffen, von euch dafür aber nicht gesehen werden können.

Evil Dead: Hail to the King
Bei Hempels unterm Sofa ist es aufgeräumter (Ash in der Hellbilly Hütte).

Ärgerlich, wenn man bedenkt, dass auch das Speichersystem von 'Resident Evil' kopiert wurde, sprich: gespeichert werden darf nur, wenn man eine der wirklich rar gesäten Filmrollen findet, die meist nach Boss-Gegnern als Belohnung winken. Danach müsst ihr auch noch umständlich eine Truhe aufsuchen, in der ihr Inventargegenstände lassen könnt, aber eben auch speichert. Hinzu kommt noch, dass die Gegner zufällig wieder auftauchen, auch in Gebieten die schon 'gesäubert' wurden.

Wer jetzt hofft, wenigstens auf vielfältige, intelligente Gegner zu stoßen, wird enttäuscht. Gerade einmal drei unterschiedliche Standard-Gegner werden geboten, Skelette, Deadites (schlicht: Zombies) und fliegende Schädel. Diese stellen sich im Kampf jedoch als harte Nuss heraus. Es tauchen meist mehrere von ihnen gleichzeitig auf, so dass Ash kaum mehr die Zeit hat, die Kettensäge (die beste Waffe gegen Untote) losknattern zu lassen. Das überspielt gekonnt den Mangel an KI, bleiben die Gegner doch manchmal an Ecken hängen oder fliegen gegen Wände. Ash spart Munition wenn er einfach an Ihnen vorbeiläuft, sie verfolgen ihn nicht über Screengrenzen hinaus. Die Endgegner, die stets besondere Gegenstände hinterlassen, sind jedoch sehr phantasievoll designt, geradezu ekelig und damit hervorragend geeignet für ein Spiel dieser Art. Kaum einer der Bosse ist ohne besondere Strategie zu besiegen, eigentlich ein Pluspunkt, dank des Speichersystems allerdings ein eher lästiges Unterfangen.

Geisterjäger Ash übernimmt für euch zum Glück das Zielen, ohne dies wäre das Spiel wohl nicht zu schaffen gewesen. Die völlig vermurkste, da unpräzise Maus/Tastatur-Steuerung tut ihr Übriges um das Unternehmen schon frühzeitig in Frust ausarten zu lassen. Zumindest kann man sie selbst weitgehend konfigurieren.

Evil Dead: Hail to the King
Heute schon gegessen? Eine der ekligeren Szenen.

Soundtechnisch kommt das Spiel auch eher bieder daher, an einigen Stellen, meist völlig unpassend, ertönt dramatische orchestrale Musik, die sich allerdings hören lassen kann. Das Knattern der Kettensäge ist zwar recht gelungen, könnte aber ein bisschen kraftvoller und agressiver sein. Wirklich nervtötend sind die Geräusche der Gegner, Zombies klingen als würden sie nach einer langen, durchzechten Nacht den Mageninhalt entleeren wollen (was sie gelegentlich auch tun), von Gruselatmosphäre keine Spur. Da die Gegner ständig neu auftauchen ist man schon bald Willens den Sound runterzuregeln. Genial hingegen die Sprüche von Bruce Campbell, der Darsteller des 'Ash' in den Filmen. Locker, ironisch kommentiert er das Geschehen mit markigen Sprüchen oder beleidigt seine Gegner.

Erzählt wird die Geschichte des charismatischen, vom Pech (oder Bösen) verfolgten Anti - Helden in sehr gut gerenderten Zwischensequenzen, die jedoch etwas zu lang geraten sind. Im Laufe des Spiels trifft Ash auch auf schon totgeglaubte Bekannte aus den Filmen. Genau genommen sind sie ja auch tot, so hält sich die Wiedersehensfreude meist in Grenzen.
Auf seiner Suche nach Jenny, seiner Freundin, darf Ash auch ein paar Pseudo-Rätsel lösen der Sorte: Bringe Gegenstand A nach B um C zu erreichen, wobei A fast immer in der Nähe von B herumliegt. In seinem Inventar, das übrigens auch extrem an 'Resident Evil' erinnert, darf Ash auch ab und an Gegenstände miteinander kombinieren. So ist es ab einer bestimmen Stelle im Spiel möglich Benzin für die Kettensäge herzustellen oder Heiltränke zu brauen.

 

Fazit

von Daedalus .
Es gibt eigentlich nichts an 'Evil Dead' was wirklich gut wäre, nichts was nicht irgendwie schon einmal besser da gewesen wäre. Das Konsolenspeichersystem treibt einen zum Wahnsinn angesichts der Gegnerhorden. Die ungenaue Steuerung, die pixelige Grafik, die angesichts des Jahres 2001 schon beinahe nostalgisch wirkt und die zwar gut gemeinten, aber eher als schmückendes Beiwerk zu betrachtenden Puzzleeinlagen sind allesamt Gründe, die gegen einen Kauf von 'Evil Dead: Hail to the King' sprechen. Auf der Habenseite kann das Game aber die starke Filmvorlage verbuchen, sowie den Hauptdarsteller Bruce Campbell als Synchronsprecher. Gerade der schräge, selbstironische Humor der Filmvorlage wurde ganz hervorragend ins Spiel portiert. Das Game nimmt sich zum Glück nicht allzu ernst, was angesichts einiger wirklich ekliger Szenen auch eine gute Entscheidung war. Manchmal überrascht das Spiel sogar an einigen Stellen mit wirklich schön gezeichneten, detailreichen Hintergründen die richtig Gruselstimmung aufkommen lassen. Somit sei dieses Spiel allen denjenigen ans Herz gelegt die auch den trashigen Charme der Filme mochten, schon immer mal die Kettensäge schwingen wollten und die vor gelegentlichen Frusterlebnissen nicht zurückschrecken. Trotzdem schade, aus der 'Evil Dead' Vorlage hätte man mehr rausholen können.  

Wertung

  • PC
    60
    %

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