Test - Pizza Connection 3 : Mehr Franchise- als Familienunternehmen

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Je nach Standort besuchen euch unterschiedliche Kundengruppen. Dadurch müsst ihr eure Karte entsprechend anpassen. Es macht Spaß, sich in die Geschmäcker der Leute rein zu fuchsen und herauszufinden, welche Zutaten und Pizzen ankommen – und welche nicht. Wenn der Laden läuft, also die Karte die Vorliebe der Kunden trifft und der Schichtplan greift, sodass niemand zu lange auf seine Mahlzeiten warten muss, ist das ein befriedigendes Gefühl. Jedoch ändern sich die Vorlieben der Menschen nicht. Ein Student, der auf Oliven steht, wird immer Oliven lieben. Habt ihr einmal ein Rezept gefunden, das funktioniert, gibt es keinen Grund, es irgendwann zu ändern. Stattdessen werden mit jedem neuen Spiel die Geschmäcker neu zusammengewürfelt.

Mit der Zeit macht sich der Eindruck breit, Pizza Connection 3 kratzt in vielen Bereichen nur an der Oberfläche. Neben dem begrenzten Handlungsspielraum bei der Gestaltung des Restaurants besitzen Mitarbeiter nur noch zwei Attribute. Manager, die euch unter die Arme greifen, gibt es gar nicht mehr. Aber warum auch? Kauft ihr euch ein Warenhaus, um euer Restaurant mit besseren (oder direkt von der Müllhalde kommenden) Zutaten zu versorgen, dürft ihr nicht einstellen, wie groß die Menge der jeweiligen Zutat ausfallen soll.

Zwischen Wuselfaktor und Zweckmäßigkeit

Wenn ihr also eine Lachspizza im Angebot habt, die aber kaum bestellt wird, lässt sich die Menge an Lachs nicht regulieren, um so vielleicht ein paar Euro zu sparen. Am Ende des Tages seht ihr lediglich, wie viel Geld ihr für Zutaten ausgegeben habt. Wirklichen Einfluss nehmt ihr darauf jedoch nicht. Stattdessen ist es ratsamer, die Pizzen gleich aus dem Angebot zu entfernen und eine andere, bessere Kreation auszutüfteln. Auf diese Weise konzentriert sich Pizza Connection 3 spielerisch vor allem auf die kreativen Freiheiten in der Küche. Wenn es jedoch ums Managen geht, passiert Vieles von selbst oder ohne zu verdeutlichen, welche Auswirkungen eure Entscheidungen haben.

Grafisch reißt Pizza Connection 3 keine Bäume aus, muss es aber auch nicht. Die Städte sind hübsch bunt und auf den Straßen herrscht reges Treiben, was nett anzusehen ist. Leider ist an markanten Orten wie Fußballstadien oder Sehenswürdigkeiten nichts los. Ihr hört zwar die Fans im Stadion jubeln, die Spielstätte wirkt jedoch wie ausgestorben.

Greift zu, wenn...

… ihr eine Restaurantsimulation wie damals in den 90ern sucht, die einfach und übersichtlich zu handhaben ist.

Spart es euch, wenn...

… ihr euch detailliert in jedem kleinsten Aspekt des Restaurantmanagements verlieren wollt.

Fazit

Christian Kurowski - Portraitvon Christian Kurowski
Nostalgische Restaurantsimulation, der etwas der Pep fehlt

Am Anfang war ich ziemlich ernüchtert. Vielleicht habe ich zu viel erwartet und die ersten beiden Teile stark romantisiert, aber der Funke wollte in Pizza Connection 3 nicht überspringen. Mir fehlte es an Möglichkeiten bei der Gestaltung meines Restaurants. Ich wollte mich auch etwas mehr im Management verlieren. Aber ich kann weder meine Mitarbeiter fortbilden oder befördern, noch kann ich die Menge an Waren regulieren.

Nach ein paar erfolglosen Versuchen wurde ich aber doch noch mit dem dritten Teil warm. Es geht weniger um Charme, sondern mehr um Gewinnmaximierung. Es geht nicht darum, dass sich die Kunden wohlfühlen, sondern dass möglichst viele von ihnen einen Platz finden. Am Ende ist entscheidend, dass möglichst viel Geld verdient wird. Mit welchen Mitteln auch immer. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu studieren und die jeweiligen Restaurants genau darauf auszurichten, macht Spaß. Das hat weniger Familienrestaurant-Flair, sondern mehr Franchise-Unternehmens-Style. Insofern ist Pizza Connection 3 eine durchaus solide Wirtschaftssimulation, die satt macht, aber keine Sterne im Guide Michelin abstaubt.

Überblick

Pro

  • spaßiger Pizzaeditor mit vielen Möglichkeiten
  • Bevölkerungsgruppen haben unterschiedliche Geschmäcker
  • Innenarchitekt und Chefkoch bieten Hilfe
  • übersichtliche Menüs und Statistiken
  • Sabotieren der Konkurrenz

Contra

  • Pizzaeditor lässt trotzdem einige Zutaten vermissen
  • einigen Spielelementen mangelt es an Tiefgang
  • Mitarbeiter haben nur noch zwei Attribute
  • Auswirkungen (egal, ob Möbel oder Zutaten im Lager) nicht immer ersichtlich

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