Test - The Crew 2 : Cruisin' USA für Open-World-Einsteiger

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Ein visuelles Spektakel ohne Tiefgang

Das muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Etliche Arcade-Rennspiele fordern und fördern gutes Abschätzungsvermögen für Physik und Streckenverlauf. Bei The Crew 2 lässt die Herausforderung jedoch eine ganze Weile auf sich warten. Erst nach dem Verdienen etlicher Upgrades, die den einen oder anderen lahmen Schlitten in ein lebensgefährliches Geschoss verwandeln, oder dem Erwerb exotischer Fahrzeuge der Marke Formel-Eins-Flitzer beziehungsweise hochgezüchtetes Rennboot spüren Rennspielenthusiasten echten Nervenkitzel. Und auch dann nur, weil die Geschwindigkeit des Fahrzeugs der Übersicht auf den Streckenverlauf entgegenwirkt.

Bei drölfzig Kilometern pro Stunde übersieht man gerne mal eine Abkürzung oder schätzt den Winkel einer Kurve falsch ein. Kurven schneiden gehört zum guten Ton im Kampf gegen die manchmal sehr hartnäckige künstliche Intelligenz. Trägheit und gehobene Physikeigenschaften spielen jedoch nicht einmal im Wasser eine tragende Rolle. Mächtige Wellen findet man sowieso nur auf hoher See, weil weder Wind noch Regen Einfluss auf Gewässer nehmen. Es herrscht jedoch nicht immer eitel Sonnenschein. Nasse oder verschneite Straßen wirken sich durchaus auf das Fahrverhalten aus, Wolken und Nebel behindern gelegentlich die Sicht. Trotzdem wäre aus atmosphärischer wie spielerischer Sicht mehr möglich, wie der große Konkurrent Forza Horizon beweist..

Diese Aussage soll den Unterhaltungswert nicht kleinreden. Das komplette Spiel ist auf die Darstellung eines Spektakels ausgelegt. Die Betonung liegt auf dem Visuellen. Nur am Joypad ist Schmalhans anfangs Küchenmeister, was Einsteigern sicher nicht den Spaß verdirbt, aber all jenen, die vom Start weg ein wenig Anspruch erwarten. Das wird übrigens bereits an den Steuerungsoptionen sichtbar. Der Anschluss eines Lenkrads an die Konsole oder den PC ist bei Autos und Booten bedingt sinnvoll. Aber wie viel Sinn ergibt die Lenkradsteuerung mit einem Flugzeug, wenn man das Höhenruder ausschließlich mit dem Steuerkreuz bedienen kann? Wie banal fallen Flugzeugwettbewerbe aus, wenn die Spieldesigner solchen Handicaps an der Peripherie Tür und Tor öffnen, zumal etliche andere Funktionen nur halbherzig oder gar nicht bedient werden?

  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 1
  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 2
  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 3
  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 4
  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 5
  • The Crew 2 - Screenshots - Bild 6

Darunter beispielsweise das flüssige Umschalten zwischen den drei Fahrzeugtypen. Klappt mit einem Joypad dank des einfach gestalteten HUD-Menüs hervorragend und verleiht The Crew 2 ein wenig Transformers-Touch. Am Lenkrad hilft dagegen nur ein Umschalten im Pausebildschirm, wodurch nicht nur der flüssige Übergang flöten geht, sondern auch der Verbleib auf der zuletzt eingenommen Position auf der Weltkarte. Abgesetzt wird man in dem Fall an der nächstbesten Zwischenstation, die für das Fahrzeug geeignet ist.

Ebenfalls mühsam: Wer mit dem Lenkrad über die Weltkarte navigieren möchte, die einerseits der Orientierung dient und andererseits alle verfügbaren Veranstaltungen auflistet, muss diverse Schaltkombinationen bemühen, um einfachste Kommandos zu geben. Jedes Mal, wenn ihr den Cursor auf der Karte bewegen wollt, seid ihr gezwungen, auf die Bremse zu treten und zugleich das Steuerkreuz zu bedienen. Dabei genügt es nicht, einfach permanent auf der Bremse zu bleiben, denn immer wenn ihr den Cursor kurz ruhen lasst, verwendet das Steuerkreuz wieder die Ursprungsfunktionen, beispielsweise das Umschalten in den Fotomodus. Überdies schleicht der Cursor in Schneckengeschwindigkeit dahin, sobald er das Symbol für einen Wettbewerb passiert. Das zuppelt ganz schön am Geduldsfaden.

The Crew 2 - Free Your Ride Trailer
Ab morgen startet die Open Beta in The Crew 2 und Ubisoft hat nun einen Stunt-Wettbewerb ausgerufen.

Verwendet ihr einen Standard-Controller, fallen all diese Makel unter den Tisch. Die Bedienung wird wieder schnell und eingängig. Angesichts der simplen Physik scheint die Verwendung eines Lenkrads sowieso völlig übermotiviert. Force-Feedback hin oder her, es bringt euch kaum einen Vorteil, wohl aber ein wenig mehr Spaß. Gerade in den Booten, die dadurch ein völlig anderes Fahrgefühl vermitteln. Allerdings ist dringend angeraten, die Leerzone des Lenkrads im Menü zu vergrößern, sonst wird es bei hoher Geschwindigkeit ziemlich fummelig.

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