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Test - Shaun White Skateboarding : Achtung! Explodierende Skater!

  • X360
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Die Stadt, die ihr in großen Abschnitten frei befahren könnt, bietet euch viele Möglichkeiten eure nach und nach erweiterten Kunststücke auszuprobieren. Treppengeländer, Bänke, Autos, Balkone und vieles mehr warten nur darauf, Bekanntschaft mit eurem Board zu machen. Am Auffälligsten sind aber ohne Zweifel die grünen Rails und Verts. Die Rails könnt ihr euch wie magische Rohre vorstellen, auf denen ihr auf noch nie gesehene Weise quer durch und über die Stadt skatet. Später bestimmt ihr die Richtung, in die sich diese Zauber-Rails erweitern, sogar selbst und gestaltet so eure eigenen Wege - allerdings leider nur zu stets festgelegten Zielen. Die grünen Verts sind weniger spektakulär, da sie nicht so viele Freiheiten bieten wie die Rails. Dennoch ist es immer wieder unterhaltsam, sie durch das Befahren quasi fertig zu bauen.

Alles in allem wurden die Möglichkeiten dieser innovativen Idee jedoch nur unbefriedigend ins Level-Design eingebunden. Es wirkt schon früh so, als hätten die Entwickler nicht so recht weitergewusst und deshalb lieber zu 90 Prozent auf Altbekanntes gesetzt, anstatt ihre magischen Rails und Verts konsequent auszunutzen. So wird aus dem groß beworbenen Super-Feature ein kleines Gimmick am Rande, das hoffentlich in einem Nachfolger noch ordentlich ausgebaut wird.

Nahezu ″umfall″-freies Skaten

Ein weiteres Kuriosum erwartet euch, sobald eure Spielfigur stürzt. Dann explodiert sie nämlich. Jugendfrei natürlich. Wieso und weshalb, wird mit keinem Wort erklärt. Misstrauische Naturen mögen vermuten, dass den Entwicklern richtige Fallanimationen für die verschiedenen Stürze zu aufwendig waren. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass der zerberstende Skater beim ersten Mal für einen wundervollen WTF-Moment sorgt. Weniger amüsant ist die Tatsache, dass ihr euch regelrecht bemühen müsst, um überhaupt mal zu stürzen. Das raubt ambitionierten Zockern viel von der spielerischen Herausforderung.

Dafür werdet ihr an der Steuerung länger zu nagen haben. Zwar ist diese schnell begriffen, funktioniert jedoch nie so flüssig, wie es bei einem Skateboard-Spiel der Fall sein sollte. Mit dem Spielfluss hat Shaun White Skateboarding grundsätzlich ein Problem, denn auch das Level-Design steht euch regelmäßig im Weg. Bis auf die magischen Rampen und Geländer gibt es nur wenige markante Zonen. Der Rest ist austauschbar öde. Da eine Bank, dort zwei Autos und dazwischen wieder zu viel oder zu wenig Platz und euch geht schnell der Flow flöten.

Apropos flöten: Auf soundtechnischer Seite ist alles im grünen Bereich. Die Sprecher sind gut, die Geräusche fallen nicht negativ auf und der Soundtrack haut ordentlich rein. Auch grafisch macht New Harmony eine ordentliche Figur und die einzelnen freizuspielenden Bezirke bieten im Gegensatz zum Detailaufbau wenigstens im groben Rahmen optische Abwechslung. Die Animationen der Nebenfiguren sind zwar etwas hölzern ausgefallen, ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Der graue Ausgangszustand ist natürlich trist, doch nach der Umwandlung ist New Harmony richtig hübsch. Eine besondere Erwähnung verdienen auch die richtig coolen Effekte, mit denen die Verwandlungen wie Energiewellen über die Stadt hinwegfegen.

Details, Details, Details

Die optisch saubere Arbeit befördert den Titel letztendlich dennoch nicht in höhere Wertungsregionen. Dafür sorgen neben den bereits genannten Problemen auch viele kleine Mängel, die für sich allein verschmerzbar sind, aber in Summe ordentlich nerven. Versucht mal, per pedes über Objekte zu hüpfen ... Gewöhnt euch am Besten gleich an den Gedanken, jedes kleine Hindernis zu umlaufen, wenn ihr nicht gerade auf dem Board steht.

Auch das häufige Nachladen und die langen Wartezeiten zerren an den Nerven. Im Mehrspielerteil tretet ihr entweder im Split-Screen zu zweit oder online mit maximal acht Zockern in gerade mal drei verschiedenen Spielmodi an. Das ist zu wenig und wird dadurch auch vorhersehbar schnell langweilig.

Fazit

Michael Zeis - Portraitvon Michael Zeis
Bin ich hier im falschen Film? Dieser Gedanke schoss mir schon während des Intros durch den Kopf. Schließlich ging ich davon aus, ein Fun-Sport-Spiel zu testen und kein tiefsinniges Action-Adventure. Spätestens wenn versucht wird, die arg konstruierte Geschichte mit dem eigentlichen Spiel zu verbinden, wird es so absurd dämlich, dass ich nur noch peinlich berührt wegsehen wollte. Ich kann nur hoffen, die Entwickler haben es nicht so ernst gemeint, wie es größtenteils rüberkommt. Davon abgesehen ist Shaun White Skateboarding ein Paradebeispiel für gute Ansätze, eine zu wenig durchdachte Umsetzung und verpasste Chancen. Wieso mit den transformierbaren Rails groß werben, wenn wir sie ohnehin nur zu festgelegten Zielen lenken dürfen? Wo bleibt hier die versprochene Freiheit? Noch schwerer wiegen die Steuerung und das Level-Design, die den für dieses Genre so grundlegend wichtigen Spielfluss konstant stören. Trotzdem hoffe ich auf einen zweiten Teil – dann aber bitte mit einer Bedienung á la Skate und am besten überhaupt keiner Hintergrundgeschichte mehr.

Überblick

Pro

  • ″magische″ Rails und Verts
  • fast frei befahrbare Stadt
  • über 80 unterschiedliche Tricks
  • klasse Soundtrack

Contra

  • unpassende Geschichte
  • schwaches Missionsdesign
  • hakelige Steuerung
  • Bails sind unrealistisch schwer
  • kein Springen zu Fuß möglich
  • wenige Online-Spielmodi
  • häufiges und langes Nachladen

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