Test - Sound Blaster AE-7 : Nur ein Update der AE-5 oder mehr?

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Das Zeitalter, in dem quasi in jedem PC eine Soundkarte steckte, zumeist von Sound Blaster, ist an sich vorbei. Die Lärmbretter wurden weitgehend von Onboard-Soundchips auf den Mainboards abgelöst. Doch es gibt noch genug Enthusiasten, die sich mit Klang und Features dieser Chips nicht zufrieden geben wollen. Für diese ist ein interner oder externer Soundverbesserer immer noch die erste Wahl. Die immerhin etwa 229 Euro teure Sound Blaster AE-7 ist eine der beiden neuen Karten von Creative, der wir auf den Zahn gefühlt haben.

Bei der Sound Blaster AE-7 handelt es sich um eine interne Karte für den kleinen PCIe-Slot. Viel Platz nimmt die nur 145 x 20 x 128 mm kleine Karte nicht in Anspruch. Entsprechend schnell geht der Einbau im Rechner vonstatten, zumal ihr keine weiteren Anschlüsse verlegen müsst. Die Karte benötigt weder eine zusätzliche Stromversorgung noch Verbindung zu den Audioports des Rechners – sie setzt einzig und allein auf die eigenen Ein- und Ausgänge. Was auch nicht verkehrt ist, die vergoldeten Ports der Karte sind sicherlich um einiges hochwertiger als die Standardanschlüsse der meisten Mainboards. Erwähnenswert hierbei ist noch, dass Creative auf die RGB-Beleuchtung der AE-5 verzichtet und der AE-7 ein deutlich schlichteres, aber durchaus edles Outfit spendiert hat.

Bei den Anschlüssen an der Rückseite findet sich das, was man erwarten kann und vom Vorgänger AE-5 auch bereits kennt. Kopfhörer und Mikrofon können eingestöpselt werden, hinzu kommen drei 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den 5.1-Lineout sowie ein optischer Anschluss. Ihr müsst nicht befürchten, dauernd hinter den Rechner zu krabbeln, denn Creative hat noch ein externes, 100 x 92 x 70 mm großes Bedienteil beigelegt, das an Kopfhörer- und Mikrofoneingang angeschlossen wird.

Dieses Audio Control Modul könnt ihr dank des hinreichend langen Kabels bequem auf euren Tisch pflastern. Daran findet ihr Mikrofon- und Kopfhörerbuchse jeweils in 3,5 und 6,3 mm Ausführung. Somit könnt ihr nicht nur analoge Gaming-Headsets anschließen, sondern auch Kopfhörer und analoge Mikrofone. Ansonsten befindet sich am Bedienteil noch ein großformatiger Lautstärkeregler mit überaus angenehmer Haptik. Das gute Stück lässt sich millimetergenau einstellen. Zudem ist es sehr robust und dank Gummifläche an der Unterseite rutscht es auch nicht hin und her wie ein Eishockeypuck.

Allein das Bedienteil ist schon ein echter Fortschritt zur AE-5. Umso praktischer wird das Ganze mit der Command-Software. Dort könnt ihr nämlich jederzeit per Klick zwischen Headset- oder Lautsprecherbetrieb wechseln, solltet ihr denn beides angeschlossen haben. Die Command-Software benötigt ihr übrigens ohnehin, denn sie beinhaltet die nötigen Treiber für den Betrieb der Soundkarte. Sie hat aber auch noch einen ganzen Batzen weiterer Funktionen, dazu später mehr, denn wir bleiben zunächst bei der Karte selbst.

Auf der Karte lauert ein verbesserter, hochauflösender 9018 DAC der ESS SABRE-Klasse mit 127 dB DNR sowie 32-bit / 384 kHz PCM und DSD64-Wiedergabe. Bei der preiswerteren AE-5 mussten wir uns noch mit 122 dB begnügen. Erwähnenswert ist unbedingt, dass die AE-7 in Sachen Kodierung deutlich vielseitiger ist als ihr Vorgänger. 5.1 Surround Sound für Lautsprecher, virtueller 7.1 Surround Sound für Lautsprecher und Kopfhörer, Dolby Digital Live, DTS Connect-Kodierung und Sound Blaster Surround Virtualisierung werden unterstützt. Dolby und DTS fehlten beim Vorgänger noch.

Ebenfalls an Bord ist ein diskreter Xamp-Kopfhörer-Doppelverstärker, der euren Brüllbügeln ordentlich Beine macht. Die Kopfhörerausgangsimpedanz beträgt 1 Ohm. Der Xamp unterstützt alles vom schlappen 16-Ohm-Lauscher bis hin zu Studiokopfhörern mit 600 Ohm, einschließlich moderner planar-magnetischer Kopfhörer. Das macht sich nicht nur bei hochwertigen Kopfhörern bemerkbar, selbst bei billigen Headsets mit mäßigem Sound bemerkt ihr eine deutliche Verbesserung.

Die eingangs bereits erwähnte Software dient übrigens nicht nur dazu, euch Treiber zu bescheren und die Festplatte vollzumüllen, sondern beinhaltet quasi das Herz des ganzen Setups, nämlich eine Unmenge an Schaltern, Presets und Einstelloptionen inklusive eines Direct-Modus, der das komplette Postprocessing ausblendet und den Originalklang ausgibt. Sehr praktisch für Content-Creator.

Die Software wurde mittlerweile deutlich überarbeitet und hat wesentlich mehr zu bieten als früher, auch wenn die Bedienung aufgrund des schieren Umfangs zunächst etwas Einarbeitung benötigt. Ihr findet unter anderem einen 10-Band-Equalizer, SBX-Profile und Presets, Surroundeinstellungen und Encoder für Dolby und DTS sowie eine komplette Wiedergabesteuerung mit Filtern, Frequenzen und Bitauswahl. Hinzu kommt die Acoustic Engine mit Surround, Crystalizer, Bass, Dialoghervorhebung zur Soundanpassung. Auch dem Mikrofonklang könnt ihr dank einer gesonderten Aufnahmesteuerung Beine machen, mit Boost, Noise Reduction, Echo Cancellation und zahlreichen weiteren Features.

Erfreulich ist, dass sich Creative dieses Mal mehr Mühe mit den Presets gegeben hat. Egal, ob Musik, Filme oder verschiedene Spielegenres, es ist relativ einfach, schnell brauchbare bis sehr gute Einstellungen zu finden. Wer damit noch nicht zufrieden ist, hat dank der zahlreichen Software-Features hinreichend Möglichkeiten, den Klang an den eigenen Geschmack anzupassen. Das lohnt sich, denn der akustische Unterschied gegenüber Mainboard-Soundchips ist mehr als deutlich zu hören.

Greift zu, wenn...

… wenn ihr euch nicht scheut, über 200 Euro dafür auszugeben, dass euer Rechner beim Zocken via Lautsprecher oder Kopfhörer einen saftig besseren Sound hat.

Spart es euch, wenn...

… ihr mit den Leistungen aktueller Onboard-Chips voll und ganz zufrieden seid.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Starker Klang mit vielen Optionen

Soundkarten sind zwar heutzutage kein Muss mehr für einen Gaming-PC, wem jedoch der Klang der Onboard-Chips nicht reicht, kann mit der Sound Blaster AE-7 absolut nichts falsch machen, auch wenn der Preis nicht gerade schmackhaft ist. Uns gefällt sowohl der gegenüber dem AE-5 noch weiter verbesserte Klang als auch das Bedienmodul sowie die Unterstützung von Dolby und DTS, die es beim vorherigen Modell nicht gab. Auch die Software, quasi das Herzstück des Setups, hat deutliche Fortschritte gemacht und bietet mehr und übersichtlichere Optionen.

Headset-Spieler freuen sich zudem über den äußerst kompetenten Xamp, der auch bei weniger guten Headsets hörbare Wirkung zeigt. Wer aktuell nach einer Soundkarte sucht, findet vermutlich nur noch in der AE-9 eine bessere Alternative, die wir in Kürze ebenfalls unter die Lupe nehmen.

Überblick

Pro

  • deutliche Klangverbesserung gegenüber Onboard-Chips
  • sehr guter Kopfhörerverstärker
  • praktisches Bedienteil mit Anschlüssen
  • Dolby- und DTS-Encoding
  • deutlich verbesserte Command Software
  • massig Einstellmöglichkeiten
  • gelungene Presets

Contra

  • teuer

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