Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - Vampire the Masquerade: Bloodlines : Spiel der Woche 48/04

  • PC
Von  |  |  | Kommentieren

Die wilde Jagd nach dem Sarkophag führt euch von Santa Monica nach Downtown Los Angeles, Chinatown und Hollywood, sowie an einige andere spezielle Orte, die nur im Rahmen bestimmter Quests zugänglich sind. Die Locations sind auch gleich ein dicker Pluspunkt des Spieles. In den Straßen wandeln die Geschöpfe der Nacht umher: Penner, Prostituierte, Vergnügungssüchtige und Endzeitpropheten, aber auch hier und da mal ganz normale Bürger. Die Straßen wirken dadurch sehr lebendig, zumal ab und an auch was passiert, wie etwa eine Schießerei zwischen Straßengangs. Da gibt es Kirchen, die zu finsteren Gruftie-Discos umgebaut wurden (in denen ihr auch selber das Tanzbein schwingen dürft), Stripclubs und dreckige Peepshows, Motels, verfallene Häuser, ein mit Fallen gespickter Tempel oder unterirdische Höhlen. In jedem Fall wird Atmosphäre groß geschrieben - wem im Geisterhaus oder im blutigen Keller eines wahnsinnigen Prothesenbauers kein Schauer über den Rücken läuft, der ist selber schuld. Auch versteckter Humor und Anspielungen kommen nicht zu kurz, so lautet der Name eines Friedhofswächters, der jede Nacht gegen Zombies antritt, ausgerechnet Romero und ein Kautionsagent wird frei nach 'Ghostbusters' als 'Schlüsselmeister' bezeichnet.

Charaktere mit Charakter

Schnell werdet ihr merken, dass alle Charaktere, auf die ihr trefft, ihre ganz eigenen Motive haben, die jedoch mitunter sehr lange im Verborgenen bleiben. Ein typisches Gut und Böse gibt es hier nicht. Das führt dazu, dass nicht nur die zahlreichen verschachtelten Hauptquests eine große Rolle spielen, sondern auch der Umgang mit den Charakteren, was wiederum auf die Art und Weise, wie ihr Aufträge erfüllt, einen Einfluss hat.

Im Vordergrund stehen beim Umgang mit den Charakteren die erstklassigen Dialoge, die allesamt in Englisch - mit deutschen Untertiteln - ablaufen. Grundsätzlich stehen euch immer verschiedene Antworten zur Verfügung, die unterschiedlichen Einfluss auf das Gespräch und das Verhältnis des NPCs zu euch haben. Ergänzt wird dies durch zusätzliche Optionen, die durch Fähigkeiten wie Verführung, Überredung oder Einschüchterung zum Tragen kommen - unterm Strich werden euch hier mehr Möglichkeiten zum ECHTEN Rollenspiel eures Charakters geboten, als in nahezu jedem anderen mir bekannten Spiel. Interessant ist übrigens, dass die Wahl eures Clans auch inhaltlich Einfluss auf die Dialoge hat: als durchgeknallter Malkavianer redet ihr nämlich ziemlich wirres Zeugs, während ihr als robuster Brujah einen eher rauen Umgangston pflegt.

Nehmen wir einen frühen NPC namens Mercurio als Beispiel: ihn findet ihr verletzt in einem Apartmenthaus, nachdem er einen Auftrag vermasselt hat und ziemlich weichgeklopft wurde. Helft ihr ihm, seinen Auftrag zu erfüllen und besorgt ihm noch ein Schmerzmittel aus dem nahe liegenden Krankenhaus, versorgt er euch künftig nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Waffen und einem weiteren Teil einer Hauptquest. Lästert ihr jedoch über seine Unfähigkeit und droht gar, bei seinem Boss zu petzen, müsst ihr euch nicht wundern, wenn er euch irgendwann mal eins auf die Fresse geben will. Legt ihr ihn dabei um, findet ihr besagte Hauptquest dann in einem Notizbuch in seinen Räumlichkeiten.

Die Interaktion mit den NPCs und die gesamte Story stellen euch dabei immer wieder vor wichtige Entscheidungen, so ist es nur logisch, dass die Story nicht nur ein Ende hat, sondern abhängig von euren Entscheidungen und Aktionen gleich mehrere. Zusammen mit den verschiedenen eigenen Möglichkeiten zur Charaktererstellung sorgt das natürlich für eine sehr gute Wiederspielbarkeit der ohnehin mit 40-60 Stunden nicht ganz kurzen Story.

Action im Schutze der Nacht

Doch nicht nur in den Dialogen wird Abwechslung geboten, auch bei den Aktionen stehen euch für jede Aufgabe mehrere Lösungen zur Verfügung. So könnt ihr schleichen, Gegner hinterrücks erledigen, Schlösser knacken und Computer hacken, durch Schächte krabbeln oder euch euren Aufgaben im offenen Kampf stellen, wobei euch hier waffenloser Nahkampf, bewaffneter Nahkampf und Schusswaffen sowie unterstützend eure Vampir-Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Zumindest eine Kampf-Fähigkeit solltet ihr eurem Vampir-Küken aber auch verpassen, denn nicht immer habt ihr die Möglichkeit, einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, vor allem, wenn es sich um Boss-Gegner handelt.

Da sind wir auch gleich schon bei einem großen Problem des Spieles, denn das Kampfsystem ist nicht wirklich ausgereift. Im Nahkampf, für den das Spiel in die Third-Person-Perspektive wechselt - außerhalb der Kämpfe ist First- oder Third-Person möglich - klappt das eigentlich noch ganz gut. Fadenkreuz, gut getimte Mausklicks und die Richtungstasten sorgen hier für ein recht ordentliches Handling, das eigentlich nur unter gelegentlichen Performance-Einbrüchen leidet. Der Fernkampf entpuppt sich jedoch als mittlere Katastrophe. Die Waffen haben nach jedem einzelnen Schuss einen enormen Verzug, was vor allem automatische Waffen nahezu nutzlos werden lässt, da keine Salven oder gar Dauerfeuer möglich sind, auch wenn der Verzug abhängig von eurem Skill etwas geringer wird. Die Nachladezeiten der Waffen sind zum Teil untragbar und die Zielgenauigkeit lässt ebenfalls zu wünschen übrig, obwohl diese etwas besser wird, je mehr Zeit ihr euch zum Zielen lasst - erkennbar am Fadenkreuz. Auch der Schaden, den Waffen anrichten, ist mitunter im Vergleich zum Nahkampf lächerlich, wenn ihr nicht gerade am laufenden Meter Headshots austeilt.

Kommentarezum Artikel