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Preview - Clive Barker’s Hellraiser Revival : Krasser Body-Horror: Dagegen ist Resident Evil ein Märchenfilm

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Gamescom, das ist Flauschi-Pokemon-Klimbim für Familien, Cosplay, Racing und dazwischen ein Shooter für Erwachsene. Denkste! Am Stand von Saber Interactive, in den Hallen, die der Presse und Fachbesuchern vorbehalten waren, gab es markerschütternden Stoff zu sehen, der Survival-Horror in einer ungesehenen Intensität zelebriert. Clive Barker’s Hellraiser Revival ist nichts für Zimperliche!

Ich wusste ja schon vorher, aus welchem Fundus Saber Interactive schöpfen würde, um Hellraiser in ein Spiel zu betten. Aber dass es derart krass zugehen würde, hätte ich nicht gedacht. Dieses Spiel zeigt Horror in einer Kompromisslosigkeit, die selbst hartgesottenen Fans des Genres die Sprache verschlägt.

Zugegeben, ein Experte für Hellraiser bin ich nicht. Ich kenne den ersten Film aus dem Jahre 1987, der mir mit seinem Mix aus sexualisierter Gewalt und endlosem Sadismus zwar den Magen umdrehte, aber dennoch Respekt für sein Charakterdesign abverlangte. Und nicht nur mir. Die Figur des Chatterer stand garantiert Pate für das ein oder andere Silent-Hill-Monster.

Jedenfalls fand ich zwischen all seinem BDSM-Flair, der rohen körperlichen wie auch psychischen Gewalt sowie einer für heutige Verhältnisse unbestreitbaren Portion 80er-Jahre-Camp eine seltsame Ästhetik zwischen Ekel und Faszination. Eine alte Flamme aus meiner Jugend hatte für ihre letzte Prüfung als Maskenbildnerin sogar den ominösen Pinhead nachempfunden, daher blieb diese ikonische Figur für mich lange präsent.

Sex und Gewalt

Wieder in diese Welt einzutauchen, war zwar kein Schock, aber Sabers Survival-Horror-Spiel geht so weit über die etablierten Grenzen eines typischen Horror-Spiels wie Resident Evil hinaus, dass man sich erst einmal auf die Lippen beißt. Die ersten Minuten der Demo sind eine Attacke auf alle Sinne: entblößte Körper in leidenschaftlichem Sex (mit einem Voice-Acting, das man ihnen auch abnimmt), groteske Verstümmelungen, verstörende BDSM-Bilder. Noch ehe ich realisierte, was auf dem Bildschirm geschieht, legte sich Gänsehaut wie ein sanfter Schleier über meine Haut.

Die Spielfigur, deren Rolle ich übernahm, heißt Aidan. Ein kerniger Mann, dessen gut ausgestattetes Gemächt den Entwicklern so viel Wert war, dass es in all seinen Details ausmodelliert werden musste. Das sagt schon einiges. Allerdings hatte der Testosteronklumpen das Pech, einen geheimnisvollen handgroßen Würfel als Sexspielzeug zu gebrauchen und ungewollt zu aktivieren. Genesis-Konfiguration nennt sich das Ding, und wozu es dient, kam in der Anspielsitzung leider nicht zutage.

Allerdings muss es besonderen Wert haben, denn kurz nachdem das Utensil eine von Lust getriebene und doch erschreckende Halluzination bei ihm und seiner Sexpartnerin Sunny hervorruft, treten Pinhead und seine Kult-Kumpanen aus den Wänden hervor. Sie fragen die noch immer im wollüstigen Rausch hängende Sunny, ob sie Interesse am ultimativen, ewiglichen Vergnügen habe.

Sie nimmt das Angebot an, wird daraufhin von Haken durchbohrt und in zwei Teile zerfetzt – explizit dargestellt mit zerrissenen Muskelfasern, aufgeschnittener Haut, literweise Blut und allem was dazugehört. Puh, das muss man erst einmal schlucken.

Es ist zwar „nur“ Spielgrafik. Man kann also klar zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Trotzdem war das, was ich da sah, von einem so krassen Detailreichtum geprägt, dass das Oberstübchen die Lücken ausfüllt. Jene Kotztüten, welche die Präsentatoren von Saber neben den Rechner gelegt hatten, waren sicher als Scherz gemeint. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sie im Laufe des Tages noch gebraucht wurden.

Schlüssel im Gedärm

Auf der Suche nach seiner gequälten Freundin stürzt Aiden in ein Albtraumszenario, das ihn immer wieder an die Grenzen des Erträglichen treibt: Haken aus dem Fleisch von Leichen ziehen, einen zugenähten Oberkörper aufreißen, in Gedärmen nach einer Art Schlüssel suchen, Nägel aus Händen entfernen … was man halt so an einem normalen Dienstagabend macht. Die Grausamkeit ist nicht Selbstzweck, sondern Teil einer düsteren Dramaturgie, die mit jeder Minute heftiger eskaliert. Es geht um expliziten Body-Horror, der bewusst provozieren soll.

Spielerisch entfaltet sich dabei ein bemerkenswert breites Spektrum: Jumpscares, klaustrophobische Gänge, interessante Rätsel, die kreatives Denken fordern, nervenaufreibende Verfolgungssequenzen und ein permanenter, fast körperlich spürbarer Schrecken, der vor allem daher rührt, dass eure Nerven permanent aufgekratzt werden. Die Umgebungen ergeben ein Puzzle, das man als Kunstwerk des Schreckens bezeichnen könnte. Abstrakte Darstellungen mit diversen Formen der Entstelltheit, Überstilisierung, die Leiden zur Ästhetik erhebt. Jeder Raum scheint ein neues groteskes Tabu zu brechen, jede Konstruktion aus Fleisch und Metall strebt offenbar danach, eine noch groteskere Form des Leidens zu zeigen.

Das fährt euch um so stärker ins Mark, wenn die Leidtragenden noch leben. In einer Szene, in der Aiden schleichend durch dunkle Ecken gelangen muss, beobachtet er einen Arzt (wenn man das so nennen kann) der quietschvergnügt und tänzelnden Schrittes eine Frau ohne Kiefer bearbeitet. Während sie vor Qual windend ihre zuckende herabhängende Zunge umherwedelt, säuselt er ihr zu , sie sei auserwählt und solle ihre Qual als Segen annehmen, denn ihr Leid brächte sie dem Paradies näher. Das ist total krankes Zeug.

Hellraiser will euch aus eurer gemütlichen Couch-Sicherheit herauslocken. Es will euch mit Spannung an die Wand nageln, wie es ein typisches Survival-Horror-Game eben tun muss, aber mit fast schon unlauteren Mitteln. Leider konnte ich keine Gefechte austragen, weil die Demo-Zeit kurz davor endete, aber ich weiß, dass Kampfhandlungen Teil des Konzepts sind und dass Ressourcenmanagement überlebenswichtig sein wird. Ich bin gespannt, wie lang die Entwickler den Spannungsbogen aufrechterhalten können, ohne Abnutzungserscheinungen hervorzurufen.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Fast schon zu grausam für ein Spiel, aber irre spannend

Ich kann euch nicht viel zum Spielablauf sagen, denn die Spielregeln, denen ich in meiner Demozeit unterworfen war, folgten den üblichen Standards. Schleichen, Hinweise suchen, Memos lesen, kleine Rätsel lösen, sowas eben. Sieht so weit recht gut aus, aber ich konnte noch nicht zum Kern des Spiels vordringen und leider auch noch keine Kampfhandlungen ausführen.

Wenn es aber um den Inhalt geht, dann - holla die Waldfee! – hat das Spiel bei mir Spuren hinterlassen. Liebe Survival-Horror-Fans, nehmt es nicht auf die leichte Schulter! Gegen das, was Hellraiser auftischt, wirken Resident-Evil-Zombies wie flauschige Kuscheltiere. Grafisch wie auch dramaturgisch steckt sehr viel „Liebe“ in diesem Titel. Und technischer Anspruch, der sogar ohne Raytracing oder sonstigen neumodischen Schnickschnack beklemmende Beleuchtung sowie glaubhafte Animationen kredenzt.

>> Nichts für schwache Nerven: Die 10 brutalsten Spiele <<

In anderen Preview-Artikeln schreibe ich normalerweise so etwas wie „ich freu mich drauf“ oder so ähnlich. Würde ich jetzt auch gerne, aber ich bin mir bei diesem Titel nicht ganz sicher, ob diese Aussage meinem Gemütszustand akkurat widerspiegelt.

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