Test - Splatoon Raiders : Test: Farbenfrohes Abenteuer mit kleinen Schwächen
- NSw2
Nintendos farbenfrohe Shooter-Reihe Splatoon bekommt Familienzuwachs, der allerdings ganz anders ausfällt als seine bisherigen Geschwister. Splatoon Raiders ist der erste Serienteil, der den Schwerpunkt auf eine Einzelspieler-Erfahrung statt auf kompetitive Multiplayer-Gefechte legt. Zwar könnt ihr auch Raiders mit bis zu vier Spielern erleben, allerdings ausschließlich kooperativ. Doch ist Splatoon Raiders nun das neue Lieblingskind oder am Ende doch eher das schwarze Schaf der Familie?
Eigentlich steht in Splatoon Raiders das Surimi Syndicate (im Original: Deep Cut) im Rampenlicht. Die Band, bestehend aus der Octoling Mako, der Inkling Muri und einem Mantarochen namens Mantaro, kennt ihr bereits aus dem Anarchy Splatcast und den Splatfests in Splatoon 3. Mit Raiders erhält das Trio nun erstmals ein eigenes Spiel, das sich spielerisch stark am Salmon-Run-Modus aus Splatoon 3 orientiert.
Die drei machen sich auf Schatzsuche, um mit ihrer Beute der Stadt Splatsville unter die Arme zu greifen. Ihr Ziel sind die legendären Spiralit-Inseln, die angeblich erst vor Kurzem wieder aus den Fluten aufgetaucht sind. Vor Ort sorgen jedoch dichter Nebel und ein gleißendes Licht dafür, dass der Hubschrauber abstürzt. Was saß da denn bitte für ein hirnverbrannter Hobby-Pilot am Steuer?
Ihr.
Denn die Hauptrolle übernimmt nicht etwa eines der Bandmitglieder, sondern euer selbst gestalteter Charakter, der die Expedition eigentlich nur als Pilot und Mechaniker begleiten sollte. Auf der Suche nach Baumaterialien für eure Basis und natürlich nach wertvollen Schätzen stellt ihr allerdings schnell fest, dass die gesamte Inselgruppe von Salmoniden überrannt wurde. Also schnappt ihr euch die Farbpistolen und kleckst den Fischwesen ordentlich einen über.
Splish, splash! Heute nehm’ ich ein Bad!
Dafür steht euch diesmal ein ganzes Arsenal unterschiedlichster Waffen zur Verfügung. Neben den klassischen Farb-Blastern warten Farbroller für den Nahkampf, Eimer, die ganze Gegnergruppen gleichzeitig einkleistern, und viele weitere Werkzeuge des gepflegten Farbchaos. Die Werte jeder Waffe werden zufällig ausgewürfelt und verbessern sich mit steigender Schwierigkeit. Insgesamt sollen mehr als 1.000 verschiedene Waffenvarianten auf euch warten.
Für Splatoon-Fans ist das allerdings noch nichts Neues. Wirklich spannend sind diesmal die Gadgets. Bevor ihr euch in eine Mission stürzt, entscheidet ihr euch zunächst für einen Farbtank, der im Grunde eure Klasse bestimmt. Der Stärke-Tank setzt auf brachialen Schaden und Nahkampf-Gadgets, der Tempo-Tank maximiert eure Mobilität und der Taktik-Tank verschafft euch die Kontrolle über das Schlachtfeld. Je nach Tank stehen euch unterschiedliche Gadgets zur Verfügung, die ihr zusätzlich zu eurer Hauptwaffe ausrüstet.
Mit dem Stärke-Tank könnt ihr beispielsweise ein Farb-Beil einsetzen, das euch nach vorne schnellen lässt und gleich eine ganze Reihe von Gegnern zerlegt. Wer lieber aus sicherer Entfernung kämpft, greift zum Taktik-Tank und errichtet Geschütztürme, platziert explodierende Farbballons oder verteilt Flächenschaden durch wild umherfliegende Buntstifte.
Mischen: Possible
Natürlich lässt sich auch hier wieder fleißig aufrüsten. Tanks steigen im Level auf und schalten zusätzliche Boni frei, Waffen verbessert ihr Schritt für Schritt und Gadgets passt ihr mit Mods exakt eurem Spielstil an. Soll das Beil am Ende lieber vertikal statt horizontal zuschlagen und sich dadurch besser gegen einzelne Gegner eignen? Kein Problem. Mehr Reichweite für Geschütztürme? Ebenfalls kein Thema. Die passenden Modifikationen findet oder baut ihr im Laufe des Spiels.
Zusätzlich begleitet euch auf jeder Mission eines der Bandmitglieder, das jeweils eine eigene, äußerst mächtige Spezialfähigkeit mitbringt. Diese lädt sich während des Kampfes langsam auf. Muri entfesselt einen regelrechten Regen aus Muränen, Mako beschwört einen gigantischen Hai und springt ihr auf Mantaros Rücken, surft ihr quer über das Schlachtfeld und überschüttet alles mit Farbgeschossen.
Das Waffen- und Gadget-System macht richtig Spaß. Unzählige Kombinationen laden zum Experimentieren ein und jedes neue Ausrüstungsteil weckt sofort die Neugier darauf, welche verrückte Idee Nintendo diesmal umgesetzt hat. Die Jagd nach immer besseren Waffen und Upgrades muss als langfristige Motivation allerdings auch genügen.
Farblose Level-Architektur
Wo Story, Waffen und Gadgets noch viele kreative Ideen bieten, geraten die eigentlichen Level leider erschreckend eintönig. Das gilt sowohl für ihre Gestaltung als auch für eure Missionen. Entweder kämpft ihr euch durch einen linearen Schlauchlevel von Arena zu Arena, bis ihr einen großen Kristall erreicht, oder ihr arbeitet euch durch ein offeneres Gebiet, sammelt genügend Fischeier und öffnet damit den Weg zum nächsten Kristall. Alternativ verteidigt ihr einfach Arena um Arena, bis ihr genug Fischeier gesammelt habt, um weitermachen zu dürfen. Für etwas Abwechslung sorgen lediglich einige Bosskämpfe.
Um die Monotonie zusätzlich zu verstärken, steht schon bald Grind auf dem Programm. Ihr absolviert dieselben Level mehrfach und dürft sie sogar während der Kampagne noch einmal in höheren Schwierigkeitsgraden angehen. Hier hat sich Nintendo leider nicht besonders weit aus dem Fenster gelehnt.
Die größte Abwechslung liefern dagegen die wirklich gelungenen Herausforderungs-Level, in denen ihr zusätzliche Fertigkeitspunkte verdient. Dort absolviert ihr Hindernisparcours mit einem vorgegebenen Loadout. So öffnet sich die Tür zum nächsten Abschnitt beispielsweise nur dann, wenn ihr mehrere Ballons innerhalb kürzester Zeit ausschließlich mit dem Farb-Beil platzen lasst. Das sorgt für einige knifflige Geschicklichkeitsprüfungen und Rätsel, die eure grauen Zellen ordentlich fordern. Wobei die bei Splatoon vermutlich ebenfalls bunt eingefärbt wären.
Saisonale Events oder DLCs hat Nintendo bislang nicht angekündigt. Ist Splatoon Raiders abgeschlossen, endet damit vorerst auch der Nachschub. Wer regelmäßig neue Inhalte erwartet, dürfte deshalb weiterhin besser bei Splatoon 3 aufgehoben sein. Dort sorgen die im Dreimonatsrhythmus wechselnden Seasons und Splatfests dauerhaft für frischen Content. Zumal Splatoon 3 gerade einmal rund zehn Euro mehr kostet als Raiders. Sollte Nintendo also nicht noch mit kostenlosen Erweiterungen nachlegen, könnte der Ausflug auf die Spiralit-Inseln schneller vorbei sein, als ihr „daratike dirote hatimati“ sagen könnt.
Greift zu, wenn...ihr gemeinsam mit Freunden einen entspannten Koop-Dungeon-Crawler im Splatoon-Universum sucht.
Spart es euch, wenn...euch repetitive Missionen und Grind schnell langweilen.


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