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Test - Kiln : Test: Das neue Spiel der Psychonauts-Macher ist super charmant, bietet aber zu wenig Substanz

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Kiln ist komplett untergegangen. Auf Steam hat das Multiplayer-Spiel von Double Fine laut SteamDB zwei Wochen nach Release nicht einmal mehr 60 Spieler zu Hochzeiten - und der Spitzenwert lag bei gerade einmal 193 zeitgleich aktiven Nutzern. Nun liegen mir keine Zahlen zur Xbox- und PS5-Version vor und wir dürfen nicht vergessen, dass Kiln im Game Pass ist. Aber wenn man bedenkt, dass auf Metacritic gerade mal 28 Reviews von der Spielepresse gelistet sind, kann man wahrlich davon reden, dass sich kaum jemand für den Titel interessiert. Nachdem ich Kiln gespielt habe, kann ich das auch ehrlich gesagt niemandem übelnehmen.

Dabei ist die Grundidee wirklich fantastisch und hat mich schon bei der Ankündigung im Januar total begeistert: Ihr spielt einen Geist, der die Kontrolle über Tongefäße beziehungsweise -geschirr übernehmen kann. So lauft oder rollt ihr als Vase, Kanne, Tasse oder Teller durch die Gegend und nehmt an 4-gegen-4-Multiplayer-Scharmützeln teil, in denen es darum geht, den Brennofen des gegnerischen Teams zu löschen.

Dazu sammelt ihr Wasser auf, das ihr anschließend in die Öffnung des Ofens eurer Kontrahenten spritzt, während ihr parallel eure eigene Brennkammer verteidigt. Wer zuerst das Feuer der Konkurrenz komplett zum Erlöschen bringt, gewinnt.

Ich habe null Interesse am Töpfern, aber in Kiln macht das richtig Spaß

Das Tolle an Kiln: Ihr erstellt eure Gefäße selbst. Das ist super intuitiv: Mit dem Cursor zieht ihr den sich drehenden Ton nach oben, unten oder zu den Seiten oder drückt ihn wieder zusammen. Dabei gibt es mehrere Punkte, an denen ihr das Material anfassen könnt. So entstehen im Nu die unterschiedlichsten Formen, die sich nicht nur optisch unterscheiden, sondern auch spielerisch.

In Kiln gibt es kleine, mittelgroße und große Gefäße. Erstere sind schnell und wendig, halten aber nicht viel aus, letztere sind langsam, aber die Tanks unter den Keramiken. Die mittelgroßen Exemplare sind am ausgewogensten. Auf diese drei Grundtypen verteilen sich 24 unterschiedliche Formen, jede davon hat eine eigene Spezialfähigkeit. Eine Flasche zum Beispiel stößt dann nach vorne und verursacht schweren Schaden an einem einzelnen Ziel, wohingegen ein Krug für kurze Zeit zur Sanduhr wird und in seinem Umkreis die Zeit und damit die Bewegungen eurer Gegner verlangsamt.

Das Formen und Gestalten eigener Keramiken macht sehr viel Spaß, zumal ihr eure Kreationen im Nachgang mit Aufklebern, einer Vielzahl an Farben und Aufsätzen nach eigenem Gusto dekorieren könnt. Die ganzen kosmetischen Anpassungsoptionen müsst ihr euch aber erstmal erspielen. Für jede abgeschlossene Partie erhaltet ihr Erfahrungspunkte, sodass ihr im Level aufsteigt und neue Glasuren, Henkel, Ornamente und mehr zum Kauf mit gesammelter Währung freischaltet. Mikrotransaktionen gibt es übrigens nicht, alle kosmetischen Items bekommt ihr rein durchs Spielen.

Präsentation auf gewohntem Double-Fine-Niveau

Eine weitere große Stärke von Kiln ist die große Portion Charme, die der Titel versprüht. Das ist etwas, das sich durch viele Spiele von Double Fine zieht. Man denke nur an Psychonauts, Stacking oder das 2025 erschienene Keeper. Die Geister sind niedlich designt (ihr erstellt euren zu Beginn des Spiels selbst) und das Spiel weist eine hohe Animationsqualität auf. Sowohl die Spezialfähigkeiten als auch die Figuren und Arenen sind toll in Szene gesetzt.

Dazu kommt eine sehr eingängige Steuerung. Egal ob mit dem Gamepad oder Maus und Tastatur, euer Tongefäß lenkt sich sehr flüssig über die Maps. Eine nette Idee im Design der Karten: Es gibt enge Passagen, durch die nur kleine Objekte passen. Dafür fassen die am wenigsten Wasser.

Spielerisch zu wenig

Trotzdem ist die Luft leider sehr schnell raus. Mit den zahlreichen freischaltbaren kosmetischen Dingen wäre zwar eine Motivation gegeben, eine Runde Kiln nach der anderen zu spielen, aber schon nach zwei, drei Durchgängen bin ich nicht mehr ausreichend dazu angestachelt, weiter Feuerlöscher zu spielen.

Das liegt hauptsächlich daran, dass das Gameplay schlicht nicht genügend Tiefe bietet. Ja, die Gefäßgröße und -form hat Auswirkungen darauf, wie ich mich fortbewege, welche Wege ich gehen, wie viel Wasser ich tragen und wie viel Schaden ich einstecken kann. Aber selbst wenn man all das und die Spezialfähigkeiten, die sich durchaus taktisch einsetzen lassen, bedenkt: Das, was ich die meiste Zeit über in Kiln tue, langweilt mich bereits nach wenigen Partien.

Ich laufe oder rolle (quasi die Sprintfunktion von Kiln) umher auf der Suche nach Wasser, begebe mich dann zum feindlichen Ofen und versuche, die Flüssigkeit dort rein zu spritzen, ohne vorher von den gegnerischen Verteidigern in Scherben gehauen zu werden. Die Kämpfe spielen sich viel zu eindimensional: Die meiste Zeit betreibe ich bloß Button-Mashing - und das mit einer einzigen Taste. Ich will nicht sagen, dass Kiln überhaupt gar keinen Skill erfordert. Aber ohne Ausweichfunktion, ohne Blocken-Mechanik und Ausdauersystem resultiert das Geschehen meist in chaotischer Action, vor allem dann, wenn mehr als zwei Spieler beteiligt sind. Daran ändern auch die Spezialattacken nichts.

Klar, Kiln will ein lockerer Spaß für zwischendurch sein, kein hochkompetitiver E-Sports-Titel. Aber das gilt genauso für Party Animals. Zugegeben, das würde ich nun auch nicht jeden Tag spielen wollen. Doch ab und zu mit Freunden einen ganzen Abend damit zu verbringen, sich als süße Tiere gegenseitig zu vermöbeln, dafür bin ich voll zu haben. Was Party Animals im Vergleich zu Kiln hat: ein unterhaltsames Gameplay, interessantere Maps und verschiedene Modi.

Kiln hat, Stand jetzt, nur diesen einen Spielmodus und gerade mal fünf Karten. Die Arenen verfügen zwar über ihre Eigenheiten, etwa Laufbänder auf der einen und auf- sowie absteigende Lava auf der anderen Seite, aber es sind eben viel zu wenige Schauplätze und die Besonderheiten in der Gestaltung ändern nicht viel an der Grundproblematik des Spiels.

Nun kostet Kiln nur knapp 20 Euro und ist hochwertig produziert. Aber das bringt mir ja nichts, wenn ich nach zwei Stunden denke: “Ja, reicht dann auch für die nächsten Wochen.” Wäre das Ganze Teil eines größeren Spiels, also etwa ein PvP-Modus innerhalb eines Koop-Abenteuers oder ein Minispiel in Mario Party, würde ich es dort sehr begrüßen. Wie gesagt, für ein paar Runden macht Kiln Laune, aber dem Titel geht aufgrund des limitierten Gameplays und der kaum vorhandenen Abwechslung zu schnell die Puste aus.

Greift zu, wenn...

… ihr Game-Pass-Kunde seid und mit Freunden mal ein, zwei Stündchen lang einen simplen, charmanten Brawler spielen wollt.

Spart es euch, wenn...

… ihr Gameplay mit Tiefgang erwartet, das euch stundenlang motiviert.

Fazit

Jens Bremicker - Portraitvon Jens Bremicker
Vielleicht doch lieber im echten Leben töpfern

Die Idee für Kiln ist in einem internen Game Jam bei Double Fine entstanden - und genauso fühlt sich das fertige Spiel auch an: wie ein Prototyp mit toller Prämisse, der aber noch nicht ausgereift genug ist, um für etliche Stunden bei Laune zu halten. Von einem Spiel, das 20 Euro kostet, erwarte ich aber mehr als lediglich freischaltbare Kosmetik, damit es langfristig fesselt.

Ich kann nicht oft genug betonen, wie toll ich die Kernidee finde, wie großartig der Editor ist. Mit wenigen Eingaben zaubere ich die vielfältigsten Tongefäße auf den Bildschirm und das virtuelle Töpfern fühlt sich klasse an. Auch die Gestaltungsoptionen gefallen mir, aber wenn ich, um diese alle freizuschalten, stundenlang immer das gleiche, seichte Gameplay spielen muss, bin ich raus. Nach zwei Runden dachte ich noch: “Och, das ist nett.” Nach fünf Runden, in denen ich bereits eine Map zweimal gespielt hatte, wollte ich dringend was anderes machen.

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Als Minigame in einem Spiel wie Mario Party wäre Kiln super lustig und unterhaltsam. Aber würde ich dieses eine Minigame einen ganzen Abend lang spielen wollen? Auf keinen Fall. Kiln bietet schlicht zu wenig Substanz, um damit ein komplettes Spiel zu tragen. Schade um den schönen Editor, schade um die charmante Präsentation, schade für Double Fine, das doch Erfolge braucht, um noch viele weitere Jahre lang kreative Ideen umzusetzen. Aber ich kann der breiten Masse irgendwie nicht böse sein, dass sie Kiln ignoriert.

Überblick

Pro

  • total charmant
  • toller Editor
  • viele Möglichen zum Dekorieren der eigenen Gefäße
  • keine Mikrotransaktionen
  • eingängige Steuerung

Contra

  • Gameplay geht zu schnell die Puste aus
  • gerade mal fünf Karten
  • nur ein Spielmodus

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