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Test - Patapon 1+2 Replay : Test: Die Rhythmus-Krieger sind zurück – besser als je zuvor!

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Als Tester sollte ich neutral sein. Vergleichen, abwägen, kritisieren, einordnen. Aber bei Patapon fällt mir das enorm schwer. Bereits beim PSP-Debüt anno 2007 habe ich mich in dieses Spiel verliebt, vor allem aufgrund seines unvergleichlichen Stils und des auf Trommel-Rhythmen basierenden Spielablaufs. Und zwar so sehr, dass ich die kämpfenden Augäpfel längst als Tattoo auf meinem Oberarm trage. Patapon und ich, das ist eine ganz besondere Beziehung. Aber es ist auch eine, die nicht jeder führen könnte.

Der Name deutet es schon an: Patapon 1+2 Replay ist eine überarbeitete Neuauflage von Patapon und Patapon 2, die erstmals 2007 und 2008 für Sonys Handheld Playstation Portable erschienen. Remastered-Versionen beider Titel landeten 2017 und 2020 auf der PS4, boten abseits einer höheren Auflösung allerdings keine wesentlichen Verbesserungen. Das sieht nun anders aus: 4K-Auflösung, drei einstellbare Schwierigkeitsgrade, anpassbares Tastendruck-Timing und permanent sichtbare Trommel-Kommandos gibt’s auf allen Systemen. Switch-exklusiv ist dagegen ein lokaler Koop-Modus für vier Leute. 

Frei von Macken kommt die Neuauflage allerdings nicht daher. Ein Import der Remastered-Spielstände von der Playstation 4 ist nicht möglich, daher müsst ihr beide Abenteuer von vorne beginnen. Genauso unverständlich ist, dass die Optionen nicht in den jeweiligen Titeln, sondern im Hauptmenü untergebracht sind. Wollt ihr beispielsweise das Input-Timing verändern, bleibt euch nur, das jeweilige Spiel zu verlassen, die Anpassung vorzunehmen und wieder zurückzugehen – in der Hoffnung, dass ihr die richtige Einstellung gefunden habt. Ansonsten geht das Spielchen von vorne los.

Auf nach Erdend

Nun aber genug von Geschichte und Technik. Worum geht’s überhaupt? Die Patapons sind ein Stamm kleiner einäugiger Krieger, der ohne Antrieb im Nirgendwo lebt. Doch als der “Allmächtige” (nämlich ihr) nach langer Abwesenheit zurückkehrt, entfacht das ihren sagenhaften Kampfgeist. Sie ziehen los, um eine neue Heimat zu finden: das legendäre Erdend. Der Weg dorthin führt durch Wälder, Steppen, Wüsten und Dörfer, die gepflastert sind mit Monstern, feindlichen Stämmen und anderen Gefahren. Doch sobald der “Allmächtige” auf die magischen Trommeln schlägt, verlieren die Patapons jegliche Furcht und marschieren los.

Über die vier Buttons spielt ihr unterschiedliche Rhythmen – jeder Knopf ist einer Trommel zugeordnet. Dreimal Viereck und einmal Kreis steht für die Abfolge “Pata-Pata-Pata-Pon” und lässt die Truppe vorwärts marschieren, immer von links nach rechts. Treffen sie dabei auf einen Gegner, sorgt “Pon-Pon-Pata-Pon” dafür, dass die Kerlchen mit Pfeilen, Speeren, Äxten, Schwertern und weiteren Waffen attackieren. Müssen sich die Patapons verteidigen, trommelt ihr “Chaka-Chaka-Pata-Pon” – schon nehmen sie eine Abwehrhaltung ein oder halten ihre kleinen Schilde schützend vor sich. 

Im Spielverlauf lernt ihr weitere Kombinationen kennen, die mit außerordentlich hilfreichen Effekten aufwarten. Beispielsweise kühlt ihr den brennend heißen Wüstensand mit einem ordentlichen Regenschauer ab, damit die einäugigen Burschen gefahrlos hindurch marschieren können. 

Kein Fever ohne Taktgefühl

Hört sich simpel an, oder? Bisschen hier drücken, bisschen dort drücken, schon läuft die Bande. Von wegen! Sobald ihr aus dem Viervierteltakt kommt und nur eine der Trommeln zu früh oder zu spät drückt, bleiben die Patapons sofort stehen – ganz egal, ob sie gerade vorwärts laufen oder sich inmitten einer Schlacht befinden. Ohne den korrekten Beat rühren die Kollegen keines ihrer dünnen Ärmchen oder Beinchen. 

Im Takt zu bleiben, fiel auf der PSP sehr schwer. Auf der PS4 war es besser, aber nicht gut. Die Replay-Versionen bieten nun die mit Abstand beste Erfahrung. Es ist enorm, wie viel besser sich Patapon 1 und 2 dank 60 Bildern pro Sekunde, einstellbarem Tastendruck-Timing und (auf Wunsch) immer sichtbaren Kommandos spielen. Wer das einmal erlebt hat, geht nie wieder zurück zu den vorherigen Fassungen – das kann ich euch nach einem Selbsttest garantieren!

Die Neuerungen machen beide Spiele einfacher, allerdings nicht leicht. Auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad fallen zwar die Gegner schneller, trotzdem müssen eure Aufmerksamkeit und das Taktgefühl stabil sein. Erwischt ihr die Trommeln (respektive Tasten) nämlich mehrmals hintereinander mit perfektem Timing, wechseln die Patapons in den Fever-Modus, der all ihre Fähigkeiten verstärkt. Unter anderem werfen sie ihre Speere deutlich weiter und blocken eingehende Attacken effektiver ab.

Dieser Zustand hält allerdings nur so lange an, wie ihr im Takt bleibt. Fever aufrecht zu erhalten, ist schon in normalen Missionen immens wichtig: Ohne die zusätzliche Power hat eure Truppe selbst mit vermeintlich schwachen Gegnern ihre Probleme. Kommt ihr während der knackigen Bosskämpfe aus dem Tritt, gehen mit großer Wahrscheinlichkeit gleich ein paar Einheiten drauf. Und das tut weh!

Zum einen schwindet eure aktuelle Kampfkraft beträchtlich, wenn plötzlich Yumipons (Bogenschützen), Yaripons (Speerwerfer), Tatepons (Nahkämpfer) oder Kibapons (Reiter mit Langwaffen) fehlen. Zum anderen gehen im Kampf gefallene Einheiten endgültig verloren, wenn es euch nicht gelingt, ihre Federn einzusammeln – ausschließlich damit könnt ihr sie später wiederbeleben. Das ist vor allem bei den Endgegnern schwierig, denn sie fressen eure Krieger oftmals am Stück. Da bleibt zum Sammeln nix mehr übrig!

In der Hub-Stadt Patapolis lassen sich zwischen den Missionen zwar neue Patapons erzeugen, allerdings verbraucht dieser Vorgang seltene Ressourcen. Darum müsst ihr Abschnitte mehrmals spielen, um an genügend Steine, Holz, Eisen und weitere Materialien zu gelangen. Dieser Grind macht beide Spiele vor allem zu Beginn sehr zäh. Aber auch danach gehören Wiederholungen zum festen Ablauf, andernfalls könnt ihr eure Truppe nicht mit stärkeren Einheiten aufstocken. "Allmächtiger" hin oder her, ihr müsst euch durchbeißen!

So knackig wie knuffig

Überwindet ihr jedoch die hohe Einstiegshürde und so manchen Frustmoment, werden die kleinen Krieger mit Sicherheit euer Herz erobern. Ihre putzigen Animationen bei Marsch und Kampf, ihr mitreißender Gesang im Fever-Modus, die ulkigen Figuren und Begegnungen in Patapolis, die verrückten Kreaturen in den Gebieten – beide Titel laufen über vor Charme und Witz. Das grafische und akustische Design war, ist und bleibt einzigartig. 

Aber auch die Verbesserung eurer Armee motiviert zum Weitermachen. Jede neue Einheit hat eine spürbare Auswirkung auf die Truppenstärke und ihre Dynamik. Mit der richtigen Kombination aus Patapons zerlegt ihr im Fever-Modus alles und jeden, auch die Bosse. Habt ihr deren Angriffsmuster verinnerlicht, lassen sie sich in der Folge quasi “austanzen”, indem ihr bestimmte Abfolgen offensiver und defensiver Aktionen wiederholt. Selbstverständlich steht auch dabei der richtige Rhythmus an erster Stelle.

Grundsätzlich werden eure Ausdauer und Lernbereitschaft belohnt. Es gibt stets Ansatzpunkte für Veränderungen, etwa bei der Aufstellung eurer Armee. Auf der Jagd ist es beispielsweise sinnvoll, die Nahkämpfer zu Hause in Patapolis zu lassen, weil ihr Geruch die Tiere verschreckt. Die Projektile von Speerwerfern und Bogenschützen sehen sie dagegen nicht kommen – das steigert die Chance auf reiche Beute beträchtlich. 

Unterschiedliche Waffen und Schilde verleihen den Patapons zudem mehr Durchschlagskraft oder einen erhöhten Schutz gegen bestimmte Elemente, zum Beispiel Feuer. Solche vermeintlichen Kleinigkeiten entscheiden oftmals über krachende Niederlage oder triumphalen Sieg, weil sie manchen feindlichen Attacken ihren Schrecken rauben.

Große Unterschiede zwischen den beiden Spielen existieren übrigens nicht. Patapon ist aufgrund seiner überschaubaren Menge an Kriegern und Spielmechaniken zugänglicher und kompakter. Der Nachfolger fällt mit mehr Einheiten, Helden, einem Upgrade-System und Herausforderungen komplexer aus. Story, Aufbau und Ablauf ähneln hingegen stark dem Vorgänger, sodass ihr am Ende mehr vom Gleichen bekommt. Das Fehlen des finalen Teils Patapon 3 von 2011 erklärt sich übrigens mit dessen starkem Fokus auf den Multiplayer-Part, der das Spiel von den Vorgängern abhebt.  

Greift zu, wenn...

… ihr zwei der besten Rhythmus-Spiele aller Zeiten noch nicht kennt.

Spart es euch, wenn...

… euch Trommeln und Grinden keinerlei Freude bereitet.

Fazit

Sascha Göddenhoff - Portraitvon Sascha Göddenhoff
Nach 18 Jahren: Hier kommt die definitive Patapon-Erfahrung!

Patapon hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, weil es einzigartige Grafik, kreative Spielidee und knackige Herausforderung zu einem unfassbar schmackhaften Cocktail vereint. Bereits auf der PSP habe ich mich komplett in diesem Rhythmus-Rambazamba verloren. Allein dafür war der Handheld sein Geld wert!

Heute, rund 18 Jahre später, gefallen mir die Titel besser denn je, und zwar aufgrund der enorm verbesserten Spielbarkeit. Vor allem das einstellbare Input-Timing eliminiert (zumindest für mich) jeglichen Frust, weil meine Eingaben endlich verzögerungsfrei umgesetzt werden. Früher musste ich früher oder später dran sein, heute stelle ich es passgenau ein, je nach Soundausgabe über Kopfhörer oder Surround-Anlage – herrlich!

>> Top 10: Spiele in Spielen – ein Spiel ist nie genug <<

Dennoch bleiben Patapon 1 und 2 eine Herausforderung. Ohne Taktgefühl geht es nicht, zudem braucht man die Muße zum Grind – ansonsten kommt keine gescheite Armee zusammen. Doch wer beides mitbringt, wird ganz bestimmt von den kleinen Kriegern mitgerissen. Stimmt der Groove, geht die Pata-Post ab! Dann kämpfen, singen und jubeln die Burschen mit einer ansteckenden Energie, die niemanden kalt lassen dürfte. Dank kurzer Levels eignen sich beide Spiele zudem wunderbar für ein paar Runden zwischendurch. 

Mir persönlich gefällt der erste Teil übrigens besser, weil der sich in Sachen Figuren und Mechaniken angenehm zurückhält. Fangt damit an, verliebt euch und setzt dann die Reise mit dem (ebenfalls charmanten) Nachfolger fort. Oder spielt beide Titel im stetigen Wechsel. Wie ihr es auch macht, wichtig ist nur: Lasst euch Patapon 1+2 Replay nicht entgehen! Außer, ihr habt überhaupt keinen Rhythmus im Blut.

Überblick

Pro

  • einzigartiges Spielgefühl
  • enorm knuffige Patapons
  • verschiedene Einheiten und Waffen
  • Verbesserungen wie 60 FPS und einstellbares Trommel-Timing

Contra

  • ohne Taktgefühl kaum spielbar
  • Grind für Ressourcen unumgänglich
  • Spielstände der PS4-Versionen nicht übertragbar
  • keinerlei Boni wie Artworks, Videos oder Kommentare

Awards

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