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Preview - Resident Evil Requiem : Angespielt: Zwei Helden, zwei Spielstile, ein Albtraum

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Nur noch ca. 30 Mal schlafen, bis uns der neunte Teil der Resident-Evil-Reihe endlich wieder zurück ins von Zombies verseuchte und von Bomben zertrümmerte Raccoon City schickt. So kurz vor Release spendierte mir Capcom noch einen letzten kurzen Vorab-Blick auf das blutige Abenteuer von FBI-Agentin Grace Ashcroft und überließ mir auch erstmals die Kontrolle über Resi-Posterboy Leon S. Kennedy. Und damit steht endgültig fest: Die beiden Charaktere könnten sich unterschiedlicher nicht spielen - im guten wie im schlechten Sinne.

Das offensichtlichste Merkmal dafür ist die unterschiedliche Perspektive. Wir wissen ja schon länger, dass wir im Menü zwischen First-Person- und Third-Person-Perspektive wechseln können, aber jetzt erklärt sich auch endlich, wieso. Standardmäßig sind alle Szenen mit Grace in der Ego-Ansicht, um näher am Geschehen zu sein. Zudem verstärkt die eingeschränkte Sicht die Paranoia, dass jederzeit ein Gegner von hinten angeschlurft kommen könnte.

Leon hingegen begleiten wir aus der Schulterperspektive, was mehr Überblick verleiht und das Spiel eher in Richtung Action-Shooter drückt. Das unterstreicht auch nochmal das unterschiedliche Waffenarsenal der beiden. Grace muss sich mit einer kleinen Handfeuerwaffe ohne richtigen Wumms abgeben, während Leon aus dem Vollen schöpfen darf. Und direkt sein erster Auftritt hat es in sich.

Das “S” steht für “Shotgun”!

Auf der Suche nach einem Doktor Gideon besucht Leon dessen Privatklinik. Ganz offensichtlich ist Leon aber Kassenpatient, denn trotz Termin lässt der Doc erstmal auf sich warten. Doch bevor Leon seine Nase in der aktuellen “Auto Motor Sport” vergraben kann, ertönt ein Alarm und das Krankenhaus wird abgeriegelt. Als dann auch noch die aschfahle Krankenschwester durch die Tür bricht und zur Blutspende auf direktem Weg und ohne Spritze aufruft, ist klar: Die Klinik wird von Zombies überrannt. Für den in die Jahre gekommenen Leon mittlerweile wohl ein ganz normaler Dienstag.

Die wilde Ballerei erfährt aber eine jähe Unterbrechung, als ein Infizierter mit Kettensäge den Raum betritt, um Leon einen Kopf kürzer zu machen. Und genau diese Kettensäge ist es, die den Ton setzen wird für die Resident-Evil-Erfahrung, die wir auf der Seite von Leon erleben werden. Nach dem (erneuten?) Ableben des Holzarbeiter-Zombies fällt das Werkzeug zu Boden und dreht sich lustig vor sich hin.

Körperteile fliegen durch die Gegend und meine Kinnlade fällt Richtung Erdboden, als der nächste Zombie das Ding einfach aufnimmt und damit auf mich zuläuft. Es folgt Slapstick-Comedy vom Feinsten, als ein Infizierter, bei dem sich Unter- und Oberschenkel nicht ganz einvernehmlich getrennt haben, zu Boden geht und von der Säge quer durch den Raum geschleift wird. Schließlich bekommt Leon das Werkzeug in die Finger und filetiert fleißig die anstürmenden Untoten.

Als dann endlich Ruhe einkehrt und ich knöcheltief in den Überresten ehemaliger Patienten stehe, wird mir klar, woran mich all das erinnert. Die Leon-Abschnitte in Resident Evil 9 sind eigentlich ein Resident Evil 4,5. Nicht der Story nach, aber die Entwickler scheinen vom großen Erfolg des Resi-4-Remakes von 2023 so motiviert gewesen zu sein, dass sie sich stark haben inspirieren lassen. Sogar Leons Wrestling-Moves und der Roundhouse-Kick haben es in Resident Evil Requiem geschafft.

Alle anderen Aspekte der Reihe hat man dann trennscharf an die zweite Protagonistin ausgelagert. Während sich Leon also mit der Shotgun im Anschlag durch Zombie-Horden pflügt, schlägt sich Grace mit Ressourcenknappheit, Schleicheinlagen und Rätseln herum. Klare Rollenverteilung also.

Amazing Grace

Grace steckt zeitgleich ebenfalls in der Klinik fest, ist gerade nochmal einer 3 Meter großen Zombie-Mama entkommen und sucht jetzt nach einem Ausgang. Ihr Weg ist nicht ganz so brutal, dafür aber nicht weniger blutig. Denn das rote Zeug steht nicht nur an jeder Ecke eimerweise (das ist wortwörtlich gemeint) herum, sondern bildet auch die Grundlage für das neue Crafting-System. Mit einem speziellen Gerät entzieht sie gefallenen Gegnern das Blut und bastelt nützlichen Kram daraus wie Munition, Heil-Items, Blut-Explosions-Spritzen (Insta-Kill beim Schleichangriff) oder sogar permanente Charakter-Verbesserungen.

Ansonsten besinnt sich Grace eher auf den Vibe der früheren Resi-Teile. Von der scheinbaren Freiheit trennt die FBI-Agentin nur ein Schloss, für dessen Öffnung es drei Medaillen bedarf, die an verschiedene hochrangige Person ausgegeben wurden. Klassiker! Und so erkunden wir die Gegend, lesen Berichte, sammeln Kram ein und erschließen uns nach und nach weitere Areale, zwischen denen wir hin- und herspringen müssen, um verschiedene Rätsel zu lösen.

Im Zuge dessen trifft Grace auch den mysteriösen Dr. Gideon und erfährt vom ebenso mysteriösen Elpis-Projekt, in dem Leon, Grace und ihre (verstorbene) Mutter wohl eine wichtige Rolle spielen. Hab ich schon erwähnt, dass das alles sehr mysteriös ist?

Noch bin ich mir nicht sicher, was ich von Grace und Leon als Gespann halten soll. Mehrere Protagonisten sind ja in Resi nicht ungewöhnlich und in Resident Evil 3 zum Beispiel behalf sich Soldat Carlos auch schon eher mit dem Maschinengewehr, während Claire Redfield auf ihren Verstand und ihre Geschicklichkeit vertraute. Der große Unterschied aber ist, dass in Resident Evil 3 die Carlos-Passagen recht kurz waren und lediglich eine nette Abwechslung zur zurückhaltenden Claire bildeten.

Laut Aussagen der Entwickler sollen Grace und Leon die Spielzeit in Requiem jedoch 50:50 untereinander aufteilen. Ob das eine gewinnbringende Verflechtung ist oder nur zum spielerischen Schleudertrauma führt, wird sich schon bald zeigen, wenn Resident Evil Requiem ab dem 27.2. in den (virtuellen) Regalen steht.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Ballern und bibbern - beides lecker!

Resident Evil Requiem wirkt nach meinem letzten Vorab-Blick wie ein bewusst gespaltenes Resi-Herz: Auf der einen Seite Leon, der mit Shotgun und Kettensäge die Action-Orgie aus Resident Evil 4 fortführt, auf der anderen Grace, die mit Blut-Crafting, Rätseln und Ressourcenknappheit den Survival-Horror der alten Schule hochhält. Beide Spielstile für sich genommen funktionieren erstaunlich gut und fühlen sich angenehm hochwertig an. Die Leon-Passagen machen dank Slapstick-Gore und wuchtigem Gunplay sofort Laune, während Grace mit Atmosphäre, Mystery-Vibe und cleveren Mechaniken punktet.

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Das große Fragezeichen bleibt allerdings die 50:50-Aufteilung der Spielzeit. Was in der Demo noch als spannende Abwechslung durchgeht, könnte im fertigen Spiel ein holpriger Ritt werden, wenn der ständige Perspektiv- und Tempo-Wechsel nicht sauber verzahnt ist. Story, Präsentation und Qualität stimmen mich dennoch optimistisch und das neue Crafting-System bringt frischen Wind in bekannte Resi-Gefilde. Bleiben wir also gespannt, ob Capcom diesen Drahtseilakt sauber zu Ende tanzt.

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