Test - Skate Story : Test: Selbst ein realer Drogentrip ist nur halb so irre
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Skateboarding in Videospielen erlebt aktuell einen zweiten Frühling. Tony Hawk’s Pro Skater ist zurück, skate. ebenso und mit Skate Story widmet sich jetzt ein weiterer Titel dem schönsten Rollsport der Welt. Allerdings deutet Devolver Digital als Publisher schon an, dass es sich hier nicht um die typische Repräsentation des Funsports handelt. Doch wie abgedreht es hier zugeht, das spottet jeglicher Beschreibung.
Schon bei der Steuerung pusht der Entwickler Sam Eng auf anderen Pfaden. Zwar schiebt ihr klassisch mit einem einzelnen Button an und auch ein Ollie erfolgt vergleichsweise simpel. Allerdings kommt hier eine Timing-Komponente ins Spiel. Lasst ihr die Taste im exakt richtigen Zeitpunkt los, springt ihr höher und erhaltet mehr Punkte. Selbiges gilt auch für alle anderen Tricks.
Diese führt ihr durch Gedrückthalten der Schultertasten aus. Kombiniert ihr Trigger und Bumper miteinander, vollführt euer gläserner Skater Variationen wie Varial Flips oder Laserflips. Ein doppelter Druck auf die Ollie-Taste in Kombination mit einer Stick-Drehung lässt euch Body Varials vollführen, und springt ihr auf Kanten, grindet euer Held automatisch.
Weltenfresser
In der Rolle eines Skaters aus Glas und Schmerzen pusht ihr durch die Unterwelt, zunächst auf der Jagd nach dem Mond. Unweigerlich erreicht ihr ihn und verspeist ihn. Warum genau? Diese Frage beantwortet das Spiel nicht so wirklich. Die Skate Story wird so kryptisch erzählt, dass sie haufenweise Raum für Interpretationen lässt.
Die offensichtlichen Elemente beziehen sich auf die Göttliche Komödie. Neun Kapitel umfasst Skate Story, mit gleichermaßen vielen Ringen beschrieb Dante die Hölle. Immer wieder beobachten euch Augen, die euch das Skateboarden verbieten wollen. Sogar als „die schlimmste Sünde“ beschreiben sie den Sport - ein klarer Bezug auf den oftmals noch immer negativen öffentlichen Ruf, trotz Aufnahme in die Olympischen Spiele.
Doch bei einigen Punkten frage ich mich ernsthaft, was Sam Eng uns mitteilen will – wenn es überhaupt einen tieferen Sinn gibt. Warum verdingt sich ein Frosch als Barista und weshalb lande ich vor Gericht, weil ich ein Nickerchen gemacht habe? Hat der Teufel niemand anderen, der seine Wäsche macht?
Hier lassen sich potenziell interessante Parallelen zu unserem alltäglichen Leben ziehen. Die Willkür der modernen Welt und all ihrer Regeln, Pflichten und Verbote verträgt sich perfekt mit dem selbstbestimmten, fast schon anarchistischen Grundgedanken von Skateboarding – der unter der Professionalisierung leidet wie sonst kein anderer Sport.
Who makes Rules for Skateboarding?
Einst stellte Mike Vallely diese Frage – und im Kontext der Skate-Hölle von Skate Story passt sie so gut wie selten. Denn um sämtliche Monde zu verspeisen, rast ihr regelmäßig durch Hindernisparcours, die ihr nur übersteht, wenn ihr an speziellen Stellen Tricks vollführt und euch fast schon wie in einem Jump-and-Run über Hindernisse werft.
Manchmal gibt euch Skate Story sogar direkt vor, welche Manöver ihr vollführen sollt. Zudem findet sich eine sehr direkte Hommage an Tony Hawk’s Pro Skater in einigen Abschnitten. Oder wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass Sam Eng euch Buchstaben einsammeln lassen würde, wenn er es nicht vor Jahren bei Activisions legendärer Reihe gesehen hätte?
So gestalten sich die eigentlichen Missionen von Skate Story weitestgehend simpel. Zumeist pusht ihr zu fest definierten Punkten, sammelt etwas ein, erledigt ein paar Tricks oder übersteht ein paar Hindernisstrecken. Lediglich die Bosskämpfe bringen etwas Abwechslung in den Rollbrett-Alltag.
Die Lebensbalken der Obermotze leert ihr natürlich auch durch ausgeführte Tricks. Je höher euer Score, desto mehr Schaden verursacht ihr, es gilt also, möglichst saftige Kombos auf den Asphalt zu bringen. Seid ihr mit der Punktezahl zufrieden, stampft ihr nach einem Ollie oder Trick bei der Landung kräftig auf und knallt dem Boss so ordentlich eine vor den Latz.
Ein Trip für alle Sinne
Auch optisch hat Skate Story herzlich wenig mit anderen Funsport-Titeln zu tun. Euren Skater aus Spiegel-Elementen zusammenzusetzen, ist im Kontext des Sports tatsächlich clever, denn jedes Hängenbleiben am Randstein kann euch potenziell zerbrechen. Unsere Glaskörper sind schließlich fragile Konstrukte – und lasst mich euch sagen: Als jemand, der mit über 30 noch gelegentlich aufs Board steigt, verstehe ich diese Analogie nur zu gut.
Die Unterwelt selbst besteht aus grobschlächtigen Texturen und auch die seltsamen Bewohner fahren nicht übertrieben viele Details auf. Die kaffeesüchtige Journalistenkrähe bringt aber doch einen gewissen Charme, der nicht von ungefähr an die erste PlayStation erinnert und sich mit der Musik zu einem einzigartigen Erlebnis verknotet.
Dabei fällt es gar nicht so leicht, den Soundtrack von Skate Story zu beschreiben. Denn im einen Moment dröhnen basslastige Synthesizer-Sounds aus den Boxen, dann gibt es wieder entspannten Reggae und plötzlich schreddern E-Gitarren durch eure Gehörgänge. Eines ist aber sicher: Der Soundtrack fängt nahezu jeden Aspekt der echten Kultur ein.
Greift zu, wenn...… ihr auf experimentelle Konzepte und vages Storytelling steht, das viel Raum zur Interpretation lässt.
Spart es euch, wenn...… ihr ein ernstzunehmendes Skateboard-Spiel mit realistischen Mechaniken und Fokus auf den Sport erwartet.



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