News - RAM-Markt : Samsung, SK Hynix und Micron wegen künstlicher Verknappung verklagt
PC-Spezialisten und Konsolenspieler leiden seit Monaten unter drastisch steigenden Hardware-Preisen, nun folgt das juristische Nachspiel. Vor einem Bundsgericht in Kalifornien wurde eine weitreichende Sammelklage gegen Samsung, SK Hynix und Micron eingereicht. Die Kläger werfen dem Trio, das zusammen rund 90 Prozent des weltweiten DRAM-Marktes kontrolliert, kartellähnliche Absprachen vor. Sie sollen die Produktion von herkömmlichem Arbeitsspeicher für Endverbraucher gezielt gedrosselt haben, um eine künstliche Verknappung zu erzeugen und über dem Wettbewerbsniveau liegende Preise durchzusetzen.
Die Anklageschrift der Kartellrechtsspezialisten von Bathaee Dunne LLP zeichnet ein klares Bild des Vorwurfs. Die drei Chip-Giganten sollen den aktuellen Hype um künstliche Intelligenz als Vorwand genutzt haben, um die Produktion von klassischem DDR3- und DDR4-Arbeitsspeicher koordiniert herunterzufahren.
Stattdessen verlagerten sie ihre Ressourcen massiv auf die Herstellung von sogenanntem HBM-Speicher (High-Bandwidth Memory), der primär in teuren KI-Rechenzentren zum Einsatz kommt. Die Folge für den normalen Verbrauchermarkt ist verheerend. Die Preise für konventionellen DRAM-Speicher sind in den letzten vier Jahren laut Klageschrift um rund 700 Prozent explodiert.
Als Paradebeispiel für das angeblich unlogische Marktverhalten wird Micron angeführt. Das US-Unternehmen stampfte 2025 seine bekannte, extrem populäre Endverbraucher-Marke Crucial DRAM ein und das zu einem Zeitpunkt, als das Geschäft laut Analysten so profitabel war wie nie zuvor.
In einem gesunden, wettbewerbsorientierten Markt hätte mindestens einer der drei Großproduzenten die Chance nutzen müssen, um die Produktion hochzufahren und den gierigen Markt zu bedienen. Dass dies nicht geschah, sondern alle drei Hersteller synchron das Angebot verknappten, sehen die Anwälte als klaren Beweis für illegale Absprachen im Hinterzimmer. Ein neuer Mitbewerber kann den Markt zudem kaum regulieren, da der Bau einer einzigen modernen Chip-Fabrik bis zu 20 Milliarden US-Dollar verschlingt und Jahre dauert.
Für die Beschuldigten ist es nicht das erste Mal auf der Anklagebank. Bereits im Jahr 2005 bekannten sich Samsung und SK Hynix in einem der größten Kartellverfahren der US-Geschichte wegen Preisabsprachen bei DRAM-Speichern für schuldig und mussten Bußgelder in dreistelliger Millionenhöhe zahlen. Micron entging der Strafe damals nur, weil sie als Kronzeuge mit den Behörden kooperierten.
Die aktuelle "RAMageddon" genannte Krise belastet die Tech- und Gaming-Branche schwer. Da Arbeitsspeicher eine der Kernkomponenten in PCs, Smartphones und Gaming-Hardware ist, treiben die astronomischen Chip-Kosten die Endpreise für Verbraucher unaufhaltsam nach oben. Sollte die Klage Erfolg haben, könnte dies die Preisstrukturen der gesamten Industrie erschüttern. Falls die Speicherpreise jedoch auf diesem Niveau verharren, droht der Tech-Welt ein dauerhaft teures Pflaster, was auch erhebliche Auswirkungen auf die Preisgestaltung kommender Hardware-Generationen wie der PlayStation 6 oder der nächsten Xbox haben dürfte.

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