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Test - Valerion VisionMaster Pro 2 : Zocken auf 300 Zoll zum Preis eines OLED-TV

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Beamer waren für Gamer bisher nicht besonders attraktiv. Zu teuer, zu langsam, zu umständlich. Ausnahmen bestätigen die Regel, von denen immer mehr erscheinen, um großen Fernsehern den Rang abzulaufen. So auch der Valerion VisionMaster Pro 2, sowie seine drei Brüder, die mit leicht veränderter Ausstattung daherkommen. Valerion verspricht irre immersives Gaming auf bis zu 300 Zoll, mit blitzschnellen Reaktionszeiten, hohen Bildraten und HDR. Und natürlich hohes Vergnügen fürs Heimkino. Werden diese Versprechen gehalten?

Videospiele sind fantastische Benchmarks für Fernseher, gerade wenn es um Farben und Kontraste geht. In den letzten Jahren gab es so manche Gelegenheit, in dieser Hinsicht Bauklötze zu staunen. Aber ein Beamer? Trotz einer ersten Ansicht auf der IFA waren wir skeptisch. Die noch junge Schwesterfirma des etablierten Projektor-Herstellers Awol warf mit Zahlen um sich, die uns zu gut vorkamen, um wahr zu sein.

Tia, so kann man sich irren. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Wir sind echt begeistert von diesem Long Throw Laser-Beamer, der dank modernstem Digital Light Processing (kurz DLP) auch für Gamer interessant ist. Nicht in jeder Hinsicht, aber im Großen und Ganzen, ist das Ding ein Preis-Leistungs-Hammer.

Die reinen Fakten

Bevor wir erklären, was uns überzeugen konnte und was nicht, erst einmal ein paar pure Fakten: Valerion hat uns das Modell VisionMaster Pro 2 zur Verfügung gestellt – die zweitstärkste Variante des Line-Ups. Technisch noch etwas besser ist nur der VisionMaster Max, der mit einer Optiflex-Linse samt vertikalen Linsenverschiebung ausgestattet ist, sonst aber sehr ähnlich daherkommt. Zudem gibt es noch die beiden günstigeren Varianten mit den Namen VisionMaster Plus und Vision Master Pro (ohne 2 am Ende). Sie büßen etwas an Leuchtkraft ein und müssen auf einen optischen Zoom verzichten, sind aber ebenfalls hervorragende Geräte, welche die meisten Eigenschaften mit der Pro2-Variante teilen.

Nun aber zu unserem Testgerät, dem Pro2: Der kleine 7,5 Kilo schwere Metallkasten misst gerade mal 260 x 186 x 216 Zentimeter, wird in einer praktischen Transportbox geliefert und ist dank seiner mit Streben versehenen Aluminium-Verkleidung so stabil gebaut, dass er einem Druckgewicht von 100 Kilo standhält.

Dank des Google TV-Betriebssystems nutzt er alle erdenklichen Streaming Apps (Netflix, Disney, Paramount, YouTube und so weiter) und kann auch dank Sperenzchen wie Airplay das Bild eines Handys spiegeln. Ansonsten bezieht er Bildsignale über drei HDMI-Ports auf der Rückseite. Davon entsprechen zwei HDMI 2.1 (samt einem eARC-Port) und einer verweilt auf 2.0-Standard. Zwei USB-Anschlüsse und ein SPDIF-Ausgang für optisches Audio runden die Sache ab.

Zu guter Letzt sei die hochwertige Fernbedienung erwähnt, die gut in der Hand legt und deren Tasten teilweise hintergrundbeleuchtet sind. Praktisch bei einem Beamer, den man die meiste Zeit im Dunkeln einsetzt.

Schnell und scharf

Schonmal eine Ansage. Wichtiger ist aber, wie gut das Ding Inhalte auf die Leinwand bring. Das Bild bietet UHD-Auflösung bei 3.840 x 2160 Pixeln und laut Hersteller-Angabe 15 Millisekunden Reaktionszeit im Spiele- / PC-Modus in 4K. Kalibrierungsfunktionen von mehreren Musikspielen resultierten bei unserer Prüfung in einem Wert von 16 bis 17 Millisekunden, aber das dürfte im Bereich einer typischen Messfehlermarge liegen. So oder so, es ist nur ein Bild pro Sekunde und damit mehr als nur tauglich für ordentliches Spielen.

Das UHD-Bild wird allerdings nicht nativ erreicht, sondern durch eine günstigere zu verwirklichende Pixel-Shift-Methode, bei der der verbaute MT 9618-Chip seine auf 1080p basierende Ausgabe so schnell in mehrere nebeneinanderliegende Felder aufteilt, dass ihr es gar nicht mitbekommt. Puristen meckern über sowas, aber faktisch fällt das nicht auf, weil ja trotzdem die volle Anzahl an Pixeln dargestellt wird. Nur eben in einer Mordsgeschwindigkeit nacheinander statt gleichzeitig. Das 4K-Bild ist jedenfalls knackscharf, absolut stabil ohne eine Spur von erkennbarem Flackern und zeigt alle Details einer nativen UHD-Darstellung. Im Klartext: Das Bild wird nicht hochgerechnet oder durch anderweitige Mogelei produziert. Es ist lediglich die Laser-Projektion, die statt eines vollen UHD-Bilds mehrere HD-Bilder nebeneinanderlegt, um auf die hohe Auflösung zu kommen.

Das bringt immerhin den Vorteil mit, dass die drei verbauten Laser schnell genug sind, um euch ein 1080p-Bild bei 240 Hertz aufzutischen – bei sagenhaften 4 Millisekunden Verzögerung. Filmfreunde freuen sich derweil über nativen 24-FPS-Output ohne Umrechnung auf 60 Hz. Diese Bildrate kann auf Wunsch auf 48 Bilder verdoppelt werden, was dem Weichrechnen von Kamerafahrten dient. 3D-Filme sind ebenfalls darstellbar, sofern ihr über eine passende DLP-3D-Brille verfügt.

Einrichten ist ein Kinderspiel. Dank Sensoren an der Front stellt sich der Beamer automatisch scharf und richtet auch sein Trapez selbstständig gerade, sodass ihr das Gerät nicht pingelig genau parallel zur Leinwand platzieren müsst. Wir haben einen Winkel von etwa 18 Grad gewählt und trotzdem ein Spitzenbild ohne Verzerrungen herausbekommen. Allerdings tendiert die Software nervigerweise dazu, die Bildgröße immer wieder per optischer Linsenverschiebung aufs maximum zu vergrößern, wenn man den Prozess voll automatisiert, und ihr sagt, sie solle Veränderungen jederzeit dynamisch korrigieren. Drum vertrauten wir lieber auf eine manuelle Einpassung des Bilds, die ebenfalls sehr bequem vonstattengeht.

Thema Stromverbrauch: Ein 180 Watt-Netzteil liegt dem Gerät bei. Während hellen HDR- Bildern konnten wir etwa 135 Watt Verbrauch messen. Das liegt weit unter dem, was ein 65-Zoll OLED-Fernseher bei HDR-Darstellung verbrät. Zum Vergleich: Ein 65 Zoll TV aus der G3-Serie von LG verbraucht in denselben Szenen etwa 190 Watt, ein Sony 65-Zoll A95K QD-OLED sogar 230 Watt.

Warum ein Beamer statt einem Fernseher?

Der größte Vorteil eine Beamers gegenüber einem Fernseher ist natürlich die Projektionsfläche. Kein Scherz: Die Immersion eines großen Bilds ist gerade bei Videospielen der Wahnsinn, zumal auch der Sound mit dem größeren Bild mehr Wucht bekommt. So als ob sich hören und sehen mit wachsenden Eindrücken gegenseitig befruchten würden. Unsere Dolby-Atmos-Anlage klang gefühlt lauter und schepperte heftiger, dabei hatte sie dieselben Einstellungen wie sonst auch.

Wenn ihr mal unterwegs sein solltet oder keine Anlage zur Verfügung steht, gibt das Gerät den Sound auch über zwei Zwölf-Watt-Treiber selbst aus. Und zwar gar nicht mal schlecht, weil eine gute Bassleistung dem Klangspektrum das nötige Fundament verleiht. Reicht locker für einen spontanen Fußballabend mit Kumpels. Dennoch raten wir zu einem Atmos-Receiver samt Boxen oder zumindest zu einer annehmbaren Soundbar, damit Bild und Ton sich zu einem Erlebnis hochpendeln.

Valerions Lifestyle-Beamer liefert in dieser Hinsicht echte Kinoverhältnisse, wenn nicht sogar in Teilaspekten noch Besseres, denn knallige Farben und Spitzlichter auf dem Niveau eines Fernsehers bekommt ihr in einem Standard-Kino nicht zu sehen. Dieser Projektor beherrscht derweil HDR, Dolby Vision, HDR10+ und das Imax-Enhanced-Format. Als wir den Kasten zum ersten Mal anschlossen, um Astrobot, God of War und Forza Horizon 5 zu spielen, schliffen unsere Kinnladen am Boden.

Dennoch müssen wir euch bei aller Träumerei von der Giganto-Immersion einen Zahn ziehen: Der Beamer kann 300 Zoll darstellen, das typische Anwendungsgebiet liegt aber eher bei einer Spanne zwischen 100 und 150 Zoll. Nicht nur, weil das die üblichen Größen für Heimkino-Leinwände sind, sondern weil man im Hinterkopf behalten muss, dass so ein Beamer ab einer bestimmten Projektionsfläche an Leuchtkraft einbüßt. Optischer Zoom (Faktor 0,9 – 1,5) hin oder her, er braucht einen gewissen Abstand von der Leinwand, um die vollen 300 Zoll zu erreichen, und das kostet selbst einen Laser-Beamer Darstellungskraft.

Dass der Valerion Vision Master tatsächlich ein farbkräftiges, riesiges Bild auf eine monströse Leinwand projizieren kann, durften wir schon auf der letzten IFA bestaunen. Die Leinwand war „nur“ 220 Zoll groß, aber es besteht von unserer Seite kein Zweifel daran, dass das Ding die 300 schafft. Das nächste Fußballturnier an eine Stadionfassade werfen oder eine überlebensgroße Gran Turismo-Session an einer Hauswand? Kein Problem. Wird nur nicht ganz so hell ausfallen wie auf einer kleineren Leinwand.

Apropos hell: selbst bei Tageslicht erkennt man bei diesem Beamer noch sehr viel. Für‘s Casual Fernsehen und spielen reicht das dicke. Wir spielten Mario Kart 8 auf der Switch (also in wenig leuchtstarkem SDR) bei winterlichem Tageslicht auf einer normalen weißen Leinwand und die Rainbow-Road-Strecke sah noch immer aus wie ein berauschendes Farb-Bonbon. Wer mit vollem Kontrast zocken oder einen Film mit guten HDR-Spitzlichtern genießen will, sollte dennoch sämtliche Fenster verdunkeln.

Per digitalem Zoom und bei kurzer Projektionsdistanz bekommt kann man das Bild übrigens auch kleiner. Am unteren Ende sind es 40 Zoll. Perlen vor die Säue! Wir gaben uns zu Testzwecken die meiste Zeit mit angenehmen 100 Zoll zufrieden. Um das Maximale an Eindrücken herauszuholen, besuchten wir Fachgeschäfte wie etwa die Heimkino-Boutique in Berlin und probierten dort mehrere unterschiedliche Leinwand-Materialien aus. Mehr dazu später.

Grandiose Leuchtkraft zu einem erschwinglichen Preis.

Unter idealen Bedingungen schafft der Vision Master Pro2 etwas mehr als 3300 ISO-Lumen im hellsten Bildmodus, was umgerechnet knapp über 1000 Nits entsprechen würde, wenn das Licht nicht erst von der Leinwand zurückreflektieren müsste. Die Leinwand hat einen heftigen Einfluss darauf, wie das Bild letztendlich wirkt. Da der „Lebhaft“-Modus aufgrund seiner rot-lastigkeit nicht besonders farbecht ist, sind die Darstellungsmodi „Normal“ und „Kino“ zu bevorzugen. Damit erreicht er noch immer stolze 2300 bis 2700 ISO-Lumen.

HDR-Spitzlichter sind bei einem Beamer freilich nicht so schneidend und kräftig wie bei einem High-End OLED-Fernseher. Das liegt schlicht in der Natur der Projektion. Dennoch reicht es für ein gutes HDR-Bild allemal, zumal die Qualität - wie schon erwähnt - von eurer Leinwand abhängt.

Wobei das Kalibrieren für HDR-Effekte an der Spielkonsolen nicht gerade simpel verläuft. Valerions Software für dynamisches Tonemapping arbeitet nämlich so gut, dass die schwarzen Test-Karos immer wieder nach wenigen Sekunden sichtbar werden, wenn man den Helligkeitswert im Konsolen-Menü verstellt.

Das ist an sich kein Nachteil. Im Gegenteil: Valerions Software holt so aus bereits guten 4000:1 statischem Kontrast ansehnliche 15000:1 dynamischen Kontrast mit tollen Schwarzwerten heraus. Als wir das Spiel Ori and the Will of the Wisps auf Xbox Series X starteten, wurde das besonders deutlich sichtbar. Das Schwarz des Waldes blieb neben dem knalligen Weiß der Hauptfigur absolut stabil und satt. Es gab weder Black-Crushing, noch clippte die helle Aura der Spielfigur.

Apropos: Trotz der Hindernisse beim Kalibrieren der Konsolen-Helligkeit fummelten wir brauchbare Werte heraus. Auf Xbox Series X und PS5 clippten die kontrastreichsten Teile des Bilds auf unserem Screen erst ab der 700 Nit Konsolenvorgabe. Für einen Beamer ein irre guter Wert, zumal der Vorteil besteht, dass ihr auch so etwas wie Eishockey schauen könnt, ohne über lange Sicht eine Verdunklung der weißen Flächen befürchten zu müssen, wie es bei OLED-TVs der Fall ist.

Auch bei Filmen wie Mad Max Fury Road, Dune 1 und 2, Gladiator oder Beetlejuice Beetlejuice waren wir erstaunt, wie gut die Software die Balance bei heftigen Kontrasten halten kann. Das tintenartige Super-Schwarz eines OLED-TVs bekommt ihr trotz einer gut funktionierenden Nachberechnungsroutine, die tiefe Töne erhalten soll, freilich nicht zu sehen, aber der Schwarzwert ist trotzdem sehr ansehnlich. Lediglich bei extremen Szenenwechseln von knallig hell auf superdunkel fiel uns manchmal auf, dass die schwarzen Kino-Balken eines Films durch die Software-Kontrastanpassung ganz leicht mit dem Leuchtwert der Szene nach oben oder nach unten gezogen wurden. Fällt aber nur auf, wenn man mit Adleraugen darauf achtet.

Kann das Gerät dadurch mit einem 12000 Euro teuren JVC-Beamer mithalten? Nein! Aber der Unterschied fällt in der Praxis erstaunlich gering aus. Zu gering für Laien, um es ohne direkten Vergleich zu erkennen. Dabei wird Valerions Kraftpaket bei seiner offiziellen Veröffentlichung im Frühjahr 2025 nur einen Bruchteil so viel kosten, nämlich etwa 3000 Euro. Zumindest in dieser Ausführung.

Die etwas schwächer leuchtenden Varianten mit der Modellbezeichnung VisionMaster Plus und Pro dürften sich bei 2000 bis 2500 Euro einpendeln. Noch immer viel Geld, und die Chance, einen Rabatt von 40% über die eingängliche Kickstarter-Kampagne in Anspruch zu nehmen, ist leider verflogen. Der Gegenwert spricht trotzdem für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem dürften die Preise auf lange Sicht fallen.

Die Leinwand ist ein Faktor

Was beim Anschaffungspreis unbedingt mit auf die Rechnung muss, ist die Leinwand. Muss es eine superteure Leinwand sein? Nein, denn der Valerion VisionMaster bringt von sich aus eine hervorragende Leuchttaft auf die Waage. Zudem eignen sich einige teure Leinwände gar nicht so gut für das Gerät,

Tripple-Laser-Beamer, die für jede der drei Grundfarben (Rot, Grün, Blau) einen eigenen Strahl verwenden haben nämlich nicht nur Vorteile. Klar, die Aufteilung der Farbcodierung resultiert in fantastischen, ja geradezu knalligen Farben, die selbst den beiden besten aktuell erhältlichen QD-OLED-Fernsehern die Show vermiesen. Sonys A95L und Samsungs S95D kommen „nur“ auf rund 90% der lebensechten Rec. 2020-Palette. Das ist schon verdammt gut, aber der Valerion Vision Master schafft 110% in diesem Farbraum. Grobe Farbübergänge sind für das Gerät ein Fremdwort.

Der Nachteil bei der Sache: Laser-Beamer verursachen auf teuren Hochkontrast-Leinwänden sogenannten Laser-Speckle – eine Lichtgranulation, die dem Mura-Effekt bei einem VR-Headset ähnelt. Dies konnten wir durch das Austesten verschiedener Leinwände in Fachgeschäften bestätigen. Hochkontrastleinwände reflektieren das Laserlicht so direkt zurück, dass ein glänzendes Farbgekrissel entsteht, das man bei Beobachtung aus nächster Nähe sogar in den drei Grundfarben erkennt. Wer trotzdem so eine Leinwand nutzen möchte, sollte bei einer 120 Zoll-Projektion mindestens vier Meter Abstand wahren. Dann wird die Granulation fast unsichtbar. Empfehlen können wir so eine Leinwand trotzdem nur bedingt.

Das ist bedauerlich, denn der Unterschied zu einer normalen Leinwand in jeder anderen Hinsicht heftig und holt noch mehr aus dem Potenzial des Beamers heraus. Immerhin: Valerion hat eine eigens entwickelte Hochkontrastleinwand im Angebot, die das Problem aushebeln soll. Und das sogar inklusive einer Fresnel-Struktur. Fresnel-Leinwände sind normalerweise für Kurzdistanz-Beamer gedacht, doch Valerion hat das System für ihren Long-Throw-Beamer optimiert. Die Lamellenwinkel verstärken die HDR-Spitzlichter des VisionMaster um den Faktor 1,8 und schließen zugleich fremde Lichtquellen aus. In Verbindung mit einer nochmals überarbeiteten Schwarzwert Berechnung, die zurzeit in der ersten neuen Beta-Firmware getestet wird, dürften die Eindrücke noch näher an einen OLED-TV herankommen. Einziger Nachteil: Zuschauer dürfen nicht weit über die Leinwandbreite hinaus sitzen, denn die Fokussierung des Lichts verengt den maximalen Sichtwinkel. Wer weit außerhalb sitzt, sieht nur noch ein verdunkeltes Bild.

Ob das alles so hinkommt, wie es Valerion verspricht, wissen wir nicht, da uns diese leinwand nicht zur Verfügung steht. Wir haben um eine Stoff-Sample gebeten. Sollten wir daraus weitere Erkenntnisse zeihen, dann aktualisieren wir diesen Artikel.

Also doch eine normale Leinwand?

Bei der Verwendung einer „normalen“ weißen oder grauen Leinwand ist die oben erwähnte Lichtgranulation kaum erkennbar, da sie das ankommende Licht zerstreut. Wir benutzten bei unseren ausführlichen Sitzungen – wie schon erwähnt – eine normale, weiße 100 Zoll Leinwand aus dem mittleren Preissegment, saßen nur etwa zweieinhalb Meter entfernt und hatten keine Laser-Speckle-Probleme.

Dafür mussten wir mit dem Nachteil leben, dass das Licht des Beamers von der Leinwand an die Wände und die Decke gestreut wurde. Bei hellen Szenen war es also ähnlich, als ob jemand das Licht im Zimmer angemacht hätte. Auch das beeinflusst, wie tief man die Schwärze des Bildes wahrnimmt, und wie gut HDR-Spitzlichter rüberkommen, denn eine weiße Decke wirft das Licht wieder zurück auf die Leinwand und lässt schwarze Flächen leicht ausgewaschen wirken. Darum sorgen Heimkino-Enthusiasten mit schwarzen Wänden vor.

Wenige Schwachpunkte

Klingt richtig gut, oder? Ist es auch. Aber ein Punkt nervt leider doch ein wenig: Nur die teuerste Version des Vision Master (also die Max-Variante) verfügt über eine vertikale Linsenverschiebung. Heißt im Klartext, dass ihr mit dem Pro2 und allen kleineren Brüdern die Projektion manuell ausrichten müsst, indem ihr den Beamer auf der richtigen Höhe und im richtigen Neigungswinkel aufstellt.

Die Linse strahlt ein wenig nach oben. Geschätzt etwa 20 Grad. Wie genau ihr projiziert, bleibt aber euch überlassen. Im Betriebssystem könnt ihr frei einstellen, ob ihr die Leinwand kopfüber oder per Rückprojektion anstrahlt.

Das wäre alles weniger ein Problem, wenn das Gerät eine typische Beamer-Aufhängung ermöglichen würde. Stattdessen bietet es aber nur ein einziges mittiges Viertelzoll-Gewinde an, wie man es von Mini-Beamern kennt. Das taugt durchaus für eine Installation per einarmiger Deckenhalterung, aber vielen Billigkonstruktionen, die diese Art von Verschraubung unterstützen, traut man kaum zu, die 7,5 Kilo dauerhaft zu tragen.

Den Beamer ohne Gimbal-Arm auf die richtige Höhe und den passenden Neigungswinkel zu bekommen, ist derweil fummelige Millimeterarbeit. Einmal eingerichtet, möchte man ihn nie wieder wegbewegen.

Klar, es geht hier um ein Luxusdetail und in der Gesamtbewertung ändert es wenig an unserer Begeisterung. Aber erwähnen wollten wir es trotzdem, gerade weil andere Lifestyle-Beamer gerne mit ihrer Mobilität prahlen und manchmal sogar von Haus aus mit einer verstellbaren Aufhängung ausgeliefert werden.

Zudem müssen wir auf den sogenannten Rainbow-Effekt aufmerksam machen, für den manche Menschen anfälliger sind als andere. Und selbst wenn ihr dafür anfällig seid, muss es nicht heißen, dass ihr euch großartig daran stört. Es geht um ein Phänomen, das durch den Tripple-Laser entsteht, wenn blendend weiße Flächen dargestellt werden – beispielsweise superweiße Schrift. Beim normalen ansehen sieht alles gut aus, Wenn ihr aber eure Augen weit nach links und rechts bewegt (aus welchem Grund auch immer), dann teilt sich das Weiß für die Dauer eines Wimpernschlags in die drei RGB-Grundfarben auf.

Wie oft schaut man stark nach links oder rechts, wenn man eigentlich direkt vor der Nase einen Film schauen will? So gut wie nie. Und das Phänomen ist ja auch nur bei superweißen Flächen zu sehen. Man muss den Rainbow-Effekt also provozieren, um ihn wirklich als störend zu empfinden. Aber es gibt ihn, und manche mögen ihn einfach nicht, darum soll er auch in diesem Test nicht unerwähnt bleiben.

Greift zu, wenn...

… ihr eine Alternative zu einem Fernseher sucht, die euch ein riesiges Bild mit exzellenten Farbwerten verschafft.

Spart es euch, wenn...

… ihr unter 80 Zoll bleiben wollt. Dann tut es auch ein großer OLED-Fernseher.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Ein ganz neues Spielgefühl

Gaming mit dem Vision Master Pro2 ist für mich ein grandioses Erlebnis. Ob in 16:9 oder wahlweise bis zu 32:9 Ultrawide-Seitenverhältnis, ich konnte voll ins Geschehen eintauchen, ohne auf die schnellen Reaktionszeiten zu verzichten. 16 ms bei 4k 60 Hz, 8 ms bei 120 Hz und 4 ms bei 240 Hz (in 1080p). Inklusive Automatic Low Latency Mode (ALLM) und einem dedizierten Gaming Menü für Feineinstellungen. Da können selbst manche PC-Monitore nicht mithalten. Und all das in bis zu 300 Zoll? Wahnsinn! Was allerdings nicht unterstützt wird, sind variable Bildraten (VRR). Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen.

Dass bei solchen Attributen auch Filme schauen Spaß macht, liegt auf der Hand. Ob sich die Anschaffung für euch lohnt, hängt derweil von euren Ansprüchen und eurem Platz in der Wohnung ab. Die Größe allein lässt euch ab 100 Zoll aufwärts staunen, wobei seine exzellenten, satten HDR-Farben dem Spaß die Krone aufsetzen, weil sie selbst teuren QD-OLED-Fernsehern Paroli bieten.

Klar: OLED-Fernseher haben weiterhin ein noch satteres Schwarz, noch hellere Spitzlichter und noch höhere Kontraste, aber schon ab 77 Zoll erreicht man Preisregionen, in denen der Valerion-Beamer samt einer guten Leinwand als Alternative eine Überlegung wert ist. Zumal das Gerät klein und notfalls auch mobil ist, weniger als die Hälfte des Stroms verbraucht und eine mindestens genauso lange Lebenszeit mitbringt. Bei Laser-Beamern muss man nämlich keine Leuchtmittel wechseln. Und Burn-In-Probleme gibt es auch nicht.

Selbst im Beamer-Segment behauptet sich das Gerät erstaunlich gut gegen einige deutlich teurere Modelle anderer Hersteller. Ist euch die Pro2-Variante trotzdem zu teuer, dann schaut euch mal das Plus-, beziehungsweise Pro Modell an. Denen fehlen nur wenige Features, das Spielerlebnis dürfte das aber kaum beeinflussen.

Überblick

Pro

  • knackscharfes 4K-Bild auf 40 bis 300 Zoll
  • 16:9, 21:9 und 32:9-Bildformat wählbar
  • 3 HDMI-Anschlüsse inkl. eARC-Kanal und WiSA-Unterstützung (2x 2.1, 1x 2,0)
  • exzellente Farben, die sogar OLEDS Konkurrenz machen
  • 60 - 240 Hz Bildwiederholrate (Letzteres bei 1080p)
  • niedrige Latenz zwischen 16 und 4 Millisekunden je nach Bildrate
  • HDR, Dolby Vision und IMAX Enhanced-Unterstützung
  • sehr gute dynamische Kontrastwerte für diese Preisklasse
  • KI-Bildbearbeitung auf Wunsch zuschaltbar
  • hochwertige, teilbeleuchtete Fernbedienung
  • leiser Lüfter (ca 32 dB)
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra

  • automatische Trapezkorrektur neigt dazu, die Bildgröße auf Maximum zu stellen
  • nur ein zentrales Schraubgewinde für Deckenaufhängung
  • keine Aufhängung für den Neigungswinkel
  • Laser-Speckle bei Hochkontrastleinwänden
  • nicht alle Tasten der Fernbedienung sind beleuchtet

Awards

  • Hardware Tipp

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