Test - Dune: Awakening : Test: In diesem Spiel ist gehörig der Wurm drin!
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Mit Conan: Exiles beweisen die Entwickler von Funcom schon lange, dass sie es draufhaben, ein MMO mit Buch- oder Film-Lizenz über Jahre erfolgreich am Laufen zu halten. Der neueste Streich der Norweger heißt Dune: Awakening und legte einen fulminanten Start hin, und das ganz ohne Penis-Slider. Nach über 200 Stunden im Spiel traue ich mir endlich eine Bewertung zu. Warum erst jetzt? Lasst mich berichten ...
Falls ihr euch nicht für Kinofilme interessiert, Bücher nur benutzt, um wackelnde Tischbeine zu stabilisieren und den Fernseher ausschließlich anmacht, um bei “Bauer sucht Frau” besser einschlafen zu können, gehört ihr vielleicht zu den wenigen Menschen, die noch nie etwas von Dune gehört hat. Der Roman-Zyklus aus der Feder von Frank Herbert gilt seit fast 60 Jahren als Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur. Derzeit spült die 2021 begonnene Reihe an Verfilmungen mit Timothée Chalamet und Zendaya in den Hauptrollen ordentlich Geld in die Kinokassen. Mal abgesehen davon gibt es auch noch einen ganz Schwung an Videospielen im Dune-Universum.
Sand in jeder Ritze
Ein Entkommen ist also schwer möglich, aber falls ihr es dennoch geschafft habt, kommt hier der knappe Abriss der Story: In einer weit, weit entfernten Zukunft der Menschheit dreht sich alles um das Spice, eine bewusstseinserweiternde Droge, die auch für religiöse Zwecke verwendet wird, lebensverlängernd wirkt und vor allem die kognitiven Fähigkeiten ihrer Nutzer verstärkt.
Sogar die komplette Raumfahrt ist von dem Zeug abhängig. Denn nach einem schrecklichen Krieg ist jede Form von künstlicher Intelligenz verbannt worden. So müssen die unfassbar komplizierten Berechnungen, die zum Reisen durch das Weltall nötig sind, von Menschen übernommen werden. Um die mentale Kapazität dafür zu erreichen, benötigen diese das Spice. Wer die Droge kontrolliert, hat also eine enorme Macht über Wohl und Weh unzähliger Menschen.
Dummerweise gibt es das Spice ausschließlich auf Arrakis, auch “Dune” genannt. Auf diesem Wüstenplaneten wird die Unbarmherzigkeit der Sonne wohl nur vom Hunger der riesigen Sandwürmer übertroffen, die sich durch die Einöde graben. Es ist ein lebensfeindliches Gebiet, aber wer an das begehrte „Gewürz“ kommen will, hat sich eben ein bisschen anzustrengen.
Die Geschichte von Dune: Awakening spielt allerdings in einer Art Paralleluniversum zur eigentlichen Dune-Welt. Ihr werdet in den riesigen Sandkasten geschickt, um nach den Fremen zu suchen, den ursprünglichen Bewohnern des Planeten. Die sind nämlich (anders als in den Büchern) plötzlich wie vom Sandwurm verschluckt und damit Zendaya nicht arbeitslos wird (die spielt in den Filmen nämlich eine Freme), machen wir uns eben auf die Suche nach dem Wüstenvolk und lernen am Ende viel über die Fremen, die Wüste, das Spice und vor allem uns selbst.
Was soll ich jetzt nur Dune?
Um zumindest eine Chance im Überlebenskampf auf Arrakis zu haben, wählt ihr zu Beginn MMO-typisch eine Klasse aus. Zur Auswahl stehen recht mundane Archetypen wie der Schwertmeister (gut im Umgang mit Klingenwaffen) und der Truppler (gut im Umgang mit Schusswaffen), aber auch abgefahrene Klassen mit mehr Dune-Flair wie der Mentat oder Bene Gesserit.
Mentaten sind die bereits angesprochenen menschlichen Computer. Dementsprechend verlasst ihr euch hier hauptsächlich auf euren Verstand, taktische Finesse und praktische Gadgets, beispielsweise einen Geschützturm oder kugelsichere Kraftfelder. Die Schwesternschaft der Bene Gesserit ist eigentlich ein verschwiegener Orden an Frauen, die am liebsten verborgen im Hintergrund die Fäden ziehen und sich die “Stimme” zu Nutze machen. Dabei handelt es sich um eine althergebrachte Methode zur Gedankenkontrolle, was sich auch für euch als recht nützlich erweist. Außerdem sind sie dazu in der Lage, ihren Körper und Geist “magisch” zu verstärken.
Im weiteren Verlauf lassen sich die Fähigkeiten aller vier Startklassen freispielen und kombinieren. Mit dem Planetologen kommt sogar noch eine fünfte Klasse hinzu. Sie bieten hauptsächlich Fertigkeiten, die zwar nicht im Kampf, aber dafür zum Überleben oder bei der Fortbewegung praktisch sind. Dazu gehören das effizientere Abbauen von Rohstoffen oder mehr Ausdauer beim Klettern. Insgesamt gibt es also mehr als genug Kombinationsmöglichkeiten, um sich seine ganz individuelle Skillung zusammenzustellen.
Doch egal wofür ihr euch entscheidet, wie toll ihr euren Verstand oder eure „Stimme“ trainiert oder wie gut ihr mit dem langen Buttermesser seid – euer größter Feind ist und bleibt der Planet selbst. Ja, es gibt auch Banditen. Aber hauptsächlich ist es Arrakis mit seinen Riesenwürmern und schier endlosen Meeren aus gottverdammtem Sand.
Durst ist schlimmer als Heimweh
Bevor ihr auch nur einen Gedanken an die Jagd nach den Fremen verschwendet, sichert ihr erstmal euer eigenes Überleben. Anders als bei den meisten Genre-Kollegen ist die einzig wichtige Ressource in Dune: Awakening das Wasser. Wer hätte es gedacht: Davon gibt es in der Wüste nicht viel und gerade bei den extremen Temperaturen auf Arrakis (zurzeit nur übertroffen von Samstagnachmittagen in der Münchener Innenstadt) verbraucht ihr das flüssige Gold schneller als ihr “VERDAMMT! WO KOMMT DENN JETZT DER WURM HER?” rufen könnt.
Haltet ihr euch obendrein zu lange in der Sonne auf, droht ein Hitzschlag, was noch mehr Wasser kostet, wovon ihr ohnehin schon zu wenig habt. Gerade zu Beginn hetzt ihr also von Schatten zu Schatten, sammelt jeden Stein auf, den euch die Wüste vor die Füße rollt, und schlürft gierig jeden morgendlichen Tautropfen aus, den die Blütenkelche der halb vertrockneten Wüstenblümchen über Nacht gesammelt haben.
Und dann sind da ja noch diese doofen Würmer. Sobald ihr euch vom festen Untergrund der spärlich gesäten Steinformationen entfernt, lockt jede eurer Handlungen in der offenen Wüste die Hochhaus-großen Würmer an. Seid ihr zu laut oder verursacht ihr mit euren Werkzeugen zu viel Vibration im Sand, landet ihr schnell auf der Speisekarte. Am besten bewegt ihr euch also mit der Umsicht eines 17-Jährigen durch die Wüste, der nach seiner eigentlichen Bettzeit hinter dem Rücken der Eltern auf eine Party schleicht.
Mit diesem Überlebenskampf seid ihr die ersten 20 Stunden in Dune: Awakening beschäftigt. Doch irgendwann steht die erste Schutzhütte gegen die regelmäßigen Sandstürme und dank des schnellen Sandbikes glaubt ihr zumindest, den Würmern im Ernstfall noch davonbrausen zu können (aber das klappt nie). Selbst Wasser sammelt ihr mit entsprechender Ausrüstung effizienter, füllt so eure Vorratstanks, und habt immer eine Flasche griffbereit, falls euch der Sinn nach einem kühlen Schlückchen steht.
In der Zwischenzeit werdet ihr wahrscheinlich längst über einen der unzähligen Bugs und weitere technische Probleme von Dune: Awakening gestolpert sein. Wer rund 20 Stunden durch die Wüste irrt, ohne dabei mindestens einmal durch den Boden zu fallen oder mit dem Sandbike ungewollt in die Luft geschleudert zu werden, der sollte sein überbordendes Glück vielleicht mal beim Lotto austesten.
Besonders große Bugs wie Würmer, die quasi Urlaub machen und sich nicht mehr für Spieler interessieren, wurden zwar gefixt, allerdings kommen dafür andauernd neue Fehler hinzu. Aktuell verschwinden zum Beispiel regelmäßig Gegenstände aus dem Inventar oder Fahrzeuge lassen sich nicht mehr reparieren. Ihr wärt nicht die Ersten, die wutentbrannt das Spiel von der Festplatte schmeißen, weil nach stundenlangem Farmen plötzlich das Inventar eures Fahrzeugs komplett leer ist.
Haltet ihr trotzdem durch, kickt nun Phase zwei des Spielablaufs von Dune: Awakening, nämlich das Verbessern und Optimieren. Hier ähnelt das Spiel klassischen Survival-Games. Mit neuer Ausrüstung traut ihr euch in die nächsten Gebiete, wo ihr bisher unbekannte Ressourcen sammelt, mit denen ihr euch dann wiederum bessere Ausrüstung baut, um in wieder neue Gebiete vordringen zu können.
Spätestens, wenn euch mit dem Ornithopter (quasi ein Hubschrauber mit Flügeln) ein Fluggerät zur Verfügung steht, wird euch die heimelige Wüstenwelt auf der Survival-Karte des Spiels zu klein. Um weitere Fortschritte zu machen, fliegt ihr in die “Tiefe Wüste”, das gefürchtete Endgame-Gebiet von Dune: Awakening. Hier warten nicht mehr nur Sonne, Würmer und Banditen auf euch, sondern auch der schlimmste Aspekt von MMOs überhaupt: andere Spieler! Wobei ihr denen vorher schon hättet begegnen können, aber in der tiefen Wüste schießen sie auch noch auf euch.
Durchkämmt die Wüste!
Der Gedanke hinter der „Tiefen Wüste“ klingt zunächst verlockend: eine vom eigentlichen Survival-Bereich des Spiels komplett abgetrennte, riesige Karte, in der die wertvollsten Ressourcen warten. Einmal pro Woche fegt der Coriolissturm durch das Gebiet und verändert das Gelände komplett. Bisher zugängliche Dungeons verschwinden unter dichten Dünen, dafür werden Schiffswracks und interessante Orte aufgedeckt. Die Wüste verschluckt alle Spieler-Bauwerke und somit gibt es jede Woche ein frisches Spielfeld, das erneut erkundet und erobert werden will.
Bis vor Kurzem war die komplette tiefe Wüste ein reines PvP-Gebiet. Selbst Spieler, die sich einen PvE-Server für ihre Reise ausgesucht hatten und nur entspannt im Abendrot versanden wollten, mussten also Feindfeuer in Kauf nehmen, um an die besten Rohstoffe zu gelangen. Davon waren die Spieler allerdings nicht so richtig begeistert und bemängelten (zu Recht!) die dadurch fehlenden Endgame-Inhalte für PvE-Spieler. Daraufhin griff Funcom zu einer radikalen Lösung: Die Spielwelt wurde in zwei Hälften geschnitten. Die untere Hälfte der „Tiefen Wüste“ ist jetzt PvE-Gebiet, bietet dafür aber auch wesentlich weniger Loot als vorher. Wer sich die Taschen richtig voll machen will, der muss weiterhin in der oberen Hälfte der Karte mit anderen Spielern darum kämpfen.
Ob das bereits die optimale Lösung ist, lässt sich diskutieren. Zwar hat man auch als Pazifist die Chance, an die wertvollsten Metalle und Ausrüstungsgegenstände zu kommen. Aber diese tauchen in so verschwindend geringen Mengen auf, dass gerade als Solo-Spieler wahnsinnig viel Grind nötig ist, um auch nur an die einfachsten Technologien zu gelangen. Und das, obwohl der Rest des Spiels für Einzelgänger praktisch wie gemacht ist und ihr eher selten auf andere Spieler trefft, wenn ihr nicht gerade in einer der zwei großen Städte unterwegs seid.
Dune: Awakening sieht sich den gleichen Problemen gegenüber wie praktisch jedes andere MMO. Wahrscheinlich wird es unmöglich sein, ohne tatsächliche neue Endgame-Inhalte allen Spielern gerecht zu werden. Der Chat ist bereits voll mit weinerlichen PvP-Spielern, die sich über mangelnde Zielscheiben beschweren. Bewegt man sich allerdings allein in ein PvP-Gebiet, sieht man vom nächsten Felsen gleich ein Dutzend schwer bewaffneter Ornithopter aufsteigen, mit der Intention, einem ordentlich den Tag zu versauen.
Einsame Wölfe wollen natürlich unterhalten werden, aber auch große Gilden brauchen Ziele, auf die sie hinarbeiten können. Funcom verspricht zumindest, bereits in Kürze mit weiteren Anpassungen und neuen kostenlosen wie kostenpflichtigen Inhalten Nachschub an Aktivitäten liefern zu wollen. Hoffen wir mal, dass sie den richtigen Weg finden, denn richtig gute MMOs sind so schwer zu finden wie Wasser in der Wüste. Dune: Awakening hätte definitiv das Zeug dazu, ein Genre-Highlight zu werden.
Greift zu, wenn...ihr Bock auf ein Survival-Game mit einem kleinen Schuss MMO habt.
Spart es euch, wenn...euch technische Probleme schnell zur Weißglut treiben.



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