Special - Hollow Knight: Silksong : Was das Sequel zum neuen Maßstab für Metroidvanias machen könnte
- Multi
Erwähnt man bloß den Namen „Hollow Knight“, fangen die Augen sämtlicher Metroidvania-Fans im Umkreis an zu glänzen. Der Überraschungshit eines australischen Drei-Mann-Studios setzte über 15 Millionen Einheiten ab und gilt als einer der besten Genrevertreter aller Zeiten. Entsprechend riesig fällt der Hype um die Nachfolger gewordene Erweiterung Silksong nach sechs Jahren Wartezeit aus. Doch Team Cherry hat die Möglichkeit, das ganze Genre auf den Kopf zu stellen.
Um den Hype rund um das heiß erwartete Metroidvania Hollow Knight: Silksong zu verstehen, muss man die Geschichte des Vorgängers kennen. Die Finanzierung erfolgte noch via Kickstarter, übertraf das gesetzte Ziel um über 60 Prozent und damit wurden diverse Stretch Goals freigeschaltet – darunter auch eine weitere spielbare Figur. Ursprünglich plante Team Cherry die zusätzlichen Quests von Hornet also einfach als Erweiterung, doch mit den Monaten wuchs das Projekt immer weiter und so zog das Team den einzigen logischen Schluss: Aus Silksong musste ein Standalone-Titel werden.
In der Zwischenzeit nahm Hollow Knight immer weiter Fahrt auf. Die Fans lobten die ineinander verzweigte Welt, das herausfordernde Gameplay, die mysteriöse Lore und auch den handgezeichneten Grafikstil. Während die Wertungen auf Metacritic zwar gut, aber nie herausragend ausfielen, schuf die Community selbst den Hype. Hollow Knight avancierte schnell zum Publikumsliebling und die Leute waren heiß auf den Silksong-Release.
Da gab es nur ein Problem: Nach der offiziellen Ankündigung im Februar 2019 ging Team Cherry auf Tauchstation. Über die nächsten sechs Jahre hinweg gab es nur winzige Updates. Die Fans hätten an dieser Stelle angefressen sein und dem Studio den Rücken kehren können, schimpfen, weinen, alles zusammen. Sie entschieden sich aber für einen gänzlich anderen Weg: Memes. Aus dem Warten wurde ein Witz, der schnell in den Mainstream rüberschwappte.
Jeder und sein Hund kennt den Namen Hollow Knight: Silksong – und sei es nur durch Memes. Jetzt sieht sich der Titel aber natürlich einem großen Problem gegenüber: Wie soll er dem Hype auch nur ansatzweise gerecht werden?
Hornet in Silksong – neue Heldin und Gamechanger
Der erste Faktor für den nächsten Schritt in der Evolution von Metroidvanias ist sicherlich Hornet. Die neue Heldin stellt keine bloße Kopie des namenlosen Ritters dar, sie bietet völlig eigene Mechaniken für Kämpfe und Plattforming. Sie agiert schneller, wendiger und aggressiver, noch viel wichtiger fällt aber das neue Seiden-System von Hollow Knight: Silksong aus.
Bewaffnet mit einer Art übergroßer Nähnadel nutzt Hornet keine Seele wie der Ritter, stattdessen muss sie mit ihrer Seide haushalten. Zunächst funktioniert das wie im Hauptspiel: Durch Angriffe auf Gegner und bestimmte Aktionen füllt ihr euren Vorrat auf, dabei müsst ihr deutlich aggressiver vorgehen. Nahezu jeder Spezialangriff von Hornet, jeder Movement-Skill und auch eure Heilung hängen von der Ressource ab.
Silksong verhält sich zu Hollow Knight wie Bloodborne zu Dark Souls: Es fällt schneller aus, belohnt aggressiveres Vorgehen und verliert dabei aber die Identität des Studios nicht. Im Metroidvania-Segment finden sich kaum Titel, die in ähnlich hoher Geschwindigkeit ablaufen, weshalb Hornets Abenteuer frischen Wind in das Genre bringt.
Pharloom in Silksong – eine Welt voller Kontraste
In Hollow Knight ging es düster und trostlos zu. Die Farbpalette hielt Team Cherry bewusst reduziert, doch bei Silksong sieht das anders aus. In Pharloom, der neuen Spielwelt von Hollow Knight: Silksong erwarten euch fast schon exotische Umgebungen. Hier regiert nicht der Tod, sondern das Leben. Das Königreich steht bei aller Pracht dennoch am Rande des Abgrunds und ihr seid seine letzte Hoffnung.
Denn die oftmals malerischen Umgebungen und die damit verbundene Idylle trügen natürlich. Unter der bunten Oberfläche lauern jede Menge Gegner, Gefahren und Geheimnisse. Ihr wisst nie wirklich, wem ihr trauen könnt, welche NPCs euch tatsächlich wohlgesonnen sind, und das kryptische Storytelling lässt euch wie schon beim Vorgänger eure eigenen Schlüsse ziehen.
Warum könnte Silksong das Metroidvania-Genre prägen?
Metroidvanias leben von der Balance im Gameplay. Erkunden, Kämpfen, Backtracken, Aufrüsten – all diese Elemente müssen sauber ineinandergreifen. Schon mit Hollow Knight bewies Team Cherry, dass sie die Grundpfeiler des Genres nicht nur verstanden, sondern gemeistert haben. Sie erweiterten das Fundament sogar noch um das Element einer kryptisch erzählten Geschichte, die haufenweise Lore-Spekulationen nach sich zog.
Es gab andere Spiele, die sich jener Mechaniken zunutze machten und in einigen davon auch brillierten. Blasphemous schuf eine immens interessante Welt und erzählte eine finstere Geschichte mit religiösen Seitenhieben, Guacamelee bot schon Jahre vor Hollow Knight ein fast perfektes Kampfsystem und die beiden Ori-Spiele brillierten beim Movement.
Aber Team Cherry legte bei Hollow Knight fast schon chirurgische Präzision an den Tag. Das Leveldesign war ohne Zweifel erhaben, das ständige Gefühl von Progression belohnte selbst kleinste Wagnisse und die Leidenschaft tropfte aus jedem Pixel. Genau diese Leidenschaft könnte dafür sorgen, dass Silksong nicht nur ein großartiges Sequel wird, sondern erneut als Maßstab für das gesamte Genre gilt.
Die Erwartungen an Silksong und Team Cherry sind riesig, nicht umsonst nennen viele Spielefans den Titel in einem Atemzug mit Half-Life 3. Es spricht aber vieles dafür, dass das Studio dem Ganzen gerecht wird. Es brach nicht unter dem Druck zusammen und übereilte keine Ankündigung, sondern ließ sich Zeit mit dem Release.
Selbst wenn die drei Entwickler „nur“ die Qualität von Hollow Knight erreichen, wäre Silksong nicht einfach eine würdige Fortsetzung, sondern auch der nächste große Referenzpunkt im Metroidvania-Genre. Dafür dürften die neuen Mechaniken und das damit massiv erhöhte Spieltempo in Kombination mit den altbekannten Stärken sorgen.

Kommentarezum Artikel