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Test - Lego Voyagers : Test: Wie Split Fiction, aber mit Lego?

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Lego Voyagers ist das neue Spiel der Macher von Lego Builder’s Journey, das seinerzeit mit seiner herzlich charmanten Art und einem beeindruckend plastischen Grafik-Look für Aufsehen sorgte – aber auch mit einer sehr kurzen Spielzeit auf einen Nachfolger hoffen ließ, der das Konzept in größeren Dimensionen weiter spinnt. Dieser ist nun da.

„Erlebe, was es heißt, ein Lego-Stein zu sein“, preisen die Entwickler ihr Spiel Lego Voyagers in der Selbstbeschreibung an und erzeugen dabei bereits die erste Verwirrung bei mir. Hat sich wirklich schon mal irgendjemand gefragt, wie es ist, ein Lego-Stein zu sein? Oder warum das erstrebenswert oder aufregend sein sollte? Abgesehen vielleicht von dem schelmischen Vergnügen, einer verhassten Person im Weg zu liegen, wenn diese nachts barfuß durch die Wohnung geht. Nun, Lego Voyagers liefert nun trotzdem die Antwort darauf.

Ihr seid nämlich wirklich schlicht und ergreifend ein Lego-Stein. Also kein Lego-Männchen oder ein Wesen, das aus Lego-Steinen gebaut ist, sondern einfach nur ein simpler Einser-Stein. Beziehungsweise derer zwei, denn ihr spielt Lego Voyagers grundsätzlich im Duett mit einem Freund, wahlweise lokal oder online, wodurch das Spiel sofort Vergleiche mit den Koop-Meisterwerken von Hazelight wie It Takes Two und Split Fiction heraufbeschwört, aber dazu später.

Doop-di-doop-doop-do

Erstmal zurück zu euren Lego-Steinen. Die haben jeweils ein putziges Auge und sprechen gelegentlich in niedlichen Geräuschen irgendwo zwischen Teletubbies und R2-D2, was ihnen tatsächlich so etwas wie eine entzückende, kindliche Persönlichkeit verleiht.

Und dann purzeln, hüpfen und torkeln sie durch die Gegend. Denn natürlich haben Lego-Steine keine Beine. Deshalb bewegen sie sich fort, wie es die Physik ihrer Ecken und Kanten eben zulässt: kullernd, schwankend, ungestüm und immer einen Hauch unkontrolliert, erst recht, wenn sie andere herumliegende Lego-Steine mit ihren Noppen an sich heften. Mit einem Schwall von Klemmbausteinen im Gepäck wird die Fortbewegung schnell zum herzlich albernen Spießrutenlauf nach Art von Katamari.

Andere Lego-Steine benötigt ihr nämlich für die Rätsel des Spiels. Meist bestehen diese darin, eine Brücke über eine Schlucht zu konstruieren oder eine Rampe auf eine höhergelegene Ebene. Nichts davon muss so ausgefeilt oder gar physikalisch korrekt ausfallen wie im vorzüglichen, aber auch ziemlich kniffligen Konkurrenten Lego Bricktales. Stein anheften, ungelenk an die Stelle seiner Bestimmung kullern, bei Bedarf noch in Position drehen, ablegen – fertig. Für kompliziertere Gebilde ist die simple Steuerung sowieso nicht ausgelegt.

Im Gegenteil besteht die Gaudi von Lego Voyagers gerade darin, dass man selbst mit den primitivsten Konstruktionen schnell überfordert ist, weil sich die Spieler ungeschickt gegenseitig in die Quere kommen, in den Abgrund schubsen oder plötzlich versehentlich aneinander kleben statt an dem Legostein, den man eigentlich mitnehmen wollte.

Am liebsten macht er Schabernack, Leute ärgern, nicht zu knapp

Flankiert wird das rudimentäre Bauen durch typische Koop-Rätsel, bei denen der eine Spieler eine Tür aufhält, damit der andere hindurchgehen kann, oder eine Druckplatte beschwert, damit ein Kran irgendwas irgendwohin transportiert. Immer wieder weht ein Hauch von It Takes Two und Split Fiction durch Lego Voyagers, wenn beide Spieler etwa gemeinsam ein Boot einen Fluss hinab steuern und dafür Absprache und Koordination brauchen, weil der eine Spieler das linke und der andere das rechte Ruder lenkt. Oder wenn der eine Spieler die richtigen Plattformen im Hindernis-Parcours aus dem Boden fahren lässt, damit der andere Spieler darüber den Abgrund überwinden kann.

Nie werden die Rätsel und Aufgaben schwer oder fordernd. Wenn man gelegentlich mal für einen Augenblick nicht weiter weiß, dann meist, weil das Spiel die anstehende Aufgabe unklar oder missverständlich kommuniziert oder man dazu neigt, komplizierter zu denken als nötig.

Nebenbei erfreut ihr schlicht euer kindliches Gemüt an den vielzähligen kleinen Spielereien, die euch die Umgebung anbietet, ja, ein Großteil der Trophäen und Achievements erhaltet ihr nur dafür, einfach mal innezuhalten und dem zwecklosen Spieltrieb nachzugeben: indem ihr gemeinsam eine Wippe reitet, euch von einer Schaukel aus hoch durch die Luft schleudert oder Schabernack beim Astronauten-Training treibt.

Derartig bereist ihr verschiedene, charmant gestaltete Regionen im unvergleichlichen Lego-Stil: eine Wald-und-Fluss-Landschaft, einen Wüsten-Canyon, eine Fabrik und schließlich das Space-Center einer Raumfahrtbehörde. Denn gerahmt wird das weitgehend abstrakte Geschehen von einer putzigen Geschichte über die Sehnsucht der beiden Lego-Steinchen, mit einer Rakete ins Weltall zu fliegen.

All dies inszenieren die Entwickler in einem technisch beeindruckenden Grafikstil, der bereits den Quasi-Vorgänger Lego Builder’s Journey zum Gesprächsthema machte. Durch Raytracing und Leuchtfilter wirkt die Lego-Landschaft unvergleichlich plastisch, geradezu magisch. Vor allem aber beeindruckt einmal mehr, mit welch simplen Mitteln der Lego-Stil dazu in der Lage ist, eine solche Welt glaubhaft und liebenswürdig zum Leben zu erwecken: Erstaunlich etwa, wie ein einziger zappelnder Stein in der Luft sofort als Schmetterling erkennbar ist oder ein schlichter Zweier-Stein mit Haken dran erfolgreich einen Skorpion imitiert.

Es könnte alles so schön sein, aber ...

Aber leider bleibt Lego Voyagers in fast jederlei Hinsicht weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Und das liegt nicht nur an seiner viel zu kurzen Spieldauer von lediglich vier Stunden, sondern vor allem an der fehlenden Raffinesse seiner Rätsel und Aufgaben. Das Bauen mit Lego-Steinen etwa, das in einem solchen Spiel automatisch im Zentrum steht, geht nie über das Zusammenstecken simpler Brücken und Rampen hinaus – allein schon, weil die fummelige Steuerung und das Spielkonzept gar nicht mehr zulassen. Aber dadurch versagt es sich eben auch die Steigerung und Weiterentwicklung seiner zentralen Spielmechaniken, auf die ein solches Rätselspiel nunmal angewiesen ist. Letztlich entwickelt sich das Spiel nie fort, sondern geht einfach immer nur einen Schritt weiter zur Seite.

Gleiches lässt sich über sämtliche Rätsel und Aufgaben im Spiel sagen. Da werden allenthalben lediglich Schalter betätigt, um Türen zu öffnen, oder Gegenstände an ihre Einsatzorte transportiert, aber nie wird eine der Mechaniken mal weiter gedacht, variiert oder in der Komplexität gesteigert, wodurch sich solcherlei Rätselspiele für gewöhnlich auszeichnen (sollten). Selbst der Koop-Gedanke bleibt bei näherer Betrachtung in seinem Ansatz stecken und beschränkt sich darauf, dass man die meiste Zeit nebeneinander her hoppelt und sich gelegentlich über einen Abgrund hilft.

Was Lego Voyagers letztlich auch im Wege steht, ist der ständige Vergleich mit It Takes Two und Split Fiction, der sich allenthalben aufdrängt und dem das kleine, drollige Indie-Spielchen nicht ansatzweise standhalten kann – das aber auch gar nicht unbedingt will.

Doch während man eben den Entwicklern von It Takes Two geradezu beim Brainstorming zuzuschauen meinte, wie die Gehirne rauchen, um ihre Kreativität immer weiter an die Grenzen zu treiben, wirkt das Konzept von Lego Voyagers wie an einem entspannten Sonntagnachmittag bei einer Tasse Tee und Gebäck im Sitzkreis in der Waldorfschule erdacht. Herzlich, liebenswert und gut gemeint, aber auch recht seicht, uninspiriert und beliebig.

Nun will Lego Voyagers aber auch gar nicht mehr sein, als man in ihm zu sehen versucht. Es sucht nicht die knifflige Herausforderung und das zermarternde Grübeln, nicht die kreativen Höhenflüge und spektakulären Momente, vielmehr genau das spielgewordene Pendant zu besagtem Sonntagnachmittag mit Tee und Gebäck, die unschuldig kindliche Verspieltheit und die gemeinsame Gaudi mit Freunden und Familie.

Und dabei ist es letztlich egal, wie ausgefuchst eine Spielidee oder wie abwechslungsreich irgendeine Gameplay-Mechanik ausfällt. Am Ende zählt nur das fröhliche Kinderlachen, das durchs Haus schallt.

Aber genau daran stellt sich mir die Frage nach der Zielgruppe, die sich ebenfalls nicht so leicht beantworten lässt. Denn für kleinere Kinder fällt die Steuerung mitunter zu fummelig und manche Aufgabenstellung zu undurchsichtig aus. Größere Kinder und Erwachsene wiederum greifen lieber zu deutlich besseren Spielen wie eben Split Fiction und It Takes Two, oder auch reinen Koop-Rätselspielen wie Escape Academy, die We-Were-Here-Reihe oder (vielleicht) das demnächst erscheinende Little Nightmares 3.

So weiß ich ehrlich gesagt nicht recht, wem ich Lego Voyagers aufrichtig empfehlen kann. Es ist zweifellos charmant, süß, liebenswert, unaufgeregt und ganz sicherlich auch nicht schlecht. Ich würde es so gerne richtig doll ins Herz schließen. Aber alles in diesem Spiel hat man woanders eben schon deutlich raffinierter, durchdachter, sprich: besser gesehen.

„Erlebe, was es heißt, ein Lego-Stein zu sein“, geistert die Aufforderung der Entwickler vom Anfang noch immer durch meinen Kopf. Und genauso irritiert und ratlos wie eingangs über diesen Satz bin ich nun angesichts Lego Voyagers. Wie soll ich das nun alles einordnen? Aber vielleicht fühlen sich Lego-Steine ja genau so: Sie wissen auch nicht, wo sie nun eigentlich genau reinpassen. Denn irgendwo passen sie immer. Und wenn auch nur krumm und schief. Aber manchmal reicht das ja.

Greift zu, wenn...

… ihr ein Spiel für einen entspannten Koop-Nachmittag sucht und dabei spielerisch keine großen Ansprüche stellt.

Spart es euch, wenn...

… ihr an Koop- und Rätselspielen vor allem Kreativität und Abwechslung schätzt.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Charmantes, kurzes Koop-Rätselspiel, das hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt

Ich würde Lego Voyagers so gerne mögen, ganz dolle ins Herz schließen. Denn zweifellos ist es charmant, liebenswert, herzlich und sieht dabei sogar technisch beeindruckend, geradezu zauberhaft aus. Und seine simplen Klemmbaustein- und Knobel-Puzzles bieten eine herzerfrischend entspannte Koop-Erfahrung für gemütliche (und viel zu kurze) vier Stunden an einem Sonntag Nachmittag.

Doch leider fehlt dem Spiel die nötige Raffinesse, Kreativität und Abwechslung im Spielablauf, die solcherlei Rätselspiele in der Regel auszeichnen. Die Aufgaben beschränken sich meist auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den derlei Gamedesign kennt: Brücken über Abgründe bauen, Schalter betätigen, um Türen zu öffnen, und Gegenstände an ihren Bestimmungsort tragen.

>> Da staunst du Bauklötze: Die 10 besten Lego-Spiele <<

Sobald das Spiel diese ausgetretenen Muster verlässt, erreicht es seine besten Momente. Wenn beide Spieler etwa gemeinsam ein Boot einen Fluss hinunter steuern, weckt es ganz offensichtlich Erinnerungen an It Takes Two und Split Fiction – macht aber genau dadurch erst recht die große Kluft deutlich, die zwischen den Koop-Meisterwerken von Hazelight und diesem liebenswerten, aber unterm Strich doch belanglosen Nachahmer klafft.

Überblick

Pro

  • zauberhafter Lego-Stil
  • charmantes Koop-Erlebnis
  • entspannter Schwierigkeitsgrad

Contra

  • mit vier Stunden zu kurz
  • Rätseln fehlt es an Raffinesse und Kreativität
  • für Kinder zu fummelig, für Erwachsene zu seicht

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