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Test - Metal Gear Solid Delta: Snake Eater : Test: So cringe, dass es schon wieder geil ist

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Meisterwerk? Darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. Werke aus der Feder von Hideo Kojima haben schon immer polarisiert – zwischen pathetischem Blankoscheck-Patriotismus und großspurigen, aber oft als Hommage gedachten Film-Anleihen. Ein Spiel wie Metal Gear Solid 3 – oder in diesem Fall die Neuauflage Delta – kann daher beides zugleich sein: ein episches Spionageabenteuer und ein Festival des Fremdschams.

Manchmal fällt die Bewertung eines Spiels schwer, wenn zwei vollkommen gegensätzliche Elemente das Erlebnis prägen. Genau das ist hier der Fall, und es zerreißt einen förmlich innerlich. Jede Kritik ist berechtigt und zugleich unfair. Darf man ein Spiel dafür tadeln, dass es den Konventionen seiner Zeit entsprach, ja, sogar die Entwicklung eines ganzen Genres vorantrieb?

Tugenden vergessener Tage

Es ist kompliziert. Gerade bei einem Remake, das sich sichtlich bemüht, den Charme des Originals zu bewahren. Schließlich will man die Fans nicht vor den Kopf stoßen. Und doch wirkt vieles aus heutiger Perspektive wie ein Relikt. Nostalgie hin oder her: Metal Gear Solid Delta muss sich den Vorwurf gefallen lassen, aus einer Ära zu stammen, die längst passé ist – einer Zeit, in der grobe Polygonfiguren wenig Ausdruckskraft besaßen und deshalb jede Zwischensequenz ein ganzes Arsenal an Emotionen schultern musste.

Es genügte nicht, die Handlung in den Kalten Krieg zu verlegen und den Ost-West-Konflikt als rotes Band des Spionagethemas zu nutzen. Ziele und Ambitionen dieses Prequels zu MGS 1 und 2 mussten dem Spieler mit Nachdruck eingeprägt werden. Wie jung, unerfahren und dennoch hochqualifiziert war Snake damals? Welche Qualen formten seinen Charakter? Welche Beziehungen beeinflussten seinen Werdegang? All das wird mit dem Holzhammer vermittelt.

Die technischen Grenzen der Playstation 2 waren dafür wohl kaum allein verantwortlich. Vielmehr fehlte Videospielen insgesamt die Ernsthaftigkeit und erzählerische Reife anderer Medien. Das Publikum war schlicht noch nicht bereit für Geschichten ohne grelle, dick aufgetragene Konturen.

Damals ernst, heute eine Karikatur

Gerade deshalb umweht das Remaster von Metal Gear Solid 3 heute eine unfreiwillige Aura der Karikatur. Die Geschichte möchte ernstgenommen werden, erzeugt aber stattdessen reflexhaften Spott. Schon Snakes forciert raue Stimme, die mehr an ein He-Man-Hörspiel erinnert als an einen seriösen Schauspieler, untergräbt jede Immersion.

In Zeiten, in denen selbst Fantasy-Titel wie Zelda: Breath of the Wild überzeugenderes Voice Acting bieten – ganz zu schweigen von The Last of Us oder Kojimas jüngstem Death Stranding – verliert die Hauptfigur genau jenen Charisma-Faktor, der sie einst zum Posterboy interaktiver Thriller machte. Snake ist heute schlicht nicht mehr cool.

Im Gegenteil: Spätestens wenn er nach der Einleitung mit einem zwar stilvoll inszenierten, aber überzogen bondesken Vorspann zum Möchtegern-Geheimagenten hochgejazzt wird, setzt das Fremdschämen ein. Der Kitsch einer überholten Videospiel-Ära trieft aus jedem Pixel.

Spielerisch erfrischend altmodisch

Demgegenüber schlägt sich das Gameplay erstaunlich gut – gerade weil es altmodisch wirkt und sich von den bierernsten Standards moderner Schleichspiele abhebt. Natürlich erfordert das gewisse Kompromisse. Ähnlich wie Gran Turismo 4 seinerzeit als seriöse Rennsimulation galt, heute aber eher Arcade-Charakter hat, kann auch Metal Gear Solid Delta kaum noch Spannung durch Realismus erzeugen.

Mag das mühsame Verarzten von Verletzungen mit Schienen und Verbänden kleinkariert erscheinen, mögen die Tarnmöglichkeiten zahlreich sein – am Ende erinnert das Versteckspiel im hohen Gras mehr an ein Arcade-Erlebnis als an eine militärische Simulation. Geradezu grotesk wirkt es, wenn ein fünf Meter weiter stehender Wachposten Snake nur deshalb entdeckt, weil dessen Magen im Zehn-Sekunden-Takt laut knurrt.

Doch genau diese Eigenheiten verleihen Delta seinen besonderen Reiz. Es gibt klare Regeln, die man strategisch nutzen oder sogar „exploiten“ kann. Heranschleichen, Gegner ausschalten, ihre Körper in Sicherheit bringen – das macht Freude, weil man letztlich weniger gegen die KI als vielmehr gegen Level-Design und Zeitdruck spielt.

Klar, das wiederholte Wandern durch streng abgesteckte, geradezu kapselartig verschlossene Areale kann ermüden – besonders beim Infiltrieren von Basen, in die man schnell hinein- und hinausmöchte. Andererseits reduziert diese Struktur auch Frust, denn wo es keine offenen Areale gibt, rücken auch keine peripher platzierten Wachen nach.

Neuer Anstrich

Konami hätte solche Faktoren im Rahmen des Remasters korrigieren können, verzichtete aber absichtlich darauf. Abseits einer neuen Kameraperspektive, die Snake verfolgt, statt seine Handlungen aus der Vogelperspektive zu betrachten, sowie eines entsprechend angepassten Steuerungsschemas, hat sich nichts am Spielerlebnis geändert. Die neue Perspektive ist sogar optional, ihr könnt also auch spielen wie anno dazumal. Zwar nicht in fließendem Übergang, sondern nur nach einem Pausieren und Neustarten des Spiels (vor dem ihr speichern solltet), aber immerhin.

Von allen Neuerungen sticht am ehesten der grafische Anstrich heraus, der die Vegetation besser hervorhebt, Spielfiguren aufwertet, viele atmosphärische Effekte hinzufügt und natürlich schärfer ausfällt. Leider zulasten der Performance, die zwar 60 FPS anpeilt, aber diese selten erreicht. 30 bis 45 FPS entsprechen der Realität, wobei die PS5 Pro am meisten leidet, weil sie versucht, die Vorzüge zweier Grafikmodi, die ihr auf den anderen Konsolen wählen dürft, miteinander zu verschmelzen.

Qualitativ erreicht das Endergebnis keinesfalls das Niveau moderner Titel, aber echten Grund zur Beschwerde fanden wir nicht. Das visuelle Upgrade ist immerhin so gut, dass man den Seifenoper-Charme der endlos ausgewalzten Zwischensequenzen ertragen, wenn nicht sogar absichtlich genießen kann. Sofern ihr diese Sequenzen (oder die langen Codec-Funk-Konversationen) nicht überspringt, kann es durchaus passieren, dass ihr vom Kalter-Krieg-Kitsch in Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten-Qualität gefesselt werdet.

Im Jahr 2025 hat das alles die Anziehungskraft eines Autounfalls. Wegsehen fällt schwer, weil man kaum glauben mag, dass sowas mal ernst gemeint war. All der hochgejazzte Dialog-Schmus, bei dem Solid Snake Dialoge führt, indem er die letzten Worte seines Gesprächspartners in Form einer Frage wiederholt, als hätte er gerade eine Einleuchtende Idee; all der übernatürliche Nonsens seiner Kontrahenten, die sich als coole Bosse entpuppen, aber sonst nur Schauspiel auf Provinzniveau bieten können. Das ist alles so unglaublich cringe, dass es schon wieder geil ist. The Fear, der Unsichtbare, The Pain, der Bienenschwarm-Bändiger; Revolver Ocelot, der Westernschurke im Spionagekostüm. Mein Gott, geht es denn noch klischeehafter?

Metal Gear Solid Delta ist eben ein Vollblut-Videospiel, keine ernste Schleichsimulation, kein Spionage-Thriller für Feinsinnige. Gutes, altes Knöpfchendrücken zum Hirnabschalten. Und genau das funktioniert heute vielleicht besser denn je. Snakes Prequel vertritt dabei eine schwere Position, weil das Spiel nicht alt genug ist, um dem Retro-Welpenschutz der experimentell geprägten Neunzigerjahre zu unterstehen, und nicht neu genug, um moderne Ansprüche zu erfüllen.

Es war eine mutige Entscheidung, dieses Spiel zu remastern, aber sicher keine falsche. Delta erinnert uns an einen Entwicklungsstatus dieser Branche, den wir nur allzu gerne verdrängen. Eine Zeit, in der Spiele noch freier, lauter und weniger verkopft waren. Eine Zeit, in der wir uns alle nicht so ernst nahmen wie heute.

Greift zu, wenn...

… ihr Fans des Originals seid und Solid in moderner Perspektive durch den Anfang seiner Karriere steuern wollt.

Spart es euch, wenn...

… ihr bei einem gewissen Cringe-Faktor der Story und vergleichsweise einfachen Schleich-Regeln abwinkt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Ein Klassiker, den man so nehmen muss, wie er ist

Ihr habt es gemerkt: Ambivalenz ist Teil der Faszination von Metal Gear Solid Delta. Ich tadle viele seiner Eigenheiten und kann mich dennoch nicht entziehen, weil die Nostalgie zu mächtig ist. Moderne Vernunft und Retro-Romantik tragen auf meinen Schultern ihr Duell aus. Vielen anderen Spielern dürfte es ähnlich gehen.

Konamis Programmierer und Designer wären von den Fans gevierteilt worden, wenn sie zu viel an diesem Abenteuer geändert hätten. Aus heutiger Warte betrachtet, hätte ich mir etwas mehr Modernisierung, wenn nicht gar Entschlackung gewünscht, um einiges von dem Ballast loszuwerden, der Metal Gear Solid Delta heute plagt. Etwa das überfüllte Inventar, bei dem die Hälfte der Gegenstände kaum gebraucht wird, das noch immer ausufernde Heilen von Snakes Wunden, das ständige (wenn auch titeltragende) Jagen von Wildtieren zum Stillen des Hungers und nicht zuletzt Codec-Gespräche, die in einer Spionage-Geschichte eigentlich keinen Platz haben dürften (ganz besonders die Anekdoten über alte Filme).

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Andererseits sind es genau diese Elemente, die in dieser Serie herausstechen, die diesen Teil und Aspekte seiner Nachfolger definieren. Aus heutiger Sicht mögen sie überzogen, geschmacklich fragwürdig oder schlicht lästig erscheinen – sie gehören dennoch untrennbar dazu. Ein Spiel, das Geschichte schrieb, bleibt eben, was es war. Man muss es so nehmen, oder man lässt es. Ich nehme es an – gezogen durch den Kakao seiner Schwächen, gepudert im Glanz seiner guten Seiten, aber immerzu betrachtet durch die rosa Nostalgiebrille. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass Neulinge damit klarkommen.

Überblick

Pro

  • Klare, eingängige Spielmechaniken
  • Nostalgiefaktor für Fans des Originals
  • Gelungener Neuanstrich
  • Optionale Verfolgerkamera
  • Skurrile Bosse & schräge Eigenheiten
  • „So schlecht, dass es schon wieder gut ist“-Faszination
  • Original-Gameplay unverändert erhalten

Contra

  • Überzogene, klischeehafte Story und Inszenierung
  • Fremdschäm-Faktor durch Voice Acting & Zwischensequenzen
  • Performance-Probleme (30-45 FPS, v.a. auf PS5 Pro)
  • Altbackenes Leveldesign mit engen Arealen
  • Überladenes Inventar & Heil-System
  • Kaum sinnvolle Modernisierungen
  • Für Neulinge wenig einladend

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