Test - Quarantine Zone : Test: Das “Papers, please! mit Zombies” mag auf Social Media ein Hit sein, zu mehr taugt es aber leider nicht.
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Dank zahlreichen Games, Filmen, Serien und Büchern haben wir eine klare Vorstellung davon, wie eine Zombie-Apokalypse abzulaufen hat. Da gibt’s den Ausbruch, die Flucht, der schlimmste Feind sind eigentlich die nicht-infizierten Menschen und vor allem das Militär, und nach einigen Explosionen und Äxten in Zombie-Köpfen kriegt der Held noch das Mädchen. Quarantine Zone verzichtet auf all das und damit bedauerlicherweise auch auf Spannung, Story oder Langzeitmotivation.
In Quarantine Zone übernehmt ihr den Job als Kommandant eines Militär-Checkpoints, während sich eine mysteriöse Krankheit ausbreitet, die die Infizierten nach einer Weile in fleischfressende Zombies verwandelt. Wer sein Gehirn noch unter Kontrolle (und nicht das eines anderen im Magen) hat, darf sich bei euch in die Schlange stellen und auf einen sicheren Platz im Lager hoffen.
Gesunde Menschen erhalten Zugang und warten dort auf ihre Evakuierung. Infizierte werden hingegen (buchstäblich) hinter den Schuppen geführt und lernen den Lauf einer Dienstwaffe vom falschen Ende aus kennen. Um über Leben und Tod zu entscheiden, bedarf es einer außergewöhnlichen Person mit Kenntnissen in Medizin, Psychologie und Virologie. Jemandem mit einem gefestigten Charakter, der durch jahrelange Ausbildung gelernt hat, mit einer solchen Belastung umzugehen. Wahrscheinlich kaut diese Person aber gerade auf dem Unterarm des Postboten herum, denn stattdessen übernehmt ihr diese Aufgabe.
Nur ein kleiner Pieks
Natürlich entscheidet ihr aber nicht einfach blind aus dem Bauch heraus, sondern untersucht jeden einzelnen Bewerber gründlichst, bevor ihr sein Schicksal besiegelt. Bei einem Puls unter 120 ist zum Beispiel alles im Lot, ab 140 schärft der Sensenmann schonmal sein Arbeitsgerät. Ähnlich sieht es bei der Temperatur aus oder bei der Hautfarbe. Wobei Letzteres kein Anzeichen für Racial Profiling ist. Zum Todesurteil führt die Hautfarbe nur dann, wenn der Kandidat grün ist.
Interessant wird es erst, wenn ihr kein eindeutiges Ergebnis erhaltet. Ein Puls um 130 könnte ein Symptom des Zombie-Virus sein, vielleicht ist der Bewerber aber auch nur gerade noch vor einer Horde verwandelter Supermarkt-Kassiererinnen weggelaufen. Solche Leute steckt ihr in Quarantäne und schaut am nächsten Tag nochmal nach, ob sich etwas verändert hat. Ist das Fieber gesunken? Cool! Sind die Augen immer noch gelb? Zurück in die Plexiglas-Zelle! Löffelt der Patient zum Frühstück das Hirn aus dem aufgebrochenen Schädel eines anderen Quarantäne-Patienten? Keine zweite Meinung mehr notwendig …
Im Laufe der Kampagne werden die Symptome komplexer und mehr und dementsprechend wächst auch euer Arsenal an Werkzeugen. Reflex-Hammer (bei Zombies zuckt das falsche Bein), Stethoskop (Todesröcheln), Nackt-Scanner (Unterwäsche bleibt an, ihr Ferkel!) und ein tragbares Röntgengerät (wegen schimmliger Organe) schaltet ihr nach und nach frei.
Dabei ist “Kampagne” ein starkes Wort. Eigentlich handelt es sich nur um ein langwieriges Tutorial, welches nach und nach die Tools präsentiert und zwischendurch von kleineren “Quests” unterbrochen wird. 99% der Zeit wiederholt ihr immer wieder die gleichen Untersuchungen, die im Laufe der Zeit zwar nicht spannender, aber dafür noch länger werden.
This is not my Lil’ Zombie, please!
Für “Abwechslung” sorgen die täglichen Quests. Die halten sich aber größtenteils auf dem Level von “Töte 3 Ratten mit deinem Reflex-Hammer!” oder “Liquidiere den Typen mit den Streichhölzern im Gepäck, auch wenn er eigentlich gesund ist”. Konsequenzen hat das alles aber nicht. Quarantine Zone mag auf den ersten Blick an Papers, Please! oder Lil’ Guardsman erinnern, aber von dem Charm und dem kreativen Storytelling der Indie-Lieblinge findet sich hier gar nichts wieder.
Mal abgesehen davon, dass durch Kommuniqués, Zeitungsartikel oder von mir aus zwei Soldaten, die sich über Gerüchte unterhalten, sowas wie eine Story hätte aufkommen können, wirkt auch das Gameplay merkwürdig uninspiriert. Sowas wie “Neue Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass der Hautausschlag auch von einer anderen Krankheit kommen kann. Ab sofort sind Zivilisten mit diesem Symptom nicht mehr sofort zu liquidieren, sondern müssen in Quarantäne gesteckt werden” würde ja schon etwas Abwechslung bieten, passiert aber nicht.
Ein angeflanschtes Basenbau-Feature soll noch für sowas wie Langzeitmotivation sorgen. Das ist aber so rudimentär, dass ich zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis kam, über zu wenig Energie, Nahrung oder Medi-Packs zu verfügen. Also auch wieder eher ein notwendiges Übel als eine herausfordernde Management-Simulation.
Die letzte unangenehme Unterbrechung eurer Freizeit reißt euch nachts aus dem Schlaf. Hin und wieder wird euer Stützpunkt nämlich von den Untoten gestürmt und da ihr scheinbar der einzige kompetente Typ im Camp seid, übernehmt ihr die Kontrolle über die wiederum einzige Drohne und ballert die Horde über den Haufen.
Alle paar Tage kommt dann der Evakuierungstransporter und ihr entscheidet, wer in den Transporter in die Freiheit steigt (und euch deswegen Geld einbringt) und wer stattdessen mit dem LKW Richtung Forschungsabteilung gebracht wird (und so Forschungspunkte bringt, mit denen ihr Dinge verbessern könnt).
Wie eine Horde Smombies
Aber ich lehne mich jetzt mal so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass Langzeitmotivation gar nicht das Ziel der Entwickler war. Quarantine Zone wurde bekannt durch Streamer und Videos auf den entsprechenden Social-Media-Plattformen. Im Hauptmenü prangt zwischen “Einstellungen” und “Beenden” direkt der Login für die Twitch-Unterstützung. Das ist erstmal überhaupt nichts Verwerfliches, sondern ein toller Service für Streamer.
Zusammen mit dem Zustand des restlichen Spiels wirft das aber dann doch Fragen auf. Ist Quarantine Zone vielleicht ein Spiel, das gemacht wurde, um es nicht selbst zu spielen? Wer wirklich hart Bock auf das Setting hat, der beißt sich vielleicht ein paar Stunden alleine durch, aber ich bezweifle, dass die zähe Monotonie ihn bis zum Ende der Kampagne durchhalten lassen wird.
Wer aber nur einen 20-sekündigen Clip auf Tiktok sieht, dem fällt halt nicht auf, dass es ganze 5 verschiedene Modelle für die Zivilisten gibt, die sich permanent wiederholen. Sollte wirklich mal ein ausgefallener Charakter dabei sein, dann stellt ihr nach einem kurzen Blick auf den Namen wahrscheinlich fest, dass es sich dabei um einen Influencer handelt, der ins Spiel eingebaut wurde, damit der sich dann feiern kann, wenn er im Stream sich selbst auf Bissspuren untersucht. Pech, wenn man selbst kein Streamer ist.
Greift zu, wenn...du das Setting cool findest und ein paar Stunden seichte Beschäftigung suchst.
Spart es euch, wenn...du auf Story, Atmosphäre oder echte Entscheidungen hoffst.


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