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Test - Triangle Strategy : Nostalgie-Rollenspiel der Macher von Octopath Traveler

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Auf dem Kontinent Norzelia herrscht endlich Frieden. Nach Jahren des Krieges um die Ressourcen Eisen und Salz – dem sogenannten Salzeisenkrieg – zwischen den Nationen Glenbrock, Hellsand und Aesfrost, der zahllose Opfer auf allen Seiten forderte, einigten sich die Kriegsparteien, ein Handelskontor ins Leben zu rufen, der den gesamten Kontinent umfasst und dem blutigen Konflikt ein Ende setzte. In dieser Zeit der neu gewonnenen Eintracht schlüpfen wir in die Rolle des jungen Serenoa, dem Spross aus dem Hause Wolfford, dessen Führung er später einmal übernehmen soll.

Optisch tritt Triangle Strategy in die Fußstapfen von Octopath Traveler vom selben Entwickler und präsentiert sich in einer hübschen Mischung aus nostalgischen Pixel-Charakteren in schick animierten 3D-Umgebungen. So zweifellos malerisch das Wasser glitzert und so atmosphärisch das Licht die drollig groben Pixel in einen verwunschenen Schimmer taucht, wirkt die Optik im direkten Vergleich mit Octopath Traveler jedoch einen Hauch trister und bietet auf Dauer zu wenig Abwechslung.

Auf Norzeia basiert alles auf den drei Gesinnungen Freiheit, Moral und Nutzdenken. Jede davon können wir im Wert steigern, indem wir Entscheidungen treffen und unterschiedliche Aktionen ausführen. Je nachdem, wie hoch unser Wert bei den jeweiligen Gesinnungen ist, können wir auf andere Charaktere treffen und sie rekrutieren. Im ersten Spieldurchlauf haben wir davon allerdings nicht nicht viel mitbekommen, denn das Spiel gibt wenig Aufschluss darüber, welche unserer Aktionen und Antwortmöglichkeiten welche Gesinnung beeinflussen.

Natürlich ist der frisch errungene Frieden auf dem Kontinent nur ein brüchiger, und so geraten wir schon sehr bald in die ersten Konflikte und dürfen unser strategisches Geschick unter Beweis stellen. Denn Triangle Strategy ist ein JRPG mit einem rundenbasierten Kampfsystem, das taktisch anspruchsvolle Strategien erfordert. Ziehen wir überwiegend mit Nahkämpfern in die Schlacht oder setzen wir auf Fernkämpfer wie Magier und Bogenschütze? Nehmen wir unsere Heilerin mit oder verzichten wir auf sie, um einen weiteren Kämpfer einzupacken und den Kampf schneller zu beenden? Das alles will wohlüberlegt abgewogen werden, bevor wir den Kampf starten.

Taktisch anspruchsvoll

Bei den Überlegungen, wie wir die Schlacht am cleversten schlagen und zu unseren Gunsten entscheiden, spielt vor allem auch das Terrain, auf dem gekämpft wird, eine große Rolle. Die einzelnen Schlachtfelder zeigen sich sehr abwechslungsreich. Mal kämpfen wir in den Bergen, wo wir auf Höhenunterschiede setzen können, mal auf flachen Ebenen wie einer Brücke oder einem Burghof. Bogenschützen bringen uns herzlich wenig, wenn das Schlachtfeld über keine erhöhten Positionen verfügt, auf denen wir sie platzieren können, während wir die Gegner mit unseren Nahkämpfern flankieren und in die Zange nehmen.

Bei solchen Standard-Taktiken hört Triange Strategy allerdings nicht auf. Umso mehr Mitstreiter wir im Laufe des Spiels in unser Team aufnehmen, desto vielfältiger werden die taktischen Möglichkeiten. Denn nicht nur bringt jede der unterschiedlichen Klassen ihre eigenen Vorteile mit, auch die einzelnen Charaktere bieten spezielle Fähigkeiten, die wir zu unserem Vorteil nutzen können. Jens, der Schmied, etwa verfügt über die Möglichkeit, Leitern auf dem Schlachtfeld aufzustellen, wodurch wir schnurstracks Höhenunterschiede überwinden können, um gegnerische Fernkämpfer zu erreichen oder unsere eigenen auf Anhöhen zu platzieren.

Stellen wir uns dumm an und wissen unsere Strategie nicht geschickt auszuspielen, kennt der Gegner keine Gnade. Dann nimmt er seinerseits unsere Mitstreiter in die Zange, platziert sich dreist hinter ihnen und haut einen nach dem anderen aus den Latschen. Und ehe wir uns versehen, stehen wir in Unterzahl da und können nicht mehr viel ausrichten. Gefallene Kameraden zurück ins Leben zu rufen, ist nämlich keine Option. So frustrierend solche Situationen dann auch sein können, da die Kämpfe teilweise durchaus sehr lange dauern, so befriedigend ist es, wenn eine Taktik aufgeht und man einen Gegner nach dem anderen ins Jenseits schickt.

Die schiere Masse an taktischen Möglichkeiten, die mit den unterschiedlichen Charakteren einhergeht und die uns das Spiel an die Hand gibt, laden förmlich dazu ein, mit ihnen zu experimentieren, neue Taktiken auszuprobieren und im schlimmsten Fall daran auch einmal zu scheitern. Das macht mächtig Spaß und sorgt für Abwechslung auf dem Schlachtfeld.

Stellen wir uns geschickt an und tragen den Sieg davon, sind unsere Kämpfer einige Stufen aufgestiegen und wir haben einiges an Gold verdient und Ressourcen gewonnen. Dann kommt das Feldlager ins Spiel. Dieses dient uns während des Spiels als Hub, wo wir erbeutete Ressourcen wie Holz, Erz und Felle einlösen können, um unsere Streiter zu verstärken.

Auch dies erfordert einiges an vorausschauender Überlegung, denn die Story-Kämpfe gewähren nicht genug Gold und Ressourcen, um alle Mitstreiter gleichermaßen zu verbessern. Dadurch stellen sich stets Fragen wie: Erhöhen wir deren Angriffsschaden? Verpassen wir ihnen mehr Lebensenergie oder erhöhen wir doch lieber ihre Abwehrkraft? Komplett verskillen können wir uns zum Glück nicht, da wir notfalls durch Übungskämpfe in der Taverne ebenfalls an Gold und Ressourcen kommen.

Erkundungsmissionen und wichtige Entscheidungen

Zwischen den Kämpfen und teilweise endlos scheinenden Zwischensequenzen schickt uns Triangle Strategy immer wieder auf Erkundungsmissionen, die die Geschichte vertiefen und uns die Möglichkeit geben, die Dorfbewohner besser kennen zu lernen und die Umgebung zu erkunden. Das lohnt sich zwar immer mal wieder, um ein bisschen Gold und Ressourcen abzustauben und Hintergrundinformationen zur Geschichte und zur Welt zu erfahren, langfristig motivierend und abwechslungsreich fühlen sich die Missionen allerdings nicht an.

Dafür bestehen sie dann doch zu sehr aus dem immer gleichen Ablauf in klein abgesteckten Arealen: mit den Dorfbewohnern reden, alles anklicken, was glitzert, und jedes Haus nach Gegenständen durchsuchen ... Immerhin lassen sich die Erkundungstour jederzeit abbrechen. Dann gehen uns allerdings unter Umständen wichtige Informationen durch die Lappen, die für spätere Entscheidungen, die wir treffen müssen, wichtig sein könnten. Vor solche stellt uns das Spiel des Öfteren, und sie stellen sich als eine seiner Stärken heraus.

Je nachdem, wie wir uns entscheiden, führt uns das Spiel in eine komplett andere Richtung. Zumindest vorübergehend. Stimmen wir dem Schmuggel zu, schickt uns Triangle Strategy nach Norden ins Königreich Aesfrost, um das Salz abzuliefern, und wir erfahren, wer dort das geschmuggelte Salz kauft und zu welchem Zweck. Entscheiden wir uns hingegen gegen den Schmuggel, geht es ins Königreich von Heissand und wir bekommen eine Geschichte rund um das Haus geboten, das den Salzschmuggel betreibt. Zwar führen beide Entscheidungen am Ende zum selben Ergebnis, der Weg dorthin verläuft allerdings komplett unterschiedlich.

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Mit Triangle Strategy erscheint am 4. März das neueste Rollenspiel-Epos von Square Enix exklusiv für die Nintendo Switch. Wir sagen euch in diesem Video alles, was ihr zum Spiel wissen müsst.

Am liebsten hätten wir sogar vor jeder dieser Entscheidungen einen Speicherstand angelegt, um uns später die verschiedenen Möglichkeiten und Geschichten anzusehen, doch leider beschränkt sich die Zahl der maximalen Speicherplätze auf zehn. Immerhin bietet Triangle Strategy ein New Game+ für alle an, die sich nicht mit einem unvollständigen Spielstand zufrieden geben möchten. Das Spiel erhöht damit den Wiederspielwert, allerdings ist fraglich, ob man nur für derlei einen kompletten Spieldurchgang austragen möchte.

Die Geschichte kommt erst spät in Fahrt

Die Geschichte rund um Serenoa und die drei Königreiche auf dem Kontinent Norzelia braucht eine ganze Weile, um Fahrt aufzunehmen. Für Story-Liebhaber lohnt sich das Durchhalten aber durchaus. Denn die Geschichte, die Triangle Strategy ausrollt, fällt durchaus spannend aus und ist gespickt mit Intrigen und Verrat rund um die drei großen Königreiche und die Häuser, die in diesen beheimatet sind, ähnlich wie Game of Thrones es vormacht, ohne allerdings an das vermeintliche Vorbild heranzureichen. Denn so interessant die Geschichte ausfällt, so eindimensional sind die Charaktere, die darin vorkommen.

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Das Spiel versucht zwar immer wieder mit emotionalen Momenten zu packen und ist redlich bemüht, uns die Charaktere nahe zu bringen, leider weisen deren Persönlichkeit aber gerade mal die Tiefe einer Pfütze auf. Serenoa ist der junge Erbe des Hauses Wolffort, der immer recht handeln will und hofft, dass es allen gut geht, während sein Berater und Stratege Benedict immer nur um das Wohl und den Ruf des Hauses besorgt ist. Dieses Muster zieht sich durch alle Charaktere durch. Weiter reichende Sympathien oder gar emotionale Bindungen kommen kaum auf. Stets ist auch von vornherein klar, wer nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Überraschende Twists sind Fehlanzeige. Das ist schade, denn ein gewisses Maß an Vielschichtigkeit hätte der an sich durchaus gelungenen Geschichte noch die gewisse Würze verliehen.

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