Test - Wuchang: Fallen Feathers : Test: Ein Souls-like voller Klischees und mit etwas zu wenig Identität
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In Wuchang: Fallen Feathers existieren so viele Gegensätze, dass es regelrecht verwirrt. Die Geschichte in der chinesischen Mythologie und mit einer Piratin in der Hauptrolle erweckt direkt Interesse, verliert sich aber im klischeebeladenen Storytelling und zerfasert viel zu sehr. Unterschiedliche Waffengattungen sorgen für spannende Kämpfe, die sich aber wie in jedem x-beliebigen Souls-like anfühlen. Mit diesen Widersprüchen hören die Probleme des Spiels aber noch lange nicht auf.
Schon bei der Story wirkt Wuchang: Fallen Feathers seltsam vertraut. Nicht der Part mit der chinesischen Piratin in der Hauptrolle – hier war mein Interesse direkt geweckt. Doch dann erwacht die namensgebende Figur, unter Amnesie leidend, in einer Höhle, und ein Priester in der Nähe erzählt ihr von einer mysteriösen Federseuche, an der sie natürlich erkrankt ist.
>> Hier gibt's Hilfe: 10 Tipps für euren Einstieg in Wuchang: Fallen Feathers <<
Die Handlung spielt während der späten Zeit der Ming-Dynastie unter der Führung des Kaisers Ming Huiru. Entsprechend besucht ihr historische Orte wie den Großen Buddha von Leshan und allerhand fiktive Schauplätze. Denn der Federwahn betrifft nicht nur euch, er greift in ganz China um sich und verwandelt Menschen in blutrünstige Monster. Dazu gesellen sich fiese Dämonen, und die Personen, die sich nicht verwandelt haben, reagieren äußerst allergisch auf euren Flatterarm.
Entsprechend trachtet euch ab der ersten Minute von Wuchang: Fallen Feathers nahezu alles und jeder nach dem Leben. Glücklicherweise steht euch eine umfangreiche Waffenauswahl zur Verfügung, und auch eure Krankheit bietet nicht nur Nachteile.
Ein wahnsinniges Kampfsystem
Die Grundzüge der Kämpfe habt ihr als Souls-like-Connoisseure schnell verinnerlicht. Haut euren Gegnern leichte, schwere sowie aufgeladene Angriffe um die Ohren – eure Movesets werden dabei durch eure gewählte Waffe bestimmt. Fünf Typen bietet euch das Spiel, die allesamt bekannt vorkommen: Langschwert, Doppelklingen, Speer, Axt und Einhandschwert gewinnen keinen Innovationspreis, bieten aber die wichtigsten Optionen für geneigte Piratenkriegerinnen.
Dazu gesellt sich noch ein Potpourri magischer Manöver – von Feuerbällen über Energieblitze bis hin zu giftigen Geschossen bietet euch Wuchang: Fallen Feathers jegliche erdenkliche Option. Um sie einzusetzen, verwendet ihr allerdings kein Mana, sondern spezielle Attackenpunkte. Die verdient ihr durch perfektes Ausweichen – weitere Optionen schaltet ihr im Spielverlauf frei. Beispielsweise erhaltet ihr sie nach bestimmten Angriffen oder durch perfekte Paraden.
Letztere gehören allerdings nicht zu Wuchangs Standardrepertoire – vielmehr müsst ihr sie erst im Skilltree freischalten. Nach jedem Level-up erhaltet ihr einen Skillpunkt, den ihr im enorm umfangreichen Fähigkeitenbaum ausgeben dürft. Dieser erinnert in seiner Bandbreite eher an Nioh und bietet vielfältigste Möglichkeiten. Nicht nur schaltet ihr neue Attacken offensiver und defensiver Natur für eure liebsten Waffen frei, auch eure Charakterwerte passt ihr ausschließlich hier an. So ergeben sich Möglichkeiten für unterschiedlichste Builds, und gefällt euch die aktuelle Auswahl nicht, dürft ihr eure Punkte relativ simpel zurücksetzen.
Dazu sockelt ihr Edelsteine in eure Waffen, um sie mit Boni zu versorgen oder eure aktuell ausgerüsteten Attacken zu verbessern. Die begehrten Klunker findet ihr im Storyverlauf und regelmäßig versteckt in der Spielwelt – wie auch Nadeln. Dabei handelt es sich um spezielle Objekte, die für die Verhärtung benötigt werden. Hinter diesem schicken Begriff verbirgt sich eine Art besonderes Item, das euch kurzzeitig mit enorm nützlichen Effekten versorgt. Beispielsweise verursacht eure Waffe Feuerschaden, ihr heilt Leben und vieles mehr.
Als eigenen kleinen Kniff erdachten die Entwicklerinnen und Entwickler noch das Wahnsinns-System, das sich durch den Federwahn erklärt. Besiegt ihr menschliche Gegner oder beißt ins Gras, steigt der entsprechende Wert. Ist die Leiste vollständig gefüllt, verursacht ihr mehr Schaden, seid aber auch deutlich empfindlicher.
Segnet ihr in diesem Zustand noch einmal das Zeitliche – außerhalb von Bossfights – manifestiert sich der Wahnsinn in Form eures inneren Dämons. Um an eure hart erkämpften Erfahrungspunkte (hier: Quecksilber) zu gelangen, müsst ihr ihn töten. Oder ihr lockt ihn ganz einfach in eine gegnerische Horde und lasst diese eure Drecksarbeit erledigen. Für sich genommen ein nettes System – doch die Kampfkraft des Wahnsinnsdämons fällt komplett willkürlich aus. Mal haute ich ihn mit ein paar Treffern zurück in die Hölle, an anderen Stellen sah ich kein Land, und sämtliche Erfahrungspunkte waren dahin.
Aus der Balance geraten
Ganz allgemein schafft es Wuchang: Fallen Feathers nicht, einen durchgängigen Schwierigkeitsgrad zu erzeugen. Manche Stellen fühlen sich fast schon lächerlich einfach an, dann werdet ihr plötzlich aus dem Hinterhalt überfallen oder euch stehen gleich mehrere überstarke Feinde samt ekliger Elementareffekte gegenüber. Da hilft die beste Rüstung mit Giftresistenz nichts, wenn urplötzlich ein Feind mit Blutungsschaden auftaucht. In solchen Momenten lief mein Controller gerne mal in Gefahr, einen Freiflug spendiert zu bekommen.
Das fragwürdige Balancing macht sich auch in den Bosskämpfen bemerkbar. Manche Body-Horror-Gestalten jagen euch regelrecht einen kalten Schauer über den Rücken, lassen sich aber ohne Probleme im ersten Versuch verhauen. Dann gibt es plötzlich menschliche Obermotze, die irrsinnig schnell angreifen und kaum Zeit zum Heilen lassen. Außerdem fällt das Tracking oftmals übertrieben stark aus – noch während eines Angriffs könnt ihr dann beobachten, wie sie sich in der Luft in eure Richtung drehen.
Was ich so überhaupt nicht verstehe: Theoretisch bietet Wuchang: Fallen Feathers NPC-Helferlein, die ihr in Bosskämpfen herbeirufen dürft. Ehrlos, aber manchmal eben nötig. Doch seltsamerweise funktioniert das nicht bei jedem Obermotz, und die Regel hinter dieser Einschränkung verrät euch das Spiel nicht. Trial and Error ist also angesagt.
Als würde das nicht schon ausreichen, um jeden Geduldsfaden einer Zerreißprobe zu unterziehen, fallen die Hitboxen oftmals unsauber aus. Meine Attacken laufen regelmäßig ins Leere – selbst wenn ich allem Augenschein nach meilenweit neben eingehenden Angriffen stehe, verliere ich Leben.
Eine Welt der Widersprüche
Beim Leveldesign fährt Entwickler Leenzee die ganz schweren Geschütze auf und scheucht euch quer durch so ziemlich jedes chinesische Umgebungsklischee. Ihr besucht beeindruckende Tempel, malerische Wälder, verschneite Bergspitzen und gruselige Katakomben. Die einzelnen Versatzstücke der Spielwelt sehen oftmals mindestens nett und selten sogar richtig gut aus – doch allzu oft trüben matschige Texturen das Gesamtbild.
Dafür lassen sich sowohl eure eigenen als auch die gegnerischen Attacken in den meisten Fällen wunderschön ansehen. Wuchang kettet unterschiedliche Angriffe zu einem schicken Tanz der Gewalt aneinander, und eingehende Manöver lassen sich in den meisten Fällen sehr gut lesen. Ob es die übertriebenen Jiggle-Physics und bisweilen albern freizügigen „Rüstungen“ samt Höschenblitzern jetzt gebraucht hätte, wage ich allerdings stark zu bezweifeln. Wurde sich hier vielleicht ein Vorbild an Stellar Blade genommen?
Dazu fehlt es Wuchang: Fallen Feathers an eben dem genialen Spieldesign und Weltaufbau, der gute Souls-likes von großartigen unterscheidet. Zwar findet ihr immer mal wieder Abkürzungen und kommt nach ellenlangen Umwegen an bekannten Orten raus. Doch zu keinem Zeitpunkt vermittelt die Welt dieses großartige Gefühl, leibhaftiger Teil einer durchdachten Architektur zu sein. Verschlungene und entsprechend unabsichtlich verwirrende Gänge und teils minutenlange Laufwege von Rastpunkten hin zum Ort eures letzten Ablebens zeigen die offensichtlichen Schwächen auf.
Auf der PS5 Pro gesellt sich außerdem eine mehr als wackelige Performance zum durchwachsenen Gesamteindruck hinzu. Drei Grafikmodi versprechen für jeden etwas, doch selbst in der Performance-Option hält das Spiel die 60 FPS nicht durchgehend. Unterstützt euer Fernseher kein VRR, ärgert ihr euch zudem über teilweise heftiges Tearing. Bei einem Spiel mit einer schicken, aber eben auch nicht herausragenden Grafik sollte das nicht passieren.
Greift zu, wenn...… ihr auf Krampf jedes Souls-like da draußen spielen müsst und euch das Setting reizt.
Spart es euch, wenn...… ihr bei schlechtem Balancing die Decke raufgeht und große Neuerungen erwartet.



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